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DFD - Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands

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Erstellt: 2021-01

DFD
DFD - Digitales Familiennamenwörterbuch Deutschlands

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Das Digitale Familiennamenwörterbuch Deutschlands (DFD)

Familiennamen

Namen haben eine ausgeprägt identitätsstiftende Funktion für den Menschen: Nicht nur Ruf-, auch Familiennamen werden als fester Bestandteil der Persönlichkeit begriffen. Die Entstehung der deutschen Familiennamen reicht bis ins Mittelalter zurück, wo diese sich aus zunächst noch unfesten Beinamen entwickelt haben. Familiennamen konservieren sprachliches Material, kulturelle Gegebenheiten und mentale Einstellungen, das berufliche Spektrum in seiner ganzen Breite sowie wichtige Hinweise auf Siedlungs- und Wanderungsbewegungen des späten Mittelalters. Daher bilden sie eine hervorragende Quelle nicht nur für die Historische Sprachwissenschaft, sondern auch für die Kulturanthropologie, die Mentalitätsforschung, die Religionswissenschaften sowie die Siedlungs- und Migrationsforschung. Entsprechend groß ist das allgemeine Interesse in Öffentlichkeit und Wissenschaft an der Bedeutung, Verbreitung und Herkunft von Namen.
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A

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B

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Sherlock Holmes

Am 22. Mai 1859 wurde Arthur Conan Doyle in Edinburgh geboren. Er war Arzt und Schriftsteller und obwohl sein literarisches Werk vielfältig ist, wurde er vor allem durch seine Detektivromane berühmt. Die Figur des heute weltberühmten Meisterdetektivs Sherlock Holmes wurde so erfolgreich, dass Doyle sogar dessen Tod in der Erzählung "Das letzte Problem" wieder revidieren und ihn für seine Leser_innen "wiederauferstehen" lassen musste. Holmes, der verschrobene, eigenwillige und hochintelligente Privatermittler ist allerdings nicht denkbar ohne seinen bodenständigen, treuen Freund, Helfer und Chronisten Dr. Watson, mit dem er in gemeinsamen Räumlichkeiten in der Baker Street Nr. 221b residiert. Dort versorgt ihn die geduldige Vermieterin Mrs. Hudson mit ständigem Teenachschub. Man mag sich fragen, warum sie die Marotten ihres Mieters (z.B. Geigenspiel zu später Stunde, Drogenkonsum) duldet. Mit seinem messerscharfen Verstand, übermenschlicher Beobachtungsgabe und analytischen Methoden ist Holmes den meisten Verbrechern überlegen. Allerdings kann ihn tatsächlich die intelligente Irene Adler, die Holmes nur "die Frau" nennt, übertrumpfen und gewinnt sich so seine Bewunderung (ob er zaghaft in sie verliebt ist, ist nicht geklärt).

"Wenn man das Unmögliche ausgeschlossen hat, muss das, was übrig bleibt, die Wahrheit sein, so unwahrscheinlich sie auch klingen mag." Nicht nur der überaus logisch denkende Vulkanier Spock zitiert diesen Ausspruch des berühmtesten Detektivs der Literaturgeschichte, auch die Mainzer Namenforscher_innen halten sich gerne daran und widmen sich den Familiennamen Holmes, Watson, Adler und Hudson.

Holmes

Arthur Conan Doyle wollte für seinen Detektiv keinen sprechenden Namen, an dem man dessen Scharfsinn sofort hätte ablesen können. Ein Allerweltsname sollte es aber auch nicht sein. Doyles Notizbüchern ist zu entnehmen, dass er mit verschiedenen Kandidaten, unter anderem Sherrington Hope, herumexperimentiert hatte, bevor er sich schließlich für Sherlock Holmes entschied. Dabei ist Holmes der weniger ungewöhnliche Namenbestandteil. Im Jahr 1881, also etwa zur Entstehungszeit der Figur, stand er immerhin auf Rang 71 der häufigsten Familiennamen in England. In Deutschland tragen den Namen aktuell rund 350 Personen (erschlossen aus 124 Telefonanschlüssen im Jahr 2005). Über den Charakter seines Trägers sagt der Name in der Tat nichts aus. Es handelt sich um einen Wohnstättennamen, d.h. er geht (bei realen Personen) auf die Lage des Wohnsitzes des ersten Namenträgers zurück. Das kann bei Holmes eine Insel, Halbinsel oder erhöhtes Land in einem Sumpfgebiet (mittelenglisch holm, holme) sein oder aber eine Gegend, in der viele Stechpalmen (ebenfalls mittelenglisch holm, holme) wuchsen. Seltener kann der Name auch auf die Herkunft aus einem von mehreren Orten in Großbritannien mit den Namen Holme, Hulme oder Home zurückgehen. Die Endung -s ist bei allen drei Möglichkeiten wahrscheinlich ein Genitivsuffix. An viele englische Familiennamen wurde aber auch erst im 16./17. Jahrhundert, nachdem sie schon über mehrere Generationen vererbt worden waren, ein -s hinzugefügt - in Analogie an die zahlreichen Familiennamen, die schon seit ihrer Entstehung zu mittelenglischer Zeit eines trugen.

Watson

Auch der Name John Watson macht keine direkten Aussagen über den Charakter seines Trägers. An seiner relativen Gewöhnlichkeit kann man aber erkennen, dass es sich innerhalb der Geschichte wohl um den besonneneren, unkomplizierteren Gefährten des exzentrischen Genies handelt. Watson war im Jahr 1881 auf Rang 37 der häufigsten Familiennamen in England. Möglicherweise hat Doyle, der selbst Arzt war, den Charakter nach einem von mehreren zeitgenössischen angesehenen Medizinern namens Watson benannt (siehe https://lithub.com/how-sherlock-holmes-got-his-name). Bei dem Namen handelt es sich um ein Patronym, d.h. eine Benennung nach dem Vater oder einer anderen männlichen Bezugsperson des ersten Namenträgers, zum Rufnamen Wat, einer Kurzform von Walter. Solche Patronyme können im Englischen aus dem blanken Rufnamen bestehen oder mit einem Genitiv-s bzw. dem Suffix -son gebildet sein. Dieses geht darauf zurück, dass dem Rufnamen das Wort son 'Sohn' nachgestellt wurde. In Deutschland tragen den Familiennamen aktuell rund 600 Personen (erschlossen aus 215 Telefonanschlüssen im Jahr 2005). Dabei muss der Ursprung nicht in allen Fällen englisch sein: Auch im Niederdeutschen gibt es sowohl die Rufnamenkurzform Wat als auch das patronymische Suffix -son.

Adler

Irene Adler ist einer der wenigen Menschen, die Holmes als ebenbürtig empfindet, und eine der schillerndsten Gestalten im Sherlock-Holmes-Universum, obgleich sie nicht häufig auftritt. Nachdem sie während des Skandals in Böhmen ihre Gewieftheit als Gegenspielerin bewiesen hat, sagt der Böhmische König - getreu der damaligen, aus heutiger Sicht etwas verstaubten Geschlechtervorstellungen - von ihr: "Sie hat das Gesicht der schönsten aller Frauen und den Verstand des entschlossensten aller Männer." Die Benennungsmotivik des deutschen Familiennamens Adler, den die (fiktive) gebürtige US-Amerikanerin trägt, ist breit gefächert: In den meisten Fällen geht der Familienname Adler als Wohnstättenname darauf zurück, dass jemand in oder nah bei einem Haus mit dem Namen Zum Adler wohnte. Der Adler (mittelhochdeutsch adelar 'edler Ar') war als Wappentier und als Symboltier des Evangelisten Johannes als Hauszeichen äußerst beliebt. Eventuell war in Einzelfällen auch die Benennung nach der Herkunft zu entsprechenden Siedlungsnamen namengebend. Daneben können Eigenschaften des Tiers Benennungsmotive sein: Einige erste Namenträger wurden wahrscheinlich nach ihrem Aussehen (Adlernase, stechende Augen) oder ihren Charaktereigenschaften (Scharfsichtigkeit, Stolz o.ä.) benannt. In diesem Fall handelt es sich um Übernamen. Vielleicht hat Sir Arthur Conan Doyle wegen eben solcher Assoziationen den Familiennamen für seine gewiefte Figur gewählt? In Einzelfällen kann der Familienname letztendlich auch als Patronym auf Rufnamen zurückgehen, die mit den althochdeutschen Namengliedern adal 'Geschlecht, Adel' und heri 'Heer' gebildet werden, etwa Adelher.

Hudson

"Mrs. Hudson, Sherlock Holmes' Wirtin, hatte eine Menge zu erdulden. [...I]hr seltsamer Mieter legte so exzentrische Züge an den Tag und führte ein so unregelmäßiges Leben, dass er oft genug zum Prüfstein für ihre Geduld wurde. Seine unglaubliche Unordnung, die Gewohnheit, zu den unmöglichsten Stunden Geige zu spielen, seine gelegentlichen Revolverübungen innerhalb der Wohnung, seine unverständlichen und oftmals stinkenden physikalischen Experimente und die Atmosphäre von Gewalt und Gefahr, die ihn umgab, machten ihn zu dem schlimmsten Mieter von ganz London."

Mrs. Hudson ist die mütterliche Gestalt und gute Seele der Holmes-Geschichten. Obwohl oft schockiert von Holmes' Verhalten (oder seinen Besuchern), ist sie stets herzlich und fürsorglich. Vielleicht liebt sie Abenteuer doch ein bisschen mehr, als sie zugeben will? Den englischen Familiennamen Hudson tragen in Deutschland ca. 220 Menschen (2005 gab es 76 Telefonanschlüsse auf den Namen). Es handelt sich dabei um ein Patronym, also eine Nachbenennung nach dem Vater oder einer anderen männlichen Bezugsperson, zum mittelenglischen Rufnamen Hud(de), erweitert um das patronymische Suffix -son. Hud(de) seinerseits ist meist eine hypokoristische (d.h. Kose-)Form von Hugh, der englischen Form des Rufnamens Hugo. Der Rufname gelangte zu mittelenglischer Zeit mit den Normannen nach England. Seltener kann Hud/Hudde auch auf den altenglischen Rufnamen Hud(d)a zurückgehen, dessen weitere Etymologie ungeklärt ist. Die Herkunft des Familiennamens ist also fast so kompliziert wie das Zusammenleben mit Holmes.


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Tiere im Herbst

Die herbstliche Jahreszeit ist angebrochen. Neben dem feuchteren Wetter und bunten Blättern fallen uns vermehrt Tiere auf, die wir im Sommer vielleicht gar nicht wahrgenommen haben. Auf intensiver Futtersuche sind Eichhörnchen und Igel zu sehen. Sie sind bestrebt, sich vor dem Winter genug Fettreserven zuzulegen bzw. Nahrungsvorräte anzulegen, um gut durch die karge Jahreszeit zu kommen. Die sprießenden Pilze, reifenden Äpfel, Kastanien und Nüsse sind besonders verlockend, so dass viele Tiere ihre übliche Deckung verlassen und das Gebiet ihrer Futtersuche erweitern. So laufen wir ihnen nun häufiger über den Weg. Oder wir bekommen sie zu hören, wie z.B. die Waldkäuze, die im Herbst ihr Revier abstecken und Partnerinnen anlocken, oder die Gänse, die sich zum Vogelzug nach Süden laut schnatternd versammeln.

Eichhorn

Wer lugt da mit schwarzen Knopfaugen frech hinter einem Baumstamm hervor, hält kurz ganz still, um dann flugs ins Geäst zu hüpfen? Das Eichhörnchen ist wohl eines der knuffigsten Tiere, die im Herbst das Bild der Natur bestimmen. So flink, dass man meinen könnte, es würde fliegen, versteckt es seine gesammelten Nüsse für den Winter. Beide dieser Eigenschaften, sowohl die Neigung zum Sammeln, als auch die wendige Beweglichkeit, können für die Benennung der knapp 16.000 Menschen in Deutschland, die Eichhorn heißen, ausschlaggebend gewesen sein. Eine andere Möglichkeit ist, dass ein Pelzhändler, der besonders viele Eichhörnchenpelze anzubieten hatte, so genannt wurde. In mehreren mittelalterlichen Städten, zum Beispiel in Freiburg und in Mainz gab es auch Häuser "zum Eichhorn", nach denen die Bewohner benannt wurden. Nichts mit dem rotfelligen Tier hat der mit Eichen bewachsene Landvorsprung (Eichen-Horn) zu tun, der in Einzelfällen Anwohnern ihren Namen geben konnte.

Igel

Herbstzeit ist Igelzeit. Zwar begegnet man diesem Zeitgenossen nur selten bei Tageslicht, aber wenn doch, dann versteckt er sich geschickt unter Laubhaufen oder liegt auch mal zusammengerollt im Garten. Rund 2.300 Menschen in Deutschland tragen Igel als Familiennamen (erschlossen aus 832 Telefonanschlüssen im Jahr 2005). Handelt es sich hierbei um besonders "stachelige" Personen? Stacheln wachsen ihnen aufgrund ihres Familiennamens wohl eher nicht - der Übername Igel könnte aber durchaus auf die äußerliche Gestalt des ersten Namenträgers verweisen - etwa auf die Frisur oder einen starken Bartwuchs - oder aber auch auf kratzbürstiges Verhalten, das er andere gern spüren ließ. Daneben kann der Familienname Igel auch auf den gleichnamigen Siedlungsnamen in Rheinland-Pfalz zurückgehen und damit ein Herkunftsname sein. Dieser Ortsname hat mit dem Stacheltier jedoch wenig zu tun: Er geht vermutlich entweder auf lateinisch aquila 'Adler' oder mittellateinisch agulia 'Nadel, Obelisk' zurück.

Kauz

Der Waldkauz ist im Herbst besonders oft zu hören, denn da beginnt seine Balzzeit, und er begibt sich auf Partnersuche. Das Männchen lockt ein Weibchen, um diesem einen geeigneten Brutplatz zu präsentieren und daraufhin bei der Balzfütterung seine Jagdkünste unter Beweis zu stellen. Ist das Weibchen überzeugt, so gehen die beiden in der Regel eine lebenslange Paarbeziehung ein. Als Eulenart ist der Kauz ein recht untypischer Vogel: Er ist nachtaktiv, sein Ruf unterscheidet sich stark vom Gesang anderer Vögel, und auch seine Nistplatzwahl in Baumhöhlen und Felsnischen ist eigen. So ist es kein Wunder, dass er schon seit dem Mittelalter (mittelhochdeutsch kûz) zur sprichwörtlichen Bezeichnung sonderbarer, oft auch eigenbrötlerischer Menschen herangezogen wird. Auf diesem Weg wurde Kauz als Beiname für Personen verwendet, die ihn dann als Familiennamen weitervererbt haben, sodass heute in Deutschland rund 780 Personen (280 Telefonanschlüsse im Jahr 2005) so heißen. In Einzelfällen kann der Familienname aber auch auf die Kurzform Kauz von germanischen Rufnamen mit dem Erstglied Gote-, dessen Bedeutung ungeklärt ist, zurückgehen, etwa Gozbert, Gozhart oder Kozolt. Es kann sich auch um eine entnasalierte Form (Wegfall des n) des Familiennamens Kunz handeln.

Hagelgans

Zunächst kündigen sie sich mit lauter werdendem Schnattern und Rufen an, bevor sie als spitze Formation am Himmel zu sehen sind: Wildgänse, Schneegänse, Kraniche und andere Zugvögel machen sich bald wieder auf den Weg in wärmere Gefilde, um dort zu überwintern. Ein älterer Begriff für verschiedene Zugvögel, insbesondere jedoch für die Schneegans, lautet Hagelgans (mittelhochdeutsch hagelgans). Er hat sich vor allem in Dialekten erhalten, etwa als Hal(e)gans, Holga(n)s, Hailgans, und bezeichnet eine Gans, die eben dann zu sehen ist, wenn Kälte und Hagel bzw. Schnee Einzug halten. Der Familienname Hagelgans, der die ältere Vollform des Wortes konserviert, hatte im Jahr 2005 in Deutschland 78 Telefonanschlüsse und damit ca. 220 NamenträgerInnen. Wahrscheinlich wurde der erste Namenträger nach seinem hohen Alter benannt, oder weil er zumindest alt aussah - ausschlaggebend war das weiße Haar, entsprechend den weißen Schwanzfedern der Schneegänse. Daneben war die Bezeichnung als Gans schon immer eine vielgebrauchte Schelte, auch das kommt als Benennungsmotiv in Frage. Letztendlich wäre es auch möglich, dass sich auf dem Acker eines Bauern jeden Herbst die Zugvögel niederließen, und der Bauer danach benannt wurde.


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Alles für die Katz

Diesmal dreht sich alles um das beliebteste Haustier der Deutschen. Laut ZZF Heimtiermarkt und Heimtierpopulationsbericht 2018 beherrschen rund 15 Millionen Stubentiger 23% der menschlichen Haushalte. Hauskatzen begleiteten den Menschen schon in den alten Kulturen Mesopotamiens und Ägyptens und waren wertvolle Nutztiere für die Jagd auf Schädlinge wie Mäuse und Ratten. Waren also schon unsere Vorfahren im Mittelalter Katzenliebhaber oder von ihren angeblichen magischen Fähigkeiten fasziniert? Waren das die Gründe für Namen wie Katz, Katzer und Katzenschwanz? Mit den felinen Familiennamen beschäftigten sich die Praktikantinnen Juliane Grau, Elena Gritzner und Karolina Zybal, die sich mit vollem Einsatz für unser Wörterbuchprojekt engagierten.

Katz

Man könnte meinen, wer mit Familiennamen "Katz" heißt, und das sind immerhin etwa 3648 Menschen in Deutschland, bräuchte ein Familiennamenwörterbuch gar nicht ausführlich konsultieren. Der Name sollte ja definitiv etwas mit der Katze zu tun haben, dem beliebtesten Haustier der Deutschen. Doch Katzen sind auch immer für Überraschungen gut, sodass sie solche auch als Namen bergen. Ganz und gar unpassend zum wechselhaften Wesen der Katze im Allgemeinen, aber wohl auch gänzlich ohne Bezug zu ihnen ist die Deutung als jüdischer Name zu Hebräisch Kohen-zedek oder Kahen-zedek, was soviel bedeutet wie "Priester der Gerechtigkeit". Die Form wurde im Laufe der Zeit zusammengezogen. Ähnlich unerwartet ist vielleicht, dass man mit dem mittelhochdeutschen Begriff katze und seiner mittelniederdeutschen Entsprechung katt(e) ein bewegliches Schutzdach für die Belagerung von Städten und Festungen im Kriegsfall bezeichnete. Ob dieses Gerät Katze/Katte hieß, weil es so beweglich war, oder ob der Begriff eine andere sprachliche Herkunft hat, ist nicht mit Sicherheit festzustellen. Der Familienname steht in diesem Fall als Übername für jemanden, der ein solches Dach benutzt oder herstellt. Aber der Name Katz hat auch eine naheliegendere Bedeutung, nämlich als Übername zum einen für einen Katzenliebhaber oder -schänder, zum anderen für jemanden, der sich katzenartig, geschmeidig bewegt oder ein katzenartigen Wesen hat. Alle drei aufgeführten Bedeutungen können als ähnlich wahrscheinlich angesehen werden. Vereinzelt ist die Benennung nach dem Flurnamen Katz möglich, der in ganz Deutschland vorkommen kann (z.B. Oberelsungen, Landkreis Kassel, Hessen), häufiger jedoch als Kompositum auftritt (z.B. Katz-Wiese, Ober-Seemen, Wetteraukreis, Hessen).

Katzenschwanz

Flauschig und puschelig oder doch schmal und grazil? Der Nachname Katzenschwanz gehört sicherlich zu den etwas skurrileren Namenformen, die zu diversen Interpretationsmöglichkeiten einladen. Mit 24 Telefonanschlüssen (das entspricht ca. 67 Namenträger_innen) ist der Name eher selten. Doch bevor Sie sich mit hartgesottenen Katzenliebhabern in eine hitzige Diskussion über die Ästhetik feliner Hinterteile stürzen - halten Sie kurz inne! Denn obwohl dieses Thema äußerst einladend erscheint, hat es mit dem Familiennamen eher wenig zu tun. Vielmehr handelt es sich um einen Flurnamen für ein langes und schmales Flurstück, das dadurch optisch an das Ende eines Katzenpopöchens erinnert. Der Anwohner dieses Flurstückes verdankte seinen Namen also der Wohnstätte. Neben dieser Deutung existiert allerdings noch eine weitere: Es könnte sich um einen Übernamen für eine Person handeln, die sich gerne durch Schmeicheleien Vorteile erschleicht. Die letztere Variante klingt ebenfalls plausibel - dies geht zumindest aus den Erfahrungswerten zahlreicher zweibeiniger Dosenöffner hervor, die das enstprechende einschmeichelnde Verhalten ihrer Haustiere kennen.

Katzer

Katzen belegen Platz 1 der beliebtesten Haustiere in Deutschland. Ja, Katzen haben hierzulande viele Liebhaber und so ist es nicht verwunderlich, dass der Familienname Katzer ebenfalls häufig vertreten ist: 1084 Telefonanschlüsse sind in Deutschland verzeichnet, das entspricht rund 3035 Personen. Auch die Etymologie von Katzer legt eine gewisse Zuneigung zu dem entsprechenden Tier nahe: Katzer kann demnach eine Ableitung von mittelhochdeutsch katze "Katze" und somit ein Übername für einen Menschen sein, der viele Katzen besitzt oder sich durch eine ausgeprägte Katzenliebe auszeichnet. Doch muss nicht jeder Katzer tatsächlich ein Freund der "domestizierten Mäusevertilger" sein. Kein großer Katzenfan ist nämlich ein anderes Tier, das sich hinter Katzer verstecken kann: So lässt sich der Familienname auch vom tschechischen kacer oder slowakischen kácer ableiten, was übersetzt "Enterich" bedeutet. Ob die Schöpfer der Tigerente diese Verbindung zwischen den beiden eigentlich so unterschiedlichen Tieren gespürt haben?


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Grillabend

Laue Sommerabende laden nahezu zwingend dazu ein, einem ganz speziellen Essensritual zu frönen: Dem Grillabend. Der Grill wird im Garten oder auf dem Balkon aufgestellt, die Kohle angezündet und Fleisch, Würste, Käse, Gemüse, kurzum alles, was auf einen Grillrost passt, wird aufgelegt. Bald wehen leckere Düfte bis zu den Nachbarn, was den Appetit noch mehr anfacht. Zu den traditionell deftigen Speisen passt dann noch ein kühles Bier - dann darf der Abend auch schon mal länger werden.

Fleischfresser

An einem schönen Sommerabend wird in vielen Gärten gerne der Grill angeworfen. Neben leckeren Beilagen und kühlen Getränken darf eine Sache auf keinen Fall fehlen: das Fleisch. Verschiedene Fleischsorten, Marinaden und Zubereitungsarten sowie eine große Auswahl an Grillzubehör lassen die Herzen aller Grillfans höherschlagen. In der Grillsaison kann man so auf zahlreiche Fleischfresser treffen. Die Zahl der Fleischfresser, die diesen Namen auch tatsächlich tragen, beläuft sich in Deutschland auf rund 204 Personen (73 Telefonanschlüsse). Die Benennung geht auf einen Übernamen zu mittelniederdeutsch vlesch, mittelhochdeutsch vleisch 'Fleisch' und mittelniederdeutsch vreter bzw. mittelhochdeutsch vre??er 'Fresser, Schwelger' zurück. Gemeint ist damit eine Person, die gerne und viel Fleisch isst. Darüber hinaus kann es sich um die spöttische Bezeichnung für einen Metzger handeln.

Biernot

Ist der Name Biernot mit starker Trinkfestigkeit und einem Ruf nach noch mehr Bier verbunden? Der Familienname weist nicht etwa auf eine Bierknappheit oder gar auf Biernotstand des ursprünglichen Namenträgers hin. Vielmehr gehört er zu den Familiennamen, die auf einem ursprünglichen Rufnamen basieren. Denn bei Biernot handelt es sich um eine mundartliche Variante der altpolnischen Rufnamenform Biernat, die wiederum auf den germanischen Rufnamen Bernhard zurückgeht, in dem die beiden Namenglieder althochdeutsch/altsächsisch bero 'Bär' und althochdeutsch harti, herti bzw. altsächsisch hard 'hart, stark' stecken. Na dann: Prost! Auf ein weiteres Kühles!

Grill

Ist die Biernot erst beseitigt, kommt das Fleisch auf den Grill. Oder der Grillkäse. Ob Steak, Würstchen oder ganz vegetarisch, das Grillen gehört für viele einfach zum Sommer dazu. Doch stehen manche dem Grill scheinbar näher als andere: Der Familienname Grill, den in Deutschland etwa 3891 Personen tragen (errechnet aus 1422 Telefonanschlüssen), kommt auffällig häufig in Bayern vor. Kennt man sich also südlich des Weißwurst-Äquators auch mit Grillgut besser aus als anderswo in Deutschland? Das können wir von Mainz aus nicht beurteilen. Der Familienname Grill aber geht in den meisten Fällen auf das kleine Tierchen zurück, das die atmosphärischen Hintergrundgeräusche zu langen Grillabenden bestens beherrscht. Es handelt sich um eine verkürzte Form zu mittelhochdeutsch grille 'Grille', womit z.B. ein lustiger oder sehr schmächtiger Mensch benannt wurde. Im Mittelhochdeutschen war die Grille in den meisten Regionen ein männliches Wort - so lässt sich der Name Ulrich der Grill 1340 in Regensburg erklären. In Einzelfällen kann auch der Siedlungsname Grill in Bayern namengebend gewesen sein. Auch die Nachbarn in Österreich kennen sich übrigens gut mit Grills aus: Dort ist der Familienname mit 1604 Telefonanschlüssen sogar noch häufiger als in Deutschland.

Mais

Viele lieben es im Sommer zu grillen, und die meisten Besucher von Grill-Partys haben ein festes Bild der Speisen im Kopf. Es kommen Bratwürste und Steaks, aber auch verschiedene Fleischspieße oder mal ein frischer Fisch auf den Grill. Doch oft ist das nicht alles. Denn in vielen Freundeskreisen gibt es Menschen, die sich für etwas Pflanzliches auf dem Rost entscheiden. Der Klassiker für Vegetarier und Veganer ist hier der gegrillte Mais. Geht der Name Mais etwa auf Vorfahren zurück, die besonders gerne Mais aßen oder anbauten? Der Familienname ist mit 396 Telefonanschlüssen in Deutschland vertreten. Doch mit der Pflanze hat er nichts zu tun. Im Althochdeutschen ist meizan das Wort für 'schneiden'. Später im Mittelhochdeutschen steht meiz für den Holzschlag oder Holzabtrieb. Der Familienname Mais ist ein Wohnstättenname und wurde somit wahrscheinlich an Personen in Gebieten vergeben wurde, in denen viel Holzschlag (das Fällen von Bäumen) betrieben wurde. In einigen Fällen kann auch der Vogel Meise (für einen kleinen oder sangesfrohen Menschen) oder der Siedlungsname Mais in Bayern namengebend gewesen sein. Warum unsere heutige Maispflanze nicht namensstiftend war, ist damit zu erklären, dass der Mais keine einheimische Pflanze ist. Er stammt ursprünglich aus Mexiko und wurde erst im Laufe des 16.-17. Jahrhunderts allmählich in Europa heimisch - zu spät um die Familiennamen zu beeinflussen.


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Sommerliche Hitze

In dunklen Winternächten ersehnt, im kühlen Frühling herbeigewünscht, im Herbst vermisst: Der Sommer ist vielen wegen seiner lauen Nächte und lichtvollen Tage die liebste Jahreszeit. Umso überraschter ist man dann jedes Jahr wieder, dass die große Hitze, wie sie in den vergangenen Wochen herrschte, auch ziemlich anstrengend sein kann. Was tun, wenn die Getränke warm werden, der Schweiß rinnt und alle wegen der hohen Temperaturen stöhnen? Am besten man sorgt für Abkühlung, macht sich auf die Suche nach Getränken und lehnt sich gemütlich in einem Liegestuhl zurück. Da die Mainzer Namenforscher_innen auch bei großer Hitze arbeiten, handelt das Special diesmal von sommerlichen Familiennamen.

Hitze

Wer Hitze heißt, muss sich wahrscheinlich nicht für die Hitzewelle verantworten. Der Name hat nämlich mit hohen Temperaturen gar nichts zu tun. Er geht zurück auf Kurzformen von Rufnamen, die germanisch hildio, althochdeutsch hiltja 'Streit, Kampf' als Erst- oder Zweitglied hatten, etwa Hildebrand oder Gundhild. Solche zweigliedrige Namen waren zu germanischer Zeit gang und gäbe. Auch semantisch tanzen 'Streit' und 'Kampf' nicht aus der Reihe; viele germanische Namenglieder trugen ähnliche Bedeutungen wie z.B. 'Schutz, Burg', 'Waffe, Schwert' oder 'kühn'. Das z im Familiennamen Hitze stammt dabei aus einer Koseform solcher Rufnamen, die mit dem alten Diminutiv- (also Verkleinerungs- oder Verniedlichungs-)Suffix -z gebildet wurde (so wie Fritz aus Friedrich).

Kaufeis

Einiges lässt sich tun, um die Hitze von außen zu lindern: Schwimmbad, Ventilator & Co helfen aus. Genauso wichtig ist aber auch ab und an eine Erfrischung von innen - und so wird sich momentan mancher während der Mittagshitze denken: "Kauf dir doch ein Eis!". Hinter dem anmutigen Familiennamen Kaufeis, der 2005 immerhin mit 8 Telefonanschlüssen belegt war (das entspricht ca. 25 Namenträger_innen) steckt natürlich kein Befehl zum Süßspeisenkonsum: Hier liegt ein indirekter Berufsname vor, der auf mittelhochdeutsch koufe 'Handel, Verkauf, Geschäft' bzw. koufen 'handeln, kaufen' und îsen 'Eisen' zurückgeht. Der Name wurde wohl jemandem gegeben, der Eisen zum Verkauf herstellte bzw. mit Eisenwaren handelte. Dass es wirklich um Eisen und nicht um Eis geht, untermauert auch die Variante Kaufeisen (12 Anschlüsse), deren Verbreitungsgebiet sich genau an das von Kaufeis anschließt.

Sonnenstuhl

Bei dem Namen Sonnenstuhl denkt man spontan an bequeme, meist farbenfrohe Liegen, die je nach Geschmack zum Sonnenbaden einladen oder an einem schattigen Plätzchen zum Ausruhen dienen, ob am Strand oder im heimischen Garten. Die 42 Telefonanschlüsse für den Namen (das entspricht ca. 118 Namenträger_innen) sind in ganz Deutschland verstreut. Historisch sieht dies aber ganz anders aus: Hier sieht man eine Konzentration in Ostpreußen. Es findet sich auch ein entsprechender Name einer Siedlung im Kreis Heiligenbeil (der heutige Name lautet Swietochowo), auf die der Familienname zurückgeht. Der erste schriftliche Beleg taucht schon 1369 auf: Heyne de Sunenstul. Die altpreußische Form Sawliskresil ist 1423 belegt. Aufgrund der Beleglage ist es letztlich unklar, ob der Siedlungsname deutscher oder preußischer Herkunft ist. Bei einer deutschen Herkunft handelt es sich um die Bezeichnung für ein der Sonne, dem Süden zugewandtes Gelände, das leicht abschüssig gewesen sein kann.

Warmbier

Nicht selten versucht der ein oder andere, sich bei Hitze mit einem kühlen Bier am Feierabend Abkühlung zu verschaffen. Wenige Minuten in der Sonne genügen jedoch, um die willkommene Erfrischung in ein nunmehr wenig appetitliches, warmes Getränk zu verwandeln... Warmes Bier ist dieser Tage allerdings nicht nur in den Händen schwitzender Menschen, sondern auch unter den deutschen Familiennamen zu finden: Rund 650 Mal ist der Name Warmbier in Deutschland vertreten (das entspricht 232 Telefonanschlüssen). Der Familienname Warmbier geht auf mittelhochdeutsch warmber zurück, das 'Warmbier' oder 'Biersuppe' bedeutet. Dabei handelt es sich um eine Berufsbezeichnung für den Brauer, der Bier herstellt, sowie um einen Übernamen nach dem Lieblingsgericht. Aber kann warmes Bier wirklich jemandes Lieblingsspeise sein? Ein Blick auf die tatsächliche Bedeutung des Begriffs bringt Licht ins Dunkel: So ist das Warmbier keinesfalls einfach aufgewärmtes Bier, sondern ein warmes Getränk aus Bier und Milch, dem Mehl, Zucker und Gewürze zugegeben werden. Dieser Trunk galt früher als äußerst nahrhaft und war ein beliebtes Frühstück sowie Hausmittel gegen Erkältungen. In der Ökonomischen Enzyklopädie, einem umfassenden Nachschlagewerk aus dem 18. Jahrhundert, findet sich auch ein Rezept, so dass wir es auch heute noch zubereiten können.


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Die Adelshäuser von Westeros und ihre Wappentiere

Wie werden die Machtkämpfe in Westeros ausgehen? Welche Häuser bleiben bestehen, welche finden ihr Ende? Anlässlich des Serienfinales widmen wir uns in unserem letzten Familiennamenspecial zu "Game of Thrones" den Wappentieren einiger für die Geschichte wichtiger Häuser, genauer: dem Bären von Haus Mormont, dem Wolf der Starks, dem Löwen der Lannisters, dem Hirsch der Baratheons sowie dem Kraken der Graufreuds.

Bär

Einen schwarzen Bär auf grünem Grund zeigt das Wappen des kleinen aber stolzen und altehrwürdigen Hauses Mormont, das von den Bäreninseln weit im Nordwesten aus als treuer Vasall dem Haus Stark von Winterfell dient. Die standhaften Mormonts erkennen einzig den König des Nordens mit Namen Stark an, können mit gekünsteltem Gehabe nicht viel anfangen und Frauen und Männer werden gleichermaßen im Umgang mit Waffen ausgebildet - das ein oder andere Haus könnte sich von Haus Mormont eine Scheibe Vernunft und Bescheidenheit abschneiden... Der Familienname Bär ist mit 15.000 Namenträger_innen (ca. 5.500 Telefonanschlüsse) in Deutschland gar nicht so selten. Das liegt wohl hauptsächlich daran, dass der Familienname in den meisten Fällen auf alte Rufnamen mit dem Namenglied Bero- zurückgeht, und davon gab es eine Menge, etwa Berwalt, Berwin, Bernhard usw. Daneben ist auch möglich, dass der erste Namenträger nach seiner Tapferkeit und Stärke benannt wurde - oder aber nach seiner Wohnstätte in einem Haus mit Namen Zum Bären. Als jüdischer Familienname kann er letztendlich auch für den hebräischen Rufnamen Issachar stehen.

Krake

Das Wappentier der Familie Graufreud (= Greyjoy) ist der Krake. Die Anführer der Eiseninsel haben den Familienwahlspruch: "Wir säen nicht". Er weist eindrücklich darauf hin, dass sich auf den kargen und rauen Eiseninseln der Ackerbau nicht lohnt. Von jeher lebten die Eisenmänner von Raubzügen und Plünderungen, zu denen sie, nach Wikingerart, auf stolzen Schiffen ausfuhren. Das Wappen zeigt also die Verbundenheit mit dem Meer und auch eine andere Eigenheit der Eisenmänner: Was sie einmal erbeutet haben, geben sie nicht mehr her. Der Familienname Krake, der mit 209 Telefonanschlüssen (ca. 585 Namenträger_innen) belegt ist, sowie die häufigere Variante Kracke mit 514 Anschlüssen (ca. 1.439 Namenträger_innen) haben allerdings nichts mit dem vielarmigen Meeresweichtier zu tun. Der Name kann sich auf eine Wohnstätte beziehen: Mittelniederdeutsch krack bedeutet Unterholz. Es kann auch ein Übername vorliegen zu niederdeutsch, mitteldeutsch Kracke "altes, zur Arbeit untaugliches, schlechtes Pferd" im übertragenen Sinne eine Bezeichnung für etwas Kleines, Schlechtes, Kränkliches, Unansehnliches oder auch ein ungezogenes Kind. Unter Umständen kann auch das lautmalerische Wort Krak für eine Krähe, einen Raben mit ins Spiel kommen.

Hirsch

Das Haus Baratheon mit seinem Stammsitz auf Sturmkap hat sich als Wappentier einen schwarzen Hirsch erwählt. Angesichts des eher cholerischen und streitbaren Gemüts der meisten Familienmitglieder mag zunächst die Wahl eines anscheinend so friedliebenden Tieres irritieren. Der Familiennsinnspruch "Unser ist der Zorn" jedoch weist schon eher auf typische Charakterzüge der Familie und auch des kämpferischen und stolzen Wappentieres hin. Als Familienname bezieht sich Hirsch (8.823 Telefonschlüsse entsprechen ca. 24.704 Namenträger_innen) auf das beliebte Jagdwild und ist ein indirekter Berufsname für einen Jäger oder Wildhüter. Aufgrund der Eigenschaften, die dem Tier im Mittelalter zugeschrieben wurden, kann der Name auch für einen flinken, neugierigen oder aber auch jähzornigen Menschen stehen. Der Hausname Zum Hirsch und der jüdische Rufname Hirsch (als bildliche Übertragung des hebräischen Namens Nafthali) können ebenfalls in die Familiennamen eingeflossen sein.

Wolf

Das Wappen des Hauses Stark im Norden von Westeros ziert ein rennender Schattenwolf, ein fiktiver größerer und stärkerer Verwandter des Wolfes, der vom ausgestorbenen Canis dirus inspiriert ist. Als Familiennamen gibt es den Schattenwolf nicht in Deutschland, der einfache Wolf ist aber mit 51.347 Telefonanschlüssen belegt, das entspricht etwa 148.900 Personen, die den Namen tragen. Als direktes Benennungsmotiv kommen alle fünf Motivgruppen in Frage, die bei Familiennamen üblich sind; in irgendeiner Form gehen aber alle auf das Tier zurück. In den meisten Fällen handelt es sich wohl um ein Patronym zu einer Kurzform von Rufnamen wie Wolfgang oder Wolfram (oder auch zum einstämmigen Rufnamen Wolf). Solche zweigliedrige Namen waren die Regel bei den Germanen, für die auch der Wolf ein bedeutendes Tier war. Der jüdische (Ruf- und später Familien-)Name Wolf kann auch auf die Tiervergleiche für die zwölf Stämme Israels im Jakobssegen zurückgehen. Als Übername (mit Bezug auf körperliche oder Charaktereigenschaften) kann der Name ursprünglich einen gierigen, grimmigen, gefährlichen oder grausamen Menschen bezeichnet haben; auch die Benennung nach der Wolf genannten Hautentzündung ist möglich, deren Bezeichnung wiederum auf einen Vergleich mit dem fressenden Schaden zurückgeht, den ein Wolf anrichten könnte. Ähnlich motiviert ist die Bezeichnung Wolf für ein Werkzeug zum Erz- und Steinbrechen, die wiederum zum Familiennamen für jemanden mit einem entsprechenden Beruf geworden sein kann. Schließlich kann sich der Name auch auf die Wohnstätte des ersten Namenträgers in einem Haus, das den Namen Zum Wolf trug, beziehen oder auch auf seine Herkunft aus einem Ort namens Wolf (Stadtteil von Büdingen, Hessen) oder Ortsteil von Traben-Trarbach, Rheinland-Pfalz).

Löwe

Ein goldener Löwe auf rotem Grund ist das Wappen der Lannisters und das könnte passender nicht sein: Mit ihren goldblonden Mähnen, ihrem in manchen Fällen fast toxischen Familiensinn, sowie dem Drang, die Sieben Königslande zu beherrschen, erinnern sie durchaus an ein verschworenes Löwenrudel. Dass sie sich im Rest des Reiches äußerst unbeliebt machen, schert sie nicht, denn "der Löwe interessiert sich nicht für die Meinung der Schafe", wie Tywin Lannister es ausdrückt. Der Familienname Löwe hat in Deutschland ca. 2.000 Anschlüsse und damit knapp 6.000 Träger_innen. Die Herkunft kann sehr verschieden sein: In vielen Fällen dürfte der Name auf Kurzformen von Rufnamen mit dem Namenglied Leon- zurückgehen. Der Rufname Leo war auch in der jüdischen Bevölkerung beliebt: einerseits als Variante von Levi, dem Stammvater der Leviten, und andererseits wegen seiner Entsprechung von Juda, dem nach dem Jakobssegen der Löwe als Symboltier zugeordnet wurde. Häufig hat der Name wohl auch den löwenhaften Charakter eines Menschen beschreiben, z.B. wegen dessen Stärke, Mut oder Tapferkeit. Letztendlich kann auch die Wohnstätte in einem Haus Zum Löwen o.ä. namengebend gewesen sein.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/game-of-thrones-5-folge/

"Mein Heim ist meine Burg!"

Keine Mittelalterfantasyserie ohne Burgen! Ob als repräsentative Sitze wichtiger Adelsgeschlechter, Orte alter Mythen und Geheimnisse oder Schauplätze geschichtsträchtiger Schlachten - Festungen, Schlösser und Burgen sind aus Epen wie "A Song of Ice and Fire" nicht wegzudenken. Da wäre z.B. Rosengarten, der Sitz der gewieften Tyrells, Peik als Hochburg und Stammsitz des Hauses Graufreud, oder der Rote Bergfried in Königsmund, der den legendären Eisernen Thron beherbergt, von dem aus das Reich regiert wird. Um die gleichlautenden Familiennamen Rosengarten, Peik und Bergfried geht es heute in unserer Specialfolge.

Bergfried

Der Rote Bergfried ("Red Keep") ist der Sitz der Könige der sieben Königslande in der Hauptstadt Königsmund. Er ist eine mächtige Burg, die den berüchtigten Eisernen Thron beherbergt und deren Erbauung bis in die Zeit Aegon des Eroberers zurückgeht. Geheime Gänge und Kammern dienen den jeweils Regierenden dazu, ihre Geheimnisse im Inneren zu verbergen, während das imposante Bauwerk aus hellrotem Stein nach außen hin Wehrhaftigkeit und Uneinnehmbarkeit signalisiert. Die Hauptaufgabe einer realen, mittelalterlichen Burg war es, Feinden zu imponieren und die eigene Macht zu demonstrieren. Der Hauptturm einer Burg wurde Bergfried genannt. Die Herkunft dieses Wortes ist nicht ganz geklärt: Mittelhochdeutsch bercvrit, bervrit, mittelniederdeutsch berchvrede geht wahrscheinlich auf mittellateinisch perfridus, berfredus, belfredus zurück und bezeichnete eine Verschanzung, ein Bollwerk, einen Turm, meist den Hauptturm einer Burg oder Stadt. Im Laufe der Zeit wurde das Wort mit Berg bzw. Burg in Zusammenhang gebracht, was sich auch in der Form der Familiennamen widerspiegelt: Der Familienname Bergfried ist mit 33 Telefonanschlüssen, Burgfried mit 8 (das entspricht 92 bzw. 22 Namenträger_innen) belegt, etwas häufiger ist die niederdeutsche Variante Bargfrede mit 85 Telefonschlüssen (= 235 Namenträger_innen). Nicht nur in Königsmund, sondern auch im mittelalterlichen Deutschland ist damit ein Anwohner eines Burg- oder Stadtturms gemeint.

Peik

Peik heißt in Game of Thrones die schwer erreichbare Hochburg des Hauses Graufreud auf den Eiseninseln. Auch die Bastarde der Eiseninseln erhalten Peik als Nachnamen. Der gleichlautende deutsche Familienname (vertreten mit 49 Telefonanschlüssen, also etwa 140 Namenträger_innen) hat damit natürlich nichts zu tun, würde aber nicht minder gut in die Welt von Eis und Feuer passen: In der Regel ist der Familienname Peik auf mittelniederdeutsch pêk 'Langspieß, Lanze, Pike' zurückzuführen und bezeichnete ursprünglich jemanden, der diese Waffen herstellte. Möglich ist auch, dass der Name auf eine Kurzform von Rufnamen zurückgeht, die in ihrem Erstglied althochdeutsch pichan 'hauen, stechen' enthielten, wie Bickhardt oder Biegholdt - auch das sehr Westeros-tauglich!

Rosengarten

Rosengarten ("Highgarden") ist der Stammsitz des Hauses Tyrell, eines der größten Adelsgeschlechter in Westeros. Die Macht der Tyrells liegt einerseits in der Größe und Furchtbarkeit ihres Landes: Regelmäßig können sie aus eigenem Wohlstand heraus anderen Häusern Truppen oder Lebensmittel zur Verfügung stellen und bleiben damit ein wertvoller Partner - passend dazu ist der Sinnspruch des Hauses: "Kräftig wachsen". Die zweite Stärke der Tyrells, allen voran der respektablen alten Lady Olenna, ist absolute politische Gewieftheit unter der zunächst unschuldig erscheinenden Oberfläche des Schönen. Die Dornen einer Rose (dem Wappensymbol der Tyrells) zu vergessen, kann bei Game of Thrones mitunter tödlich enden. Der Familienname Rosengarten ist in Deutschland mit 146 Telefonanschlüssen belegt, damit gibt es ca. 450 Namenträger_innen. In den meisten Fällen wurde der erste Namenträger wohl nach seiner Wohnstätte bei einem mit Rosen bepflanzten Stück Land benannt - oder nach der Herkunft aus einer Ortschaft namens Rosengarten, wie er in Deutschland, der Schweiz und historisch auch in Polen belegt ist. In Einzelfällen ist auch möglich, dass jemand in einem Haus Zum Rosengarten o.ä. gelebt hat und danach benannt wurde.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/game-of-thrones-4-folge/

Glaubensfragen in Westeros

Nicht nur aus zwischenmenschlichen Konflikten erwächst die Handlung von Game of Thrones - auch Glaube und Religion beeinflussen die Charaktere in ihren Bestrebungen. In der Welt von Eis und Feuer gibt es wie in unserer Welt zahlreiche mehr oder weniger friedlich nebeneinander existierende Religionen, die uns zu unserem vierten Namenspecial inspiriert haben. Heute rücken die Familiennamen Sieben, Licht, Hain und Hengst in den Fokus, die sich auf alte wie auch auf jüngere Glaubensrichtungen in Westeros und Essos beziehen: Den Kult der Sieben, den Gott des Lichts, die Götterhaine der Alten Götter sowie die Gottheit der Dothraki.

Sieben

Die vorherrschende Religion in Westeros ist der Kult der Sieben, der ursprünglich von den Andalen auf den Kontinent mitgebracht wurde und die alteingesessenen Religionen verdrängte. Dabei handelt es sich eigentlich um eine einzige Gottheit, die in sieben personifizierten Erscheinungsformen auftreten kann, durch die sie unterschiedliche Aspekte des Lebens repräsentiert: Mutter (Güte), Vater (Gerechtigkeit), Krieger (Mut), Schmied (Stärke), Jungfrau (Keuschheit), altes Weib (Weisheit) und der Fremde (Tod). Die siebenseitigen Gotteshäuser werden Septen genannt, die Priester und Priesterinnen Septons und Septas, es gibt ein geistliches Oberhaupt und verschiedene Orden. Mit ihrer Organisationsform erinnert diese Religion entfernt an die katholische Kirche. Davon völlig unberührt hat der Familienname Sieben einen ganz weltlichen Ursprung: Es handelt sich um einen schwachen Genitiv zur Kurzform Sieb (verkürzt aus Rufnamen wie Siegbald, Siegbrecht). Die Genitivformen sind vor allem den Westrand Deutschlands typisch und dies entspricht auch dem Verbreitungsbild der 1144 Telefonanschlüssen (entspricht rund 3.200 Namenträger_innen). Nur in seltenen Ausnahmefällen kann das Zahlwort sieben zugrundeliegen, das in Namen, wie auch in unserer westerosischen Religion, immer eine Vielheit anzeigt, wie etwa in Siebenhaar (viel Haare) oder Siebenlist (viel List = große Klugheit).

Licht

Die Anbetung von R'hllor, dem Herrn des Lichts, ist eine der Hauptreligionen in den Freien Städten im Osten und spielt auch in Westeros immer wieder eine Rolle für den Handlungsverlauf von Game of Thrones, wo sie insbesondere durch die rote Priesterin Melisandre und auch den Konvertiten Beric Dondarrion vertreten ist. Wenn die Religion auch - laut Autor George R. R. Martin - grob auf der Feueranbetung im Zoroastrismus in der realen Welt beruht, so hat der deutsche Familienname Licht damit doch nichts zu tun. Für diesen sind mehrere, eher weltliche, Deutungen möglich: Auf mittelhochdeutsch lieht 'hell, strahlend' zurückgehend, kann er das freundliche Gemüt seines ersten Trägers ausdrücken, dass dieser an einem lichten, z.B. gerodeten, Waldstück gewohnt hat, oder auch seinen Beruf, vor allem als Kerzenzieher oder -verkäufer, welcher auch in Westeros nützlich sein dürfte, denn die Nacht ist dunkel und voller Schrecken! Der Name kann aber auch einen ganz anderen Charakter bezeichnen, da er auch auf mittelhochdeutsch liht oder mittelniederdeutsch licht mit der Bedeutung 'leichtfertig, leichtsinnig, unbeständig' zurückgeführt werden kann. Letztendlich kann er auch auf den Siedlungsnamen Lichte zurückgehen, was seine Dichte um den Ort Lichte im Landkreis Sonnefeld/Thüringen herum erklärt. In ganz Deutschland ist der Name mit 1.546 Telefonanschlüssen vertreten, was etwa 4.480 Namenträger_innen entspricht.

Hengst

Die Götterfigur des Reitervolkes der Dothraki nimmt, wie sollte es auch anders sein, die Gestalt eines Hengstes an. Die Verehrung des Großen Hengstes ist für das nomadische Volk, das in den Ebenen des Nachbarkontinents Essos umherzieht, die zentrale Komponente ihrer Religion. Auch der Familienname Hengst weist auf eine enge Verbundenheit mit dem Reittier hin, dem auch unsere Vorfahren ihren Respekt bezeugten. Er geht auf den Vergleich des Temperaments des ersten Namenträgers mit einem ungestümen, feurigen Hengst zurück oder bezieht sich auf den Beruf als Pferdezüchter oder -händler. Ganz selten kommt auch eine Benennung nach der Wohnstätte für jemanden in Frage, der an einem steilen Anstieg (der bildlich an ein steil aufgerichtetes Pferd erinnert) oder in einem Haus oder Hof (Zum) Hengst wohnt

Hain

Der Glaube an die Alten Götter ist die älteste Religion in Westeros. Die Naturreligion, die die Gottheiten der Wälder, Berge und Flüsse verehrt, wurde einst von den Kindern des Waldes ausgeübt und dann von den Ersten Menschen angenommen. Die Bevölkerung des Nordens ist nie von ihr abgerückt, und so bilden noch heute Götterhaine mit einem Wehrholzbaum als Kraftzentrum heilige Orte des Gebets, des Rituals und der Erinnerung. Die Verbreitung des recht häufigen Familiennamens Hain (2565 Telefonanschlüsse in Deutschland) spiegelt seine verschiedenen Herkunftsmöglichkeiten deutlich wider: Einerseits können die ersten Namenträger nach ihrer Herkunft aus Ortschaften wie Hain, Hayn, Hainau benannt worden sein, die vermehrt im Südwesten und -osten liegen - daher die entsprechenden Verbreitungszentren. Andererseits kann der Familienname durch Wohnstätten an einem Hain (- mittelhochdeutsch, mittelniederdeutsch hagen, hain 'Dornbusch, Hecke, der eingefriedete, umhegte Ort') motiviert, oder aus Rufnamen wie Heinrich oder Heinold entstanden sein. Sowohl entsprechende Wohnstättenbezeichungen als auch Rufnamen gab es zahlreich, und somit erklärt sich auch die neben den Verbreitungszentren bestehende grundsätzliche Streuung des Familiennamens.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/game-of-thrones-3-folge/

Wie heißen Tyrion, Melisandre und Co. im wirklichen Leben?

Im Anschluss an die Namen fiktiver Charaktere von letzter Woche gehen wir in dieser Folge unseres Game of Thrones Specials auf vier Familiennamen realer Personen ein - nämlich die der Schauspieler_innen Peter Dinklage (Tyrion Lannister), Aidan Gillen (Petyr Baelish), Carice van Houten (Lady Melisandre) und Sibel Kekilli (Shae). Auch dieses Mal wird es international!

Dinklage

Der jüngste Lennister-Nachfahre Tyrion wird von dem US-amerikanischen Schauspieler Peter Dinklage verkörpert. Tyrion ist kleinwüchsig, hat einen messerscharfen Verstand und ist mit einem sarkastischen Humor ausgestattet, dennoch erweist es sich für ihn als schwierig, innerhalb seiner Familie Anerkennung zu finden. Die Vorfahren des Schauspielers sind ursprünglich aus Deutschland. Der Name verweist auf die Herkunft aus der Stadt Dinklage im Landkreis Vechta in Niedersachsen. Neben Dinklage, der mit 200 Telefonanschlüssen häufigsten Schreibweise des Familiennamens, gibt es noch die Varianten Dincklage und von Dincklage (mit 9 bzw. 14 Telefonanschlüssen). Der Siedlungsname ist erstmals 1231 als Thinclage schriftlich belegt und geht zurück auf altsächsisch thing, mittelniederdeutsch dink 'Gerichtsstätte' und das Grundwort -lage, das eine freie Fläche bezeichnet.

Gillen

Der Name Gillen ist nicht weniger komplex als der Charakter Petyr Baelish, den Schauspieler Aiden Gillen in der Serie verkörpert. Er kommt in Deutschland mit 206 Telefonanschlüssen vor, hauptsächlich im westmitteldeutschen Sprachraum, was Aufschluss über seine Herkunft gibt. Besonders häufig ist er (im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung) im Nachbarland Luxemburg mit 159 Telefonanschlüssen. Es handelt sich dabei um einen patronymischen Genitiv zur Rufnamenkurzform Gill, die auf Gilius oder Ägilius zurückgeht. Diese wiederum sind Latinisierungen des altfranzösischen Namens Giles, dessen Herkunft nicht vollständig geklärt ist. Seine Verbreitung erlangte der Rufname dank des Heiligen Ägidius, der aus Griechenland stammte und in Südfrankreich die Abtei Saint-Gilles gründete. Dass aus dem d im Namen ein l wurde, ist vermutlich auf den Einfluss ähnlicher lateinischer Namen wie Agilius oder Egilius zurückzuführen. Diese Deutung trifft auf die meisten Fälle in Deutschland und Luxemburg zu, jedoch wohl nicht auf den Namen des irischen GoT-Schauspielers. 2011 teilten sich den Namen in Irland 1362 Personen. Dabei handelt es sich um eine anglisierte Form des irischen Namens Ó Giolláin aus einem Diminutiv von irisch giolla 'Bursche, Diener, Anhänger (meist eines Heiligen)' mit dem typisch irischen Ó 'Enkel, Nachkomme'.

Kekilli

Die Prostituierte und Geliebte von Tyrion Lennister Shae wird zwar von der deutschen Schauspielerin Sibel Kekilli gespielt, deren Familienname ist in Deutschland aber nur mit 6 Telefonanschlüssen vertreten. Es handelt sich dabei um einen türkischstämmigen Namen, der auf das regional (hauptsächlich in Mittel- und Südanatolien) verwendete türkische Wort kekil zurückzuführen ist. Im Standardtürkischen lautet es kâkül und bedeutet 'Pony (nicht das Tier sondern die Frisur)'. Das türkische Suffix -li kann Besitz oder Zugehörigkeit ausdrücken und ist hier am besten als 'mit' zu übersetzen. Ursprünglich bezeichnete der Name also eine Person mit Stirnfransen.

van Houten

Lady Melisandre oder die Rote Frau ist ein mysteriöser und ähnlich ambivalenter Charakter wie der Bluthund: In der konsequenten Verfolgung ihrer religiösen Überzeugung generiert sie Kräfte, die ihr einerseits in ihrem Glauben Recht zu geben scheinen, die im Falle falscher Deutungen jedoch für ihre Mitmenschen schwerwiegende Folgen haben können. Wenn die Priesterin überzeugt ist, dass der Herr des Lichts ein Opfer verlangt, fackelt sie wortwörtlich nicht lange und der ein oder andere Scheiterhaufen brennt. Wie passend ist da die Herkunft des Familiennamens der Schauspielerin van Houten, den in Deutschland ca. 40 Personen (15 Telefonanschlüsse), in seinem Herkunftsland, den Niederlanden, über 4.000 Personen tragen: Der erste Namenträger wurde wohl nach seiner Herkunft aus der Siedlung Houten (bei Utrecht) benannt. (Mittel)niederländisch hout bedeutet 'Holz' oder auch 'Wald', und so ist es daneben auch möglich, dass die Wohnstätte bei oder in einem Gehölz oder Wald namengebend war.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/game-of-thrones-2-folge/

Rufnamen aus Westeros

Diese Woche haben wir für unser Game of Thrones Special ein paar deutsche Familiennamen ausgewählt, die den Namen bisher überlebender Charaktere entsprechen: Bran, über dessen genaue Bestimmung das Publikum und vielleicht auch er selbst noch etwas sorgenvoll rätselt; Dany, den Spitznamen von Daenerys; sowie Sandor, den Rufnamen des ambivalenten Clegane-Bruders. Und so unterschiedlich die Funktionen der gleichnamigen Figuren für die Handlung von Game of Thrones sind, so bunt sind auch die Etymologien der untersuchten Familiennamen: Heute geht es vom Slawischen übers Keltische ins Französische und Ungarische...

Bran

Während Bran (bzw. die Langform Brandon) in Westeros vor allem im Norden - unter den Starks - verbreitet ist, ist er als Familienname in Deutschland eher im Süden zu finden - mit nur insgesamt 16 Telefonanschlüssen, was etwa 46 Personen entspricht, aber sehr selten. Bei den deutschen Vorkommen handelt es sich vermutlich um eine Kurzform des alten slawischen Rufnamens Branislaw, der auf die slawischen Rufnamenglieder bran? 'Kampf, Streit, Verteidigung, Abwehr' und slava 'Ruhm, Ehre' zurückgeht. Wer glaubt, dass dies schon eine sehr passende Herleitung für den - wenn auch nicht physisch - gegen die Weißen Wanderer kämpfenden Bran Stark ist, sei noch auf den keltischen Rufnamen Bran verwiesen, der als Familienname in Großbritannien auftritt und auf den deutsche Vorkommen auch zurückgehen könnten: Hier bedeutet das Ursprungsetymon bran nämlich 'Rabe' bzw. 'Krähe', was für unseren Protagonisten aus Game of Thrones, den Dreiäugigen Raben, zutreffender nicht sein könnte. Möglicherweise hat George R. R. Martin aus diesem Grund den Namen gewählt.

Dany

Den Namen Daenerys hat George R. R. Martin sich ausgedacht, weshalb es auch keinen Sinn macht, ihn als Familiennamen zu suchen. In den Romanen wird die Figur aber meist Dany genannt (in der Serie hingegen nur selten) - und diese Form gibt es als Familienname in Deutschland durchaus. Dany ist in Deutschland mit 113 Telefonanschlüssen belegt. Die geographische Verbreitung legt auch schon nahe, aus welcher Richtung der Name kommt: Es handelt sich dabei nämlich um eine französische Kurzform zum Rufnamen Daniel. Entsprechend finden sich in Frankreich 2.342 Telefonanschlüsse mit diesem Namen. Der Name Daniel wiederum ist ursprünglich hebräisch und bedeutet 'Gott richtet'.

Sandor

Sandor Clegane, genannt "Der Bluthund", ist ein erfrischender Charakter, dem man abwechselnd Abneigung wie Sympathie entgegenbringen kann. Nie weiß man, wie er sich verhalten wird. Als Familienname kommt Sandor mit 181 Telefonanschlüssen in ganz Süddeutschland verstreut vor. Der Ursprung des Namens liegt aber in Ungarn, wo 2007 ganze 17.447 Einwohner mit dem Familiennamen Sándor verzeichnet sind und er schon im 14. Jahrhundert historisch belegt ist. Er geht auf den in Ungarn sehr beliebten, gleichlautenden Rufnamen zurück, einer Kurzform zu Alexander. Der Familienname Schandor ist mit 24 Telefonanschüssen eher selten und ist die der ungarischen Aussprache entsprechend eingedeutschte Schreibvariante.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/game-of-thrones-20/

Lied, Eis, Feuer

Valar Morghulis

Oder auch: All men must die - und leider auch jede TV-Serie geht einmal zu Ende. Die finale Staffel von "Game of Thrones" zum Anlass nehmend beschäftigen die Mainzer NamenforscherInnen sich ein weiteres Mal mit dem reichen Namenschatz, den George R. R. Martin für sein Epos entwickelt hat. Diese Woche widmen wir uns den Titelstichwörtern der zugrundeliegenden Buchserie "A Song of Ice and Fire", also Lied, Eis und Feuer, die allesamt auch als Familiennamen existieren.

Lied

Eine der ganz großen Fragen bei "A Game of Thrones" ist, wem das Lied von Eis und Feuer denn nun gilt: Jon, Aegon, Daenerys - oder doch dem Küchengott Hotpie? Auch die Frage nach der Herkunft des Familiennamens Lied, der in Deutschland mit 103 Telefonanschlüssen und mit einem Hauptverbreitungsgebiet im Südwesten belegt ist, ist nicht ganz leicht zu beantworten. Am wahrscheinlichsten ist jedoch, dass er auf alte Rufnamen zurückgeht, die das Namenglied Liut- beinhalten, etwa auf Liutbert oder Liudolf. Auch möglich wäre die Benennung für jemanden, der gern und oft singt, auch wenn es dafür keine direkten Belege gibt. Doch wer weiß - vielleicht handelte es sich beim ersten Namenträger ja sogar um einen literarisch begabten Vorfahr unseres Autors...?

Eis

Hinter dem Namen Eis verbirgt sich nicht das, was er vermuten lässt. Einen Anspruch auf den Eisernen Thron von Westeros können seine Träger aber eventuell doch erheben. Der Name Eis geht nämlich auf den alten deutschen Rufnamen Iso zurück. Der wiederum ist eine Kurzform zu Rufnamen, die im Althochdeutschen das Erstglied Isan- hatten, das 'Eisen' bedeutet. Solche Rufnamen waren zum Beispiel Isanprand ('Eisen' + 'Feuer'), Isanrich ('Eisen' + 'mächtig') und auch Isanman ('Eisen' + 'Mann'). Zahlen für die Eiseninseln liegen leider nicht vor, aber in Deutschland ist der Familienname Eis mit 375 Telefonanschlüssen belegt.

Feuer

Der Name Feuer - in Deutschland mit 113 Telefonanschlüssen belegt - lässt seine ursprüngliche Bedeutung noch erkennen. Es ist jedoch wohl kaum magisches oder Drachenfeuer gemeint. In den meisten Fällen ist der Name ein indirekter Berufsname für seinen ersten Träger. Das konnte ein Ofenheizer sein, der in einem großen Haus die Aufgabe hatte, die Kamine zu reinigen und die Öfen zu heizen. Aber auch andere Berufe, für die Feuer eine Rolle spielte, sind möglich, etwa der Schmied oder jemand, der für das Anfeuern verschiedener Anlagen (zum Beispiel in einer Saline) zuständig war. In selteneren Fällen kann der Name ausdrücken, dass sein erster Träger in der Nähe einer Brandstelle wohnte oder auch, dass er eine feurige, leidenschaftliche Person war.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/ausserirdisches/

Außerirdische Kulturen

Der zweite Dienstag im Februar ist - zumindest in New Mexico, USA - der Tag der außerirdischen Kulturen (Extraterrestrial Culture Day). Der Tag soll dazu dienen, alle außerirdischen Besucher, ob in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft, zu feiern und zu ehren, und somit das Verhältnis aller Bürger des Weltalls zu festigen. So wünscht es sich der Initiator dieses Gedenktages, der aus Roswell stammende Lokalpolitiker Dan Foley. Das Städtchen in New Mexico ist vor allem wegen der angeblichen Ufolandung im Jahr 1947 weltweit bekannt geworden, daher verwundert es nicht, dass die Initiative für die kosmische Völkerverständigung von hier ausgeht. Auch wir können angesichts der vielen lebensfreundlichen und möglicherweise bewohnten Planeten hier nicht endgültig die Frage beantworten, ob wir allein im Weltall sind. Aber vielleicht sind die grünen Männchen vom Mars und anderen Planeten schon längst unter uns und unsere Vorfahren, die zu den Sternen aufschauten, haben sie längst entdeckt und entsprechend benannt.

Sternkiker

Ein Sternkiker konnte buchstäblich in die Sterne schauen. Den Familiennamen Sternkiker tragen in Deutschland etwa 122 Personen (errechnet aus 42 Telefonanschlüssen), welcher auf mittelniederdeutsch stern(e)kiker in der Bedeutung ‚Astronom, Astrolog‘ zurückgeht. Seit jeher glaubte man, dass die Himmelskörper die Ereignisse auf der Erde sowie persönliche Schicksale beeinflussen. Daher suchte man bei einem Astrologen Rat zu Problemen in den unterschiedlichsten Lebenslagen. Oft betrafen die Fragen beispielsweise Wetterprognosen und Ernteerträge und es wurden astrologisch begründete Daten für bestimmte Vorhaben erbeten. Weitere Varianten des Namens sind Sternekieker (14 Anschlüsse, etwa 41 Personen) und Sternkicker (13 Anschlüsse, etwa 38 Personen). Die Familiennamen Sternekicker, Sternekiker und Sternkieker sind mit jeweils maximal 3 Telefonanschlüssen und somit 9 NamenträgerInnen besonders selten.

Marsmann

Da die Wasservorkommen auf dem Mars fast vollständig in gefrorener Form vorliegen, dürfte es dem Marsmann dort ein wenig zu trocken sein. Der ist nämlich abhängig vom Marschland, auf den sein Name zurückgeht, also flaches, fruchtbares Land am Fluss- oder Meeresufer, das vor allem als Weideland, aber auch für den Ackerbau genutzt wird. Marschen findet man hauptsächlich an der Nordseeküste; passend dazu ist auch der Name Marsmann in Ostfriesland am häufigsten anzutreffen. Wer schon immer Handel mit Außerirdischen treiben wollte, kann mit dem Marsmann erst einmal klein anfangen. In anderen Fällen kann der Name nämlich auf den merseman zurückgehen. So wurde im Mittelniederländischen ein wandernder Kaufmann oder Händler genannt, und zwar nach seinem Korb oder den darin enthaltenen Handelswaren, die als merse (oder auch maers) bezeichnet wurden. Während in Deutschland etwa 210 Personen den Familiennamen Marsmann tragen (75 Telefonanschlüsse), finden sich in den Niederlanden 1.960 NamenträgerInnen für Marsman.

Planeth

Mit Hilfe extrem leistungsstarker Teleskope und anderer indirekter Nachweismethoden konnten AstronomInnen bisher schon fast 4000 extrasolare Planeten, kurz Exoplaneten, aufspüren. Diese Planeten umkreisen ferne Sterne, einige davon sind durchaus erdähnlich, d.h. sie wären für außerirdisches Leben bestens geeignet. Die Himmelskörper haben ihre Bezeichnung aus dem Griechischen erhalten, das Wort bedeutet "wandern, umherschweifen", da sich die Planeten, scheinbar im Gegensatz zu den Fixsternen, für das bloße Auge deutlich sichtbar bewegen. Für den Familiennamen Planeth sind in Deutschland allerdings nur 15 Telefonanschlüsse, d.h. ca. 42 NamenträgerInnen belegt. In Frankreich ist er jedoch ungleich häufiger: Der Name Planet ist dort mit ca. 670 EinwohnerInnen vertreten. Dort hat der Name nichts mit umherschweifenden Himmelskörpern zu tun, sondern ist ein Wohnstättenname für jemanden, der in einer ebenen Fläche, im Flachland wohnt. Der Name geht auf französisch plaine "Ebene" zurück und ist eine südfranzösische Variante mit einer Verkleinerungsendung (-et). Der Name kann möglicherweise durch die Einwanderung aus dem französischsprachigen Raum im 17. Jahrhundert in den deutschen Norden gelangt sein; die ersten historischen Belege finden sich in dieser Zeit in Mecklenburg.

Erdbürger

Die Bewohner des Planeten Erde haben eine Vielzahl an verschiedenen Kulturen hervorgebracht und längst auch den ersten Schritt zur Kontaktaufnahme mit außerirdischen Kulturen gemacht: 1972 startete Pioneer 10 als erste Raumsonde zur Erkundung des Weltalls. Damit für den Fall einer Begegnung mit kultivierten Außerirdischen ein friedlicher Kontakt hergestellt werden kann, hat Pioneer 10 eine Metallplakette mit der Position der Erde innerhalb der Milchstraße und einer schematischen Darstellung friedlicher Erdbürger an Bord. Im Jahr 2003, zwanzig Jahre nach dem Verlassen unseres Sonnensystems, sendete die Raumsonde zum letzten Mal ein Signal an ihren Heimatplaneten und durchstreift seitdem völlig auf sich gestellt das Universum mit der irdischen Botschaft. Unsere Karte zeigt: Auch in Deutschland wohnen Menschen, die Erdbürger genannt werden. Dieser Familienname ist mit 12 Telefonanschlüssen (etwa 34 NamenträgerInnen) allerdings sehr selten. In unmittelbarer Nähe des Hauptverbreitungsgebiets in Westfalen finden sich die häufigeren Varianten Erdbrügger (101 Telefonanschlüsse bzw. etwa 283 NamenträgerInnen) und Erdbrügge (39 Telefonanschlüsse, etwa 109 NamenträgerInnen). Dabei handelt es sich um einen Herkunftsnamen zu dem mehrfach in Westfalen und am Niederrhein vorkommenden Siedlungsnamen Erdbrügge. Möglich ist auch ein Wohnstättenname für einen Anwohner einer gleichnamigen Brücke. Bei Erdbürger wurden - wie häufig in den Dialekten in dieser Region - der Vokal und der Laut r vertauscht, aus -brügger wurde -bürger.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/nikolaus/

Der Mann mit dem Geschenkesack - Familiennamen zu Nikolaus

Die Gestalt des Nikolaus geht im Wesentlichen auf den heiligen Nikolaus, Bischof von Myra (heute Demre/Türkei), zurück. Um ihn ranken sich zahlreiche Legenden, in deren Mittelpunkt er immer wieder als Wohltäter und Retter von Kindern und jungen Leuten auftritt. Im Mittelalter verbreitete sich die Verehrung des beliebten Heiligen rasant, tausende Kirchen wurden ihm geweiht, er fungierte unter anderem als Schutzpatron der Kinder und Schüler, der Schiffer, Kaufleute und Diebe sowie als Helfer in der Not. Im 16. Jahrhundert tritt die Figur des Nikolaus als Gabenbringer für die Kinder am 6. Dezember auf. Mit der Zeit wuchsen ihm auch erzieherische Aufgaben zu: So konnte er auch mal für die unartigen Kinder die Rute zücken. Für diese Aufgabe wurden ihm auch oft unheimliche Begleiter wie Knecht Ruprecht, Pelznickel oder Krampus zur Seite gestellt. Konkurrenz bekam der heilige Nikolaus in Form des von Martin Luther bevorzugten Christkind - das Geschenkebringen wurde dadurch zunehmend auf die Weihnachtstage verlegt. Eine Wiederbelebung erfuhr er durch den in den USA so populären Santa Claus (abgeleitet vom niederländischen Sinterklaas), dessen typisches Aussehen als wohlbeleibter Mann in später roter Montur, mit Geschenkesack und Rentierschlitten etc. von dem aus Landau in der Pfalz stammenden amerikanischen Karikaturisten Thomas Nast ab 1862 in zahlreichen Variationen bildlich dargestellt wurde. Wer nun wo für die weihnachtlichen Geschenke zuständig ist, zeigt auch eine Karte des Atlas zur deutschen Alltagssprache: Karte Christkind. Ungebrochen ist aber weiterhin die Tradition am Abend vor Nikolaus die Stiefel (oder Hausschuhe) bereitzustellen, in der Hoffnung, dass der Nikolaus kleine Gaben darin versteckt.

Nikolaus in der Namengebung

Die große Beliebtheit des heiligen Nikolaus sorgte dafür, dass der Name einer der häufigsten männlichen Rufnamen im Mittelalter war. In manchen Städten hießen zeitweise bis zu einem Viertel aller Männer Nikolaus. Der Rufname ist griechischen Ursprungs, setzt sich aus den Namengliedern níke 'Sieg' und laós 'Volk' zusammen und wurde in seiner lateinischen Version als Nicolaus ins deutsche Sprachgebiet importiert. Hier wurde er, wie andere fremdsprachige Rufnamen auch, in seiner Lautung und Schreibung an das Deutsche angepasst. Unter den mittelalterlichen Rufnamen im deutschen Sprachgebiet ist Nikolaus wohl derjenige, der die meisten Familiennamen hervorgebracht hat: Rund 1.000 Familiennamen lassen sich auf Nikolaus zurückführen, darunter Nickel, Nietzsche, Klaus, Klaas, Klose. Fast 300.000 Personen tragen in Deutschland einen sicher auf Nikolaus zurückgehenden Familiennamen. Was die Gesamtverbreitung der Familiennamen aus Nikolaus anbe­langt, so finden sie sich in der ganzen Bundesrepublik mit Häufungen in Schleswig-Holstein (hier vor allem Clau(s/ss/ß)en), in Ostfriesland und im Rheinland (hier besonders Clasen, Klassen und Ähnliche) sowie in Ostmitteldeutschland (hier vor allem Nit(z)sch(e), siehe Karte), weniger dicht jedoch in Bayern und Baden-Württemberg sowie in Nordostdeutschland. Zum Weiterlesen: Kathrin Dräger: Familiennamen aus dem Rufnamen Nikolaus in Deutschland. Regensburg: edition vulpes (2013).

Stiefel

Einmal im Jahr gelingt es vielen Eltern, ihre Kinder dazu zu animieren, die Schuhe zu putzen. Denn am Vorabend des Nikolaustages werden traditionell die Schuhe vor die Tür gestellt, damit der Nikolaus sie mit Geschenken befüllt. Stiefel eignen sich besonders gut, denn schon die Kleinen wissen: In höhere Schuhe passt mehr hinein. Sind die Stiefel jedoch nicht ordentlich geputzt, kann am Morgen auch einmal nur ein Stück Kohle darin liegen. Auch in den Familiennamen hat der Stiefel einen festen Platz erhalten: Etwa 2800 Personen in Deutschland heißen Stiefel (989 Telefonanschlüsse), wobei ein Schwerpunkt im Südwesten auffällig ist. Zumeist handelte es sich bei dem ersten Namenträger um einen Schuhmacher. Das Wort Stiefel wurde ab dem 11. Jahrhundert als stival aus französisch estivel, italienisch stivale ('ein den Fuß und den größeren Teil des Unterschenkels bedeckendes Kleidungsstück') entlehnt. Die Entstehung des Brauchs, für den Nikolaus den Stiefel vor die Tür zu stellen, wird häufig mit einer Legende um den heiligen Nikolaus erklärt: Drei Mädchen konnten nicht heiraten, weil ihr Vater zu arm war, um für eine Mitgift aufzukommen. Um sie vor einem drohenden Leben in Prostitution zu bewahren, warf Nikolaus jeder von ihnen in der Nacht ein wertvolles Geschenk durch das Fenster. Später wurden die Geschenke nicht mehr geworfen, sondern heimlich in ein Gefäß gelegt, das jedes Kind hatte: den Stiefel. Zu traditionellen Geschenken wie Nüssen und Dörrobst kamen im vergangenen Jahrhundert Schokolade und manchmal sogar ein kleines Spielzeug hinzu.

Sack

Der Geschenkesack ist ja das wichtigste Accessoire des Nikolaus/Weihnachtsmanns und sein Inhalt wird ja jedes Jahr mit Spannung erwartet. In Deutschland tragen ca. 6132 Personen den Familiennamen Sack (das sind 2190 Telefonanschlüsse) und ca. 2190 den Namen Sackmann (das sind 782 Telefonanschlüsse). Der Familienname Sack kann vielerlei bedeuten: Zum einen kann er auf den Beruf eines Sackträgers oder -herstellers hinweisen, zum anderen steht er als Übername für einen Menschen mit einem auffälligen Bauch bzw. für etwas abfällig für einen "bösen Sack (= Kerl)". Mittelhochdeutsch sac kann nämlich auch 'Magensack, Bauch, der ganze Körper' bedeuten und für eine Person stehen. Ebenso kommt ein Wohnstättenname in Frage für jemanden, der an einem Flurstück oder in einer Gasse namens Im Sack wohnte. In Flur- und Straßennamen steht Sack für sackförmige Geländestücke, meist mit einem Eingang und keinem Ausgang (wie heute noch in Sackgasse). Und letztendlich kann auch ein Herkunftsname zu gleichnamigen Siedlungen vorliegen. Sackmann wiederum kann zwar als Ableitung zu Sack gehören, allerdings kann sich dahinter auch ein Trossknecht (der den Sack mit Vorräten trägt) oder Räuber (der alles in seinen Sack steckt) verbergen. In Südhessen ist der Sackmann gar ein Schreckgespenst, mit dem man unartigen Kindern droht.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/ratespecial/

Ratespecial

Unser Digitales Familiennamenwörterbuch hat nun die Marke von 20.000 Namenartikeln überschritten. Zur Feier dieses Jubiläums haben wir uns ein Ratespiel ausgedacht. In der folgenden kleinen Geschichte stecken 63 verschiedene Familiennamen aus den bisher erschienen Artikeln. Finden Sie alle? Wenn Sie auf dem Laufenden sind, welche Namen an jedem 1. und 15. Tag im Monat zum DFD hinzukommen, sind Sie klar im Vorteil. Doch Vorsicht: Hinter vielen Namen verbirgt sich ein ganz anderer Sinn als hinter den Wörtern der Geschichte.

Ausflug in die Namenlandschaft

Walter, ein passionierter Angler, genießt seinen Urlaub bei seiner Lieblingsbeschäftigung an einem Teich in den Bergen, als sein Nachbar Thomas zufällig vorbeikommt.

"Das ist aber kühn von dir, barfuß im Wasser zu stehn", ruft er. "Warum nimmst Du nicht den kleinen Kahn hier hinter dem Busch?"

"Bist Du deppert? Kannst du nicht leise sein?", meckert Walter grimmig. "Ich hatte fast einen Aal an der Angel und just dann machst du Krach und verscheuchst den Fisch. Nun muss ich warten, bis ein anderer kommt."

Thomas entschuldigt sich freundlich bei Walter mit frischen Kirschen aus seinem Garten und einem Butterbrot mit fetter Wurst.

"Der ganze Baum hing voll mit Früchten, die kein bisschen sauer sind. Und die Wurst ist vom besten Fleischer im Ort", sagt Thomas. "Aber den Speck von dort will ich nicht, der ist mir zu salzig."

Da Walter ohnehin keinen Wurm mehr zum Angeln hatte und sein Netz in seinem Zimmer lag, gehen beide zurück nach Hause durch den Wald.

Hier treffen sie auf den Jäger Bert und seinen Freund, den Förster Otto, die hinter einem Strauch versteckt sitzen und einen Vogel beim Balzen beobachten.

"Seid ihr schon den ganzen Sonntag hier am Berg?", fragt Bert die beiden. "Ich habe schon vor dem Frühstück einen jungen Hirsch geschossen. Ein großer Hase konnte in der Folge aber entwischen."

Da es spät wird und der Sonnenschein langsam nachlässt, entscheiden sich alle dafür, zu Walter zu gehen, dort Pfannkuchen zu backen und den langen Tag bei einem Bier ausklingen zu lassen.

Auflösung

Walter, ein passionierter Angler, genießt seinen Urlaub bei seiner Lieblingsbeschäftigung an einem Teich in den Bergen, als sein Nachbar Thomas zufällig vorbeikommt.

"Das ist aber kühn von dir, barfuß im Wasser zu stehn", ruft er. "Warum nimmst Du nicht den kleinen Kahn hier hinter dem Busch?"

"Bist Du deppert? Kannst du nicht leise sein?", meckert Walter grimmig. "Ich hatte fast einen Aal an der Angel und just dann machst du Krach und verscheuchst den Fisch. Nun muss ich warten, bis ein anderer kommt."

Thomas entschuldigt sich freundlich bei Walter mit frischen Kirschen aus seinem Garten und einem Butterbrot mit fetter Wurst.

"Der ganze Baum hing voll mit Früchten, die kein bisschen sauer sind. Und die Wurst ist vom besten Fleischer im Ort", sagt Thomas. "Aber den Speck von dort will ich nicht, der ist mir zu salzig."

Da Walter ohnehin keinen Wurm mehr zum Angeln hatte und sein Netz in seinem Zimmer lag, gehen beide zurück nach Hause durch den Wald.

Hier treffen sie auf den Jäger Bert und seinen Freund, den Förster Otto, die hinter einem Strauch versteckt sitzen und einen Vogel beim Balzen beobachten.

"Seid ihr schon den ganzen Sonntag hier am Berg?", fragt Bert die beiden. "Ich habe schon vor dem Frühstück einen jungen Hirsch geschossen. Ein großer Hase konnte in der Folge aber entwischen."

Da es spät wird und der Sonnenschein langsam nachlässt, entscheiden sich alle dafür, zu Walter zu gehen, dort Pfannkuchen zu backen und den langen Tag bei einem Bier ausklingen zu lassen.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/fussballweltmeisterschaft/

Fußballweltmeisterschaft

Wenn ein großes Fußballturnier im Gange ist, drehen sich die Gespräche und Gedanken der Fans nur um das eine Thema. Auch die Fußballexpert_innen der Mainzer Namenforschung geben Tipps ab, wie ein gutes Spiel und der Sieg einer Mannschaft gelingen kann. Die wichtigsten Zutaten sind: Ein gutes Abwehrverhalten, z.B. mit einer geschickt aufgestellten Mauer beim Freistoß, Stürmer, die das Tor treffen, ein guter Mannschaftsgeist der elf Spieler und ein spielerisch starkes Mittelfeld. Aber es gilt zu bedenken: "Der Ball ist rund und das Runde muss ins Eckige" - Mit dieser ewigen Weisheit im Kopf, können wir die Spiele richtig genießen und schauen uns zuvor noch ein paar Familiennamen an, die uns zu unserer Spielanalyse inspiriert haben.

Stürmer

An Torjägern mangelt es in Deutschland nicht: Den Familiennamen Stürmer tragen ca. 4.500 Personen. Es handelt sich um einen Berufsnamen zu mittelhochdeutsch stürmære 'Kämpfer' für einen berufsmäßigen Soldaten. Der Name kann sich aber auch auf einen stürmischen, ungestümen oder lauten Menschen beziehen. Unwahrscheinlich ist allerdings der Zusammenhang mit einem alten Rufnamen, der sich aus althochdeutsch sturm, altsächsisch storm 'Lärm, Getöse, Tumult, Aufruhr, Sturm' und althochdeutsch, altsächsisch heri 'Heer', das zu -er abgeschwächt erscheint, zusammensetzt.

Elf

Im Mannschaftssport reicht die individuelle Klasse der Einzelspieler bekanntlich nicht immer aus. Meistens gewinnt das beste Kollektiv und beim Fußball besteht das aus den elf Spielern auf dem Rasen, von Fans oft liebevoll "Die Elf" genannt. Aufgrund ihres Familiennamens haben auch ca. 112 Nicht-Fußballer_innen in Deutschland das Glück, sich zu der Elf zählen zu können (errechnet aus 40 Telefonanschlüssen). Dabei hatte der erste Namenträger wohl wenig mit unserem heutigen Fußball am Hut, gehörte aber möglicherweise beruflich ebenso zu einer elfköpfigen Einheit. So könnte er Mitglied eines Rates gewesen sein, der aus elf Männern bestand. Anderseits könnte sich der Familienname auch lautlich aus Rufnamen mit der Silbe alp (Pl.: elbe) oder der mittelniederdeutschen Variante alf herausgebildet haben. In Ausnahmefällen kann es sich auch um einen Bewohner eines Ortes mit ähnlich klingendem Namen handeln, wie Elffen bei Soest in Westfalen.

Mittelfeld

Mit beachtlicher Spielübersicht und präzisen Pässen zeigen die Mittelfeldspieler besonderen Einsatz. Der Familienname Mittelfeld ist mit etwa 17 Namenträger_innen (errechnet aus 6 Telefonanschlüssen) in Deutschland ausgesprochen selten. Der Name geht auf mittelniederdeutsch middel 'in der Mitte' und velt 'Feld, Acker, Ebene' zurück. Damit war jedoch nicht etwa ein taktisch versierter Mannschaftssportler auf grünem Rasen gemeint. Vielmehr handelt es sich dabei um einen Wohnstättennamen für jemanden, der an oder auf einem Feld oder einer Ebene in der Mitte der Gemarkung wohnte. Häufiger dagegen sind beispielsweise die Familiennamen Oberfeld (107 Anschlüsse mit 310 Namenträger_innen) und Unterfeld (22 Anschlüsse mit ca. 64 Namenträger_innen), die auf jemanden zurückgehen, der im oberen bzw. im unteren Bereich der Gemarkung wohnte.

Mauer

Überschreitet ein Spieler im Übermut die Grenzen des Erlaubten, kommt es zum Freistoß. Dann sind die Mitspieler des Übeltäters dazu aufgefordert, einen direkten Schuss auf das eigene Tor zu verhindern und sich als "Mauer" aufzustellen. Einen gleichlautenden Familiennamen gibt es über 5000 mal in Deutschland (errechnet aus 1789 Telefonanschlüssen). Hierbei handelt es sich in den meisten Fällen wohl um einen Wohnstättennamen. Der erste Namenträger hat demnach wahrscheinlich an einer (Stadt-)Mauer gewohnt, oder sein Grund befand sich an einem gleichnamigen Flurstück - diese gibt es überaus häufig, wohl, weil sie nach oft vorkommenden Gebäuderesten im Boden benannt sind. Eine weitere Möglichkeit ist die Benennung des ersten Namenträgers nach einem Siedlungsnamen, etwa nach Mauer (Baden-Württemberg, Österreich, historisch auch in Schlesien, heute Pilchowice bei Wlen), Maur (Schweiz), Mauern (Baden-Württemberg, Bayern), Mauren (Baden-Württemberg, Bayern). Letztendlich ist auch die Erklärung zu mittelhochdeutsch mure, mur, miure 'Mauer' als indirekter Berufsname für einen Maurer denkbar.

Tor

Wenn im Stadion der Ruf "Toooor!" ertönt, könnten sich einige Menschen direkt angesprochen fühlen. Denn rund 840 Personen heißen in Deutschland Thor (errechnet aus 290 Telefonanschlüssen), und rund 35 Personen tragen den Namen Tor (12 Telefonanschlüsse). Doch im Mittelalter wurden nicht etwa Torschützen so benannt, sondern Leute, die an einem Tor gewohnt haben, etwa einem Stadttor, wie man an Familiennamen wie Amthor oder Zumthor noch gut erkennen kann. Auch das heute nicht mehr allzu gebräuchliche Wort Tor für einen törichten Menschen, einen Narren kann hinter dem Familiennamen stecken. Während es sich bei Thor um einen deutschen Familiennamen handelt, ist Tor überwiegend türkisch und kann hier auf einen gleich lautenden Rufnamen oder das türkische Wort tor zurückgehen. Als tor wird in der Türkei eine unerfahrene und zurückhaltende Person bezeichnet, also eher das Gegenteil eines WM-Torschützen. Das türksiche tor bedeutet aber auch 'engmaschiges Fischernetz' und kann als indirekten Berufsnamen für einen Fischer stehen. Ob sich auch Fußballtornetze notfalls zum Fischen eignen?


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/hund/

Auf den Hund gekommen...

...sind die Mainzer Namenforscher_innen, als sie erfuhren, dass gemäß der chinesischen Astrologie das Jahr des Hundes angebrochen ist. Der Hund, der als Tierzeichen für Treue steht, löste damit am 15. Februar 2018 das Jahr des Hahns ab. Deshalb wollten wir uns die hündischen Familiennamen wie Hund, Hundbiß, Gebell einmal näher anschauen. Unsere mittelalterlichen Vorfahren hatten ein zwiespältiges Verhältnis zum Hund: Auf der einen Seite stand er als treuer Begleiter des Menschen für Loyalität und Gehorsam, auf der anderen Seite nahm man aber auch seine wilde Seite wahr und sah ihn als kämpferisch oder sogar bissig an. Allmählich wurde "Du Hund" sogar zum geringschätzigen Schimpfwort. Der Hund blieb aber unbestritten das wichtigste Haustier. In erster Linie war er, anders als heute, vor allem in der Funktion als Jagd- und Wachhund, ein Nutztier. Heute sind Hunde für uns eher Familienmitglieder, die uns als treue Begleiter zur Seite stehen. Auch in der Benennung der Hunde macht sich diese Beziehung bemerkbar: Hasso, Bello und Rex haben ausgedient, stattdessen ähneln die Namen der Hunde, z.B. Lily, Paul, Benno, zunehmend menschlichen Rufnamen.

Die Redewendung "auf den Hund gekommen sein" bezieht sich auf jemanden, der einen meist finanziellen Abstieg genommen hat. Es ist nicht ganz klar, wie sie entstanden ist. Wenn man kein Geld mehr für ein Pferd oder Ochsen hatte, musste man Hunde vor einen Karren spannen. In Geldtruhen wurde als warnende Verzierung oft ein Wachhund abgebildet. War man am Boden der Truhe angelangt, konnte man den Hund sehen und war gleichzeitig pleite. Das Special rund um den Hund wurde zusammengestellt von unseren engagierten Praktikant_innen Uma Nimkar, Patrick Brookshire und Marvin Martiny.

Hund

Sie heißen Hund mit Nachnamen? Dann war Ihr Vorfahre sicher ein Hundeliebhaber - könnte man vermuten. So wie bei den über tausend anderen Telefonanschlüssen, die unter diesem Namen in Deutschland verzeichnet sind. Genauer betrachtet hat der Name Hund aber verschiedene Deutungsmöglichkeiten. Des Menschen bester Freund ist nur eine davon. Schon im althochdeutschen gab es das Wort hunt in derselben Bedeutung wie heute. Der Nachname kann sich also aus einem Übernamen herleiten, der im Mittelalter wohl bei Rittern sehr beliebt war. Er bezeichnete einen bissigen, gefährlichen Menschen, ähnlich einem Jagdhund. Übertragen konnte er auch die Bedeutung 'Bösewicht' haben und dabei abwertend als Schelte benutzt worden sein. Genauso wahrscheinlich aber ist die Benennung nach einer Berufsbezeichnung: Althochdeutsch hunto oder hunno bezeichnet einen Unter-Richter, Gemeindevorsteher oder Hauptmann (über eine Hundertschaft). Der Nachname geht hier also auf den Inhaber eines solchen Amtes zurück. Da es auch einen Ort mit dem Namen Hunden gibt (in der Nähe von Hamburg) und den Fluss Hunte in Niedersachsen, könnte es auch sein, dass sich der Nachname in Einzelfällen von diesen beiden Ortsnamen ableitet.

Hundgeburt

Wer den Nachnamen Hundgeburt oder eine der beiden häufigeren Varianten Hundgeburth bzw. Huntgeburth trägt, sollte sich über den Ruf seiner Vorfahren keine Gedanken machen. Der Name hat nämlich wenig mit einer (zweifelhaften?) Geburt zu tun. Stattdessen kann das zweite Namensglied vom mittelhochdeutschen Wort gebûr 'Bauer' abgeleitet werden und es gibt sogar Belege für die Verwendung des Begriffs huntgebûr. Hierbei handelte es sich wohl um eine Berufsbezeichnung für jemanden, der die Hunde seines Lehensherren aufzog. Das Wort scheint in diesem Fall übrigens mehr als angemessen, da diese Leistungsverpflichtung nach Einschätzung von Brechenmacher (Etymologisches Wörterbuch der deutschen Familiennamen I, 755) unter Bauern "ganz besonders verhaßt" war. Neben dieser Deutung gibt es auch noch die Theorie, dass der Nachname Hundgeburth auf einen gleichlautenden Ort im Raum Bergheim-Köln zurückgehen könnte.

Hundbiß

Die Familiennamen Hundbiß oder auch Hundbiss sind von ihrer Bedeutung her weder obskur noch subtil: Gemeint ist eindeutig der Hundebiss. Stellt sich eher die Frage, warum wurde ausgerechnet Hundbiß ein Familienname? Ganz eindeutig ist es nicht, aber es gibt Hinweise: So könnte es sich um einen Namen für den Jäger als Halter eines bissigen Jagdhundes handeln. Es ist aber auch möglich, dass ein Übername für einen "bissigen" oder gefährlichen Menschen vorliegt - im negativen wie im positiven Sinne, wie es scheint. Wie beim Namen Hund(t) kann es sich um einen besonders unangenehmen Zeitgenossen gehandelt haben, aber auch um einen Kämpfer, der seinen Kampfeswillen und eventuell seine Loyalität darstellen wollte, so wie der Ritter Henggi Hundbiß aus Ravensburg (1384). Dabei ist auffällig, dass alle heutigen Namensträger aus Süddeutschland kommen, die meisten davon aus den südlichsten Regionen, die dem historischen Belegort recht nahe sind.

Gebell

So mancher Hund kündigt sich ja mit lautem Gebell an. Der Name Gebell ist mit 14 Telefonanschlüssen in Deutschland und sieben in Österreich nicht nur äußerst selten belegt, er weist auch eine interessante Herkunft auf. Im Gegensatz zum noch selteneren Kleffer hat er nämlich gar nichts mit Hundelauten zu tun. Stattdessen geht er wohl auf die Kurzform Geb zu ältereren Rufnamen wie Gebhard, Gebwin oder Geblinde zurück. An diese Kurzform wurde die Endung -el zur Verkleinerung angefügt. Eine solche Form konnte eine kosende Funktion besitzen oder dazu gedient haben, Kinder von ihren Eltern zu unterscheiden. In manchen Fällen kann der Name Gebell infolge komplexer Lautwandelphänomene sogar auf die alten Rufnamen Godebrecht oder Godebald zurückgehen.

Platz

Der Name Platz könnte gut und gerne eine Aufforderung an einen Hund darstellen sich zu setzen, geht aber tatsächlich auf eine Örtlichkeitsnamen zurück. Jemand, der Platz heißt, wohnte also an einem Stück freien Land oder am Dorfplatz. Möglich ist auch, dass es ein Herkunftsname ist, denn einige Orte in Deutschland tragen den Namen Platz. Etwas ungewöhnlicher, aber nicht auszuschließen, ist die Deutung, dass der Name auf das Wort für einen flachen Kuchen oder Fladen zurückgeht (vgl. Plätzchen) und damit ein Name für den Bäcker von flachen Kuchen oder einen Menschen mit dieser Lieblingsspeise ist.

Zwinger

Auch Zwinger ist ein Name, der sofort an Hundezwinger und dann vielleicht auch an Hundezüchter und -halter denken lässt. Aber auch hier ist die Bedeutung ursprünglich eine andere: Der Zwinger ist der Raum zwischen einer Mauer und einem Graben, häufig einer Burg, eventuell (wie bei "Zwinge" sicher belegt) für ähnliche natürliche Gegebenheiten, also zum Beispiel eine Klamm oder Schlucht am Fuß eines Berges. Die Namenbedeutung bezieht sich also in erster Linie auf die Wohnstätte für jemanden, der an einem Zwinger wohnt. Der Begriff Hundezwinger ist übrigens dadurch entstanden, dass im Raum zwischen Burgmauer und Graben teilweise wohl Tiere gehalten wurden. Eine weitere Bedeutung hat mit dem Verb zwingen zu tun. Damit liegt ein Übername für eine bedrängende, unangenehme Person vor.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/tannenbaum/

O Tannebaum

... wie grün sind deine Blätter. So beginnt das beliebte Weihnachtslied, das häufig von der um den Weihnachtsbaum versammelten Festgemeinschaft gesungen wird. Das fehlende n (Tannebaum) entpricht dem ursprünglichen Text, aber meist singen wir es heute dazu. Grün muss er sein und festlich geschmückt, hell erstrahlend im Lichterglanz. Eingang in die deutschen Wohnzimmer und zunehmende Popularität erfuhr der schön geschmückte Baum erst im 19. Jahrhundert. Er ist ein Nachfahre von Bäumen, die von den Zünften seit dem 16. Jahrhundert mit Früchten und Zuckerwerk ausgestattet und später freigegeben wurden, damit sich die Kinder daran bedienen konnten. Allmählich entwickelte sich daraus ein eigenständiger Brauch, einen Baum zur Weihnachtszeit mit Kerzen, Äpfeln, Süßigkeiten und Goldflitter, später dann mit Glaskugeln prachtvoll auszustatten. Aber zunächst leistete sich nur der Adel und das städtische Bürgertum einen Weihnachtsbaum. Erst allmählich breitete sich der dekorierte Baum als fester Bestandteil der Weihnachtsbräuche aus. Nach Frankreich und England brachten ihn die Angehörigen der Herrscherhäuser und mit deutschen Auswanderern kam er in alle Welt. Mehr zur Geschichte des Weihnachtsbaumes (mit schönen Abbildungen) kann man bei der Deutschen Digitalen Bibliothek erfahren.

Tannenbaum

Wie nennt man bei Ihnen den festlich geschmückten Baum zu Weihnachten? Weihnachts- und Tannenbaum herrschen im Norden vor, Christbaum im Süden (siehe Atlas zur deutschen Alltagssprache). Davon abgesehen teilen sich ca. 87 Menschen in Deutschland den Namen mit dem Festtagsschmuck. Der Familienname Tannenbaum geht, wie seine Varianten Danneboom, Dannenbaum, Tannebaum, auf mittelhochdeutsch tanboum 'Tanne, allgemein Waldbaum' zurück und bezieht sich auf die Wohnstätte in Waldesnähe. Auch ein Herkunftsname zu Siedlungen namens Tannenbaum im Rheinland und im Bergischen Land ist denkbar. Auch als jüdischer Familienname finden sich Tannenbaum und Varianten häufig, z. B. schon im 16. Jahrhundert in Frankfurt.

Baumschlager

Bevor der Weihnachtsbaum geschmückt werden kann, muss er zunächst im Wald gefällt und nach Hause gebracht werden. Der Familienname Baumschlager ist in Deutschland mit 8 Telefonanschlüssen (und damit ca. 22 Namenträger_innen) recht selten. Er geht auf mittelhochdeutsch boum 'Baum' und mittelhochdeutsch slac '(Holz)Schlag' zurück. War der Baumschlager jemand, der in der Weihnachtszeit die Tannenbäume schlägt? Tatsächlich handelt es sich hierbei um eine Benennung nach der Wohnstätte für jemanden, der an einer mit Bäumen bewachsenen Stelle wohnte, die zum Holzschlag bestimmt war bzw. durch Holzfällen urbar gemacht wurde. Da im Mittelalter viele Gebiete auf diese Weise landwirtschaftlich nutzbar gemacht wurden, sind derartige Wohnstätten häufig in Familiennamen zu finden.

Schmücker

Das Schmücken des Weihnachtsbaums gehört bei vielen Familien zu den wichtigsten Vorbereitungen auf die Festtage. Der Familienname Schmücker, den in Deutschland etwa 1647 Menschen tragen (568 Telefonanschlüsse) scheint allerdings darauf hinzudeuten, dass einst nur ein ganz bestimmter Schmücker etwas an den Baum hängen durfte. Handelt es sich dabei um einen alten, in Vergessenheit geratenen Weihnachtsbrauch? Hinter Schmücker verbirgt sich wohl eher kein professioneller Weihnachtsbaum-Dekorierer, denn zugrunde liegt das mittelhochdeutsche Wort smucken 'an sich drücken, anschmiegen' auch 'sich zusammenducken, sich zurückziehen'. Ein Schmücker kann demnach eine Person sein, die sich wegduckt, häufig Streitigkeiten aus dem Weg geht oder sich aus Problemen herauswindet. Für die Verbreitung in Norddeutschland kommt auch eine Herleitung aus mittelniederdeutsch smuck 'geschmeidig, zierlich, schön' in Frage, womit jemand gemeint ist, der durch seine Schönheit oder prachtvolle Kleidung auffällt. Die häufiger vorkommende umlautlose Variante Schmucker (880 Telefonbucheinträge, etwa 2552 Namenträger_innen) ist vor allem im Süden verbreitet.

Lichter

Natürlich bilden die vielen atmosphärischen Lichter auf dem Christbaum sein Herzstück, denn obwohl der Schmuck je nach Vorliebe des Schmückenden variieren kann - ohne Lichter geht es nicht, seien es echte Kerzen oder die Erleuchtung aus der Steckdose. Lichter finden sich auch in unserer Familiennamendatenbank. Doch haben nicht alle Namenträger_innen tatsächlich etwas mit Leuchtkörpern zu tun. Bei einigen jedoch besteht durchaus etymologische Verwandtschaft zu unseren heutigen Lichtern. So kann es sich z.B. um einen Übernamen zum mittelhochdeutschen Adjektiv lieht handeln, das 'hell, strahlend' bedeutet. Gemeint war hier wohl ein besonders attraktiver, charismatischer Mensch oder ein Mensch mit sehr hellem Haar. Auch eine Benennung nach der Wohnstätte ist hier möglich, also für jemanden, der an einem gerodeten (also hellen, lichten) Waldstück wohnte. Andererseits kann es sich aber auch um einen indirekten Berufsnamen zum gleichlautenden mittelhochdeutschen Substantiv lieht in der Bedeutung 'Kerze' handeln, der den Kerzenzieher oder -verkäufer beschreibt. Auch ein völlig anderer Beruf kann hier ausschlaggebend gewesen sein, nämlich der Lichter bzw. Gelzenlichter (eine Lautvariante des Gelzenleichters), Bezeichnungen für den Tierkastrator. Der Name ist dann zum mittelhochdeutschen Verb lihten 'leicht machen; glätten, kastrieren' zu stellen. Der Lichter war also derjenige, der das Tier um seine Geschlechtsteile "erleichterte". Den Charakter eines Menschen kann der Name auch spiegeln, wenn er auf mittelhochdeutsch liht, mittelniederdeutsch liht zurückgeht, das die Bedeutung 'leicht, behände', doch auch 'leichtsinnig, leichtfertig, unbeständig' trug. In diesem Fall beschreibt der Name keinen strahlenden, sondern einen leichtfüßigen, beweglichen oder aber einen wankelmütigen, leichtsinnigen Menschen. So zahlreich wie seine Deutungen sind auch die Vorkommen des Namens. Mit 482 Telefonanschlüssen heißen rund 1350 Personen in Deutschland Lichter. Den Namen Licht tragen sogar über 4000 Personen (berechnet aus 1546 Telefonanschlüssen).

Kugel

Fast 3000 Menschen heißen in Deutschland Kugel (1006 Telefonanschlüsse). Dabei sind Kugeln in der Familiennamengebung nichts zum auf den Baum hängen, sondern in erster Linie etwas zum Anziehen. Das mittelhochdeutsche Wort kugel (oder auch gugel), auf das der Familienname zurückgeht, bezeichnet nämlich eine kapuzenartige Kopfbedeckung. Der erste Namenträger wurde danach benannt, weil er häufig solche Kapuzen trug oder weil er welche herstellte. Zusammengesetzte Familiennamen wie Leinekugel ('Kapuze aus Leinen') oder Stippkugel ('gesteppte Kapuze') unterstreichen diese Deutung. Aber auch auf die Kugel, wie wir sie im heutigen Sprachgebrauch kennen (mittelhochdeutsch kugel, kugele), kann der Familienname zurückgehen, entweder als Übername für einen dicken, rundlichen Menschen oder für jemanden, der gerne mit Kugeln spielte.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/erkaeltung/

Erkältungszeit

Kaum bricht die kältere Jahreszeit an, steigt auch die Zahl der Erkältungen. Husten, Schnupfen, im schlimmsten Fall Fieber befällt uns und will oft gar nicht mehr weichen. Alle erdenklichen Hausmittel werden angewandt, aber was hilft? Da auch die Mainzer Namenforscher_innen wie jedes Jahr erkältungsgeplagt sind, haben sie sich auf die Suche nach diesem Krankheitsbild in den Familiennamen gemacht. Namen wie Keuch, Husten und Schnupf fallen da auf, ebenso wie Bezüge auf Erreger wie Bazille und Virus sowie auf Heilmittel wie Wickel. Aber waren die Vorfahren wirklich so sehr geplagt, dass die tropfenden Nasen und der keuchende Husten Eingang in die Familiennamengebung gefunden haben oder was steckt wirklich dahinter? Für alle Erkälteten empfehlen die Doktoren von der Namenforschungsabteilung: Viel Ruhe und ein Namenspecial lesen! Menschen mit Namen Bazille muss man jedoch nicht meiden, denn sie sind nicht ansteckend. Der seltene Name bezieht sich nicht auf die Krankheitserreger, sondern ist eine Ableitung des Rufnamens Basile, Bazile (lateinisch Basilius, griechisch Basileos). Der Name ist in Frankreich belegt, in Italien auch in der Form Basile.

Husten

Ob durch Virus oder Bazille verursacht, der Husten (lateinisch Tussis) war auch zur Zeit der Familiennamenentstehung schon so lästig wie der Schnupf(en). Leute, die auffällig oft husteten, konnten im Mittelalter durchaus danach benannt werden. Der Familienname Husten ist mit 15 Telefonanschlüssen eher selten, Hust und Huste mit 185 bzw. 104 Telefonanschlüssen aber schon häufiger. Huster weist zwar 866 Anschlüsse auf, doch hier konkurriert ein Herkunftsname zum Siedlungsnamen Husten, Stadtteil von Drolshagen (Nordrhein-Westfalen), was bei Hust, Huste und Husten kaum eine Rolle spielt. In einigen Fällen können die Familiennamen Hust, Huste und Huster auch auf das zu mittelhochdeutsche Wort huste zurückgehen, das einen auf dem Feld zusammengestellten Haufen Getreide oder Heu bezeichnet.

Schnupf

Dass die Leute auch schon im Mittelalter mit verstopften oder triefenden Nasen und Niesanfällen zu kämpfen hatten, davon zeugt der Familienname Schnupf, der im Jahr 2005 in Deutschland mit 11 Telefonanschlüssen belegt ist. Die Bedeutung ist auch nach einigen Jahrhunderten noch leidlich unmissverständlich: Das mittelhochdeutsche Ausgangswort snupf, snupfe bedeutete auch damals schon 'Schnupfen' oder auch allgemein 'Entzündung der Atemwege'. Beim ersten Namenträger dürfte es sich demnach um eine Person gehandelt haben, die ständig oder dauerhaft verschnupft war, sei es wegen genereller Anfälligkeit oder weil im Beruf eine dauerhafte Belastung der Atemwege stattfand (so etwa beim mehlstaubgeplagten Müller oder im kalten Bergbau). Eine zweite Deutungsmöglichkeit, nämlich die nach einem Rufnamen Snotbert oder seiner Kurzform Snuppo, scheint unwahrscheinlich, weil sich für diese Rufnamen keinerlei Belege (mehr) finden lassen.

Virus

Der lateinische Begriff virus bedeutete ursprünglich 'Schleim, Gift, Gestank'. Schon in der Antike wurde damit der Speichel als "giftig" bezeichnet, der Tollwut überträgt. Die kleinsten zur Reproduktion fähigen Partikel, die uns insbesondere in der kalten Jahreszeit zusetzen, wurden hingegen erst im 19. Jahrhundert entdeckt, der Begriff Virus auf sie übertragen. Der Familienname Virus, den in Deutschland ca. 112 Menschen tragen (40 Telefonanschlüsse), kann also nichts mit diesen Krankheitserregern zu tun haben. Vielmehr dürfte er auf den v.a. in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen häufig vorkommenden Siedlungsnamen Vierhausen zurückgehen, der Siedlungen bezeichnet, die zunächst nur aus vier Häusern bestanden. Unter den deutschen Familiennamen finden sich neben den Varianten Vierhus (ca. 20 Namenträger_innen) und Vierhaus (571) u.a. auch Dreihaus (39), Dreihus (9) und Fünfhaus (23). Historisch war der Familienname Virus im ehemaligen östlichen Brandenburg (jetzt Polen) verbreitet.

Wickel

Ereilt einen ein schlimmes Fieber, können Wadenwickel Abhilfe schaffen. Aber hat der Familienname Wickel wirklich einen medizinischen Hintergrund? Diesen Namen tragen in Deutschland etwa 1190 Personen (errechnet aus 425 Telefonanschlüssen). Anders als der Name vermuten lassen könnte, hat Wickel nichts mit der Heilung von Krankheiten zu tun, sondern kann als Kurzform zu einem älteren Rufnamen entstanden sein, der das Namenglied -wîg- enthielt, wie es beispielsweise bei den Rufnamen Wickardt und Wickbold der Fall ist. An die Rufnamenkurzform wurde das Element -el angefügt, wodurch eine Verkleinerungsform entstanden ist. Die Verkleinerung konnte eine kosende Funktion besitzen oder dazu gedient haben, den Sohn vom Vater zu unterscheiden.

Keuch

Auch der Familienname Keuch lässt schwere Atemleiden erahnen. Handelte es sich beim ersten Namenträger etwa um jemanden, der oft von Keuchhusten geplagt war? Ähnliches ist tatsächlich der Fall: Der Name geht auf das mittelhochdeutsche Wort kichen zurück, das 'keuchen' oder 'schwer atmen' bedeutet. Bei jemandem, der Keuch genannt wurde, handelte es sich um einen Asthmatiker oder jemanden, der aus irgendwelchen Gründen Atembeschwerden hatte und deshalb keuchte. Der Name ist in der Datenbank der Telekom von 2005 57 Mal belegt (entspricht ca. 160 Namenträger_innen). Auch die Varianten Keucher (64 Anschlüsse = ca. 179 Namenträger_innen) und die häufige Verkleinerungsform Keuchel (397 = ca. 1112 Namenträger_innen) gehören zu dieser Bedeutung. Bei dieser diminuierten Form kann der Ursprung in Einzelfällen auch ein anderer sein: Sie kann vom mittelhochdeutschen Wort kiuchel 'Küchlein' abgeleitet sein und als indirekter Berufsname für einen Bäcker gebaucht worden sein. Dieser Name war vor 1945 auch häufig in Ostschlesien zu finden.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/reformationstag/

Reformationstag

Am 31.10. gedenken die evangelischen Christen des Beginns der Reformation. Am Vorabend von Allerheiligen im Jahr 1517 schlug Martin Luther mit Hammer und Nagel seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche - so will es zumindest die Überlieferung. Seine Gedanken zu einer Reformierung der Kirche sollten zunächst zu theologischen Diskussionen anregen, führten aber letztlich zur Spaltung der Konfessionen. In diesem Jahr jährt sich das Ereignis zum 500. Mal, daher richten wir kurz das Augenmerk auf Namen, die so aussehen, als ob sie etwas mit den Geschehnissen zu tun haben könnten. Aber steckt tatsächlich Luther hinter den Namen Thesenwitz, Nagler und Lutherbüse? Nannten sich besonders romtreue Katholiken etwa Papst oder Ablass?

Lutherbüse

Beim Familiennamen Lutherbüse handelt es sich nicht etwa darum, dass der Namenträger "Buße tat" für begangene Sünden zu Luthers Zeiten, als noch jeder schrieb, wie er es für gut und richtig befand. Mit dem Familiennamen Luther (Luder, Lutter u.ä.) hat der Name nämlich nichts zu tun. Will man einem Namenbuch glauben, handelt es sich beim Namen Lutherbüse um ein westfälisches Dialektwort für Lotterhos, eine Schlotterhose oder Buxe. Es ist sogar überliefert, dass Luthers Unterhosen mit Bändchen innen an den Beinkleidern oder Niederkleidern - wie bei Luther die Hosen noch hießen - angeknüpft waren, damit sie nicht herumschlotterten (Zur Keidung zu Luthers Zeiten). Es gibt noch eine häufigere Schreibvariante des besagten Namens mit Doppel-t für th: Lutterbüse. Die geographische Verteilung dieses Familiennamens in dieser häufiger belegten Schreibung findet sich bezeichnenderweise entlang und in der Nähe von Flüssen namens Lutter - einem recht häufigen Fluss- oder Bachnamen - wie z. B. an der Weser-Lutter oder Ems-Lutter, an deren Verlauf sich auf der Karte auch eine deutliche Konzentration dieses Namens abzeichnet. Es wäre nun möglich, dass es sich bei dem Familiennamen um eine Zusammensetzung des Flussnamens mit dem mittelniederdeutschen Wort Buse/Büse 'Fischerboot' handelt.

Thesenwitz

"Kommt Luther an die Schlosskirche von Wittenberg ..." So könnte ein guter Thesenwitz anfangen. Aber warum heißt jemand Thesenwitz? Weil er Luthers 95 Thesen verspottete? Wohl kaum, zumal die Bildung der Familiennamen zu Luthers Zeiten schon so gut wie abgeschlossen war. Der Familienname Thesenwitz hat einen weit weltlicheren Ursprung. Er geht nämlich auf den Ort Thesenvitz zurück, der heute Stadtteil von Bergen auf Rügen ist. Der erste Namenträger wurde nach seiner Herkunft aus diesem Ort benannt. Thesenwitz ist mit fünf Telefonanschlüssen (ca. 15 Namenträger_innen) ein recht seltener Name. Aber es gibt noch zahlreiche Varianten wie Tesenwitz, Thesenfitz oder Thessenvitz. Die häufigste davon, Thesenvitz, folgt der heutigen Schreibung des Siedlungsnamens und weist 116 Telefonanschlüsse auf.

Nagler

Seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel soll Martin Luther mit Nägeln an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg geschlagen haben. War er deshalb ein Nagler? In Deutschland tragen etwa 3324 Personen (errechnet aus 1187 Telefonanschlüssen) diesen Namen. Er geht auf das mittelhochdeutsche Wort nageler zurück und bezeichnet den Beruf des Nagelschmieds. In glühender Hitze fertigten Nagler Eisen- und Stahlnägel - täglich zwischen 500 und 4000 Stück. Um 1900 verschwand dieses Gewerbe und wurde durch die mechanische Herstellung von Nägeln ersetzt, so dass es seit etwa 1950 keine Nagelschmiede mehr gibt. Nageler (58 Anschlüsse mit 162 Namenträger_innen), Nägler (243 Anschlüsse mit 680 Namenträger_innen) und Nägeler (85 Anschlüsse mit 238 Namenträger_innen) sind seltenere Varianten dieses Familiennamens.

Papst

Sind Träger_innen des Familiennamens Papst etwa Nachfahren mittelalterlicher Päpste? Dann gäbe es ca. 1450 Personen in Deutschland (errechnet aus 482 Telefonanschlüssen), die sich auf einen klerikalen Vorfahren berufen können! Allerdings gibt es eine andere Erklärung für die Entstehung des Namens. Es ist davon auszugehen, dass die ersten Namenträger für ihr besonders würdevolles, päpstliches Verhalten bekannt waren. Genauso kann der Name auch ironisch gemeint gewesen sein und auf besonders unchristliches, selbstherrliches Verhalten anspielen. Auch denkbar ist, dass der erste Namenträger ein ehemaliger Kleriker war, der hoch hinaus wollte, und von zynischen Mitmenschen seinen Namen erhielt. Der Name geht zurück auf das mittelhochdeutsche Wort babes, babst, 'Papst'. Pabst mit ca. 10200 Namensträger_innen (3400 Telefonanschlüssen) ist die deutlich häufigere Schreibvariante. Nicht unerheblich ist auch die Anzahl des Namens Babst mit ca. 570 Namenträger_innen (190 Telefonanschlüsse).

Ablass

Mit der Kritik am Ablasshandel fing alles an: In seinen 95 Thesen richtete sich Martin Luther in einem Brief an den Mainzer Erzbischof Albrecht von Brandenburg "wider das Ablas". Gemeint war das Freikaufen der Seele von begangenen Sünden durch Geld, während Luther mit Berufung auf die Bibel davon überzeugt war, dass ein Sündenerlass allein durch die Gnade Gottes gewährt werden könne. Der von der Kirche betriebene Handel mit Ablassbriefen war in seinen Augen völlig wirkungslos für die Gläubigen und hielt diese sogar davon ab, Gott um wahre Vergebung zu bitten, diente also bloß der Kirche als Einnahmequelle. Die einzige Konsequenz für den Reformator: Der Ablass musste abgeschafft werden. In Deutschland jedoch hält er sich bis heute in zwei Schreibvarianten als Familienname: Je rund 90 Menschen tragen den Familiennamen Ablass oder Ablaß (32 Telefonanschlüssen). Diese Familiennamen sind jedoch nicht auf die Reformation zurückzuführen. Als abelaz wurde im Mittelhochdeutschen ein Wasserabfluss bzw. eine Schleuse bezeichnet. Die ersten Träger_innen dieses Namens wohnten wahrscheinlich an einer Stelle an einem Fluss oder an einem Bach, an der der Wasserstand reguliert werden konnte.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/game-of-thrones/

Der Winter naht!

Das ist der Wahlspruch des Hauses Stark, einer mächtigen Adelsfamilie des Kontinents Westeros. Die Adels- und Herrscherhäuser von Westeros verstricken sich in einen zähen Kampf um Macht und Einfluss, während die kleinen Leute ums Überleben ringen und ihre Welt von einer unheimlichen Bedrohung heimgesucht wird. Wer am Ende auf dem Thron sitzt, wer überleben wird und ob sich die Situation doch noch zum Besseren wendet, beschäftigt Tausende von Fans des amerikanischen Schriftstellers George Raymond Richard Martin, der am 20. September 1948 geboren wurde. 1996 erschien der erste Band des vielbändigen Epos "A Song of Ice and Fire", heute besser bekannt unter dem Namen der Verfilmung als "Game of Thrones". Während weltweit die Fans händeringend und sehr gespannt auf die abschließenden Bände und die letzte Staffel der Verfilmung warten, möchten wir ihnen die Zeit mit einem Namenspecial verkürzen, das sich unserer liebsten Helden annimmt.

Fortsetzung folgt!

Stark

Das Haus Stark von Winterfell gehört zunächst den mächtigsten Adelsgeschlechtern der Sieben Königslande und zeichnet sich durch seine unerschütterliche Loyalität aus. Doch ist es wirklich so widerstandfähig, wie der Name vermuten lässt? In Deutschland tragen rund 26.032 Personen (errechnet aus 9.297 Telefonanschlüssen) den Familiennamen Stark. Er geht auf mittelhochdeutsch starc, starke bzw. mittelniederdeutsch stark 'stark, gewaltig, fest' und beschreibt einen besonders starken, tapferen oder kräftigen Menschen. Gleichzeitig kann der Name aber auch als Kurzform zu einem älteren Rufnamen entstanden sein, der das Namenglied -stark- enthielt. Dies war beispielsweise bei Rufnamen wie Starcfrid der Fall, der sich aus den althochdeutschen Gliedern starc 'stark' und fridu 'Friede' zusammensetzte.

Schnee

Ungefähr 1.970 Menschen in Deutschland tragen den Familiennamen Schnee. Anders als in den Sieben Königslanden, in denen nur uneheliche Kinder aus dem Norden diesen Namen erhalten, verweist der Name bei uns auf das Aussehen, die Herkunft oder den Wohnort der ersten Namenträger: Einerseits kann dieser ein Mensch mit weißem Haar gewesen sein. Andererseits könnte jemand gemeint sein, der aus einem Ort namens Schnee, Klein Schneen, Großschneen o. ä. stammte. Der Name geht eventuell aber auch auf das mittelniederdeutsche Wort snede zurück, das 'Schneise, in den Wald geschlagener Weg' bedeutete. Da solche Schneisen häufiger als Grenze zwischen zwei Gemarkungen dienten, erhielt der Begriff allmählich allgemein die Bedeutung 'Grenze'. So kann auch jemand gemeint gewesen sein, der an einer Siedlungsgrenze oder der Grenze eines Herrschaftsgebiets wohnte - passend zu unserer Romanfigur Jon Schnee, der das Schwarz anlegt, um an nördlichen Grenze der Sieben Königslande den Rest seines Lebens als Wächter auf der Mauer zu verbringen.

Sewert

Sir Davos Seewert, genannt der Zwiebelritter, stammt aus ärmlichen Verhältnissen. Aus dem Flohloch genannten Armenviertel der Hauptstadt arbeitet er sich zum Berater von Königen empor und es zeigt sich, dass auf den vernunftgeleiteten Ratschlag des ehemaligen Schmugglers stets Verlass ist. Für Seewert gibt es keinen Treffer, aber Sewert ist mit 16 Telefonanschlüssen (das entspricht ca. 45 Namenträger_innen) als Familienname in Deutschland belegt. Es handelt sich um eine zusammengezogene Form des Rufnamens Siegwart (> Sewart > Sewert) oder Siegfried (> Sefert > Sewert). Die Rufnamen basieren auf den Namengliedern althochdeutsch sigu, altsächsisch *sigi 'Sieg' und althochdeutsch wart, altsächsisch ward 'Hüter, Wart' bzw. althochdeutsch fridu, altsächsisch frithu, frethu 'Friede'. Ob sich der Name als prophetisch erweist oder sogar einen Hinweis auf die zukünftigen Entwicklungen des Fantasy-Epos verbirgt, muss allerdings offen bleiben.

Frey

Alles andere als frei ist der Weg für das Heer von Robb Stark nach Königsmund. Schließlich gilt es in der Eng den Trident zu überqueren, doch die einzige Brücke kontrolliert das Haus Frey vom Kreuzweg. Und seit Hunderten von Jahren versäumen es die Freys nicht, ihren Wegzoll einzutreiben. Auch Robb Stark zahlt seinen Preis, um die Brücke zu passieren: Er soll eine der Töchter von Lord Walder Frey heiraten und sich damit in eine Abhängigkeit begeben, die einem typischen Träger dieses Familiennamens seiner Etymologie nach eigentlich nicht innewohnt. Bei dem Familiennamen Frey handelt es sich um eine vor allem im Südwesten Deutschlands verbreitete Namenvariante, die mit ca. 11.000 Namenträger_innen belegt ist. Auch bei den freiheitsliebenden Schweizern ist der Name sehr beliebt. Er geht zurück auf mittelhochdeutsch vri, vrie 'frei, ledig, nicht gebunden oder gefangen, frei von Sorgen, unbekümmert' und steht für jemanden, der - im Gegensatz zum Hörigen - frei von Abgaben und Leibeigenschaft ist, also etwa einen freien Bauern. In seltenen Fällen ist auch eine Deutung nach der Persönlichkeit des ursprünglichen Namenträgers als sorgloser und ausgelassener Mensch möglich.

Bolton

Die Angehörigen des Hauses Bolton können recht unangenehme Zeitgenossen sein, vor allem, wenn sie ihr Wappen (das einen gehäuteten Mann zeigt) und ihren Wahlspruch ("Unsere Klingen sind scharf") ernst nehmen. Der Familienname Bolton weist in Deutschland ca. 90 Namenträger_innen auf. In Großbritannien tragen dagegen 15.838 und in den USA 32.815 Personen diesen Familiennamen. Er geht auf gleichlautende Örtlichkeitsnamen in Nordengland (besonders in Lancashire) zurück, die altenglisch bolð 'Behausung' und tun 'Einhegung, Ansiedlung' enthalten.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/herr-der-ringe/

Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden,...

...ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden. So lautet die düstere Inschrift des magischen Rings, der die Bewohner von Mittelerde in Versuchung führt, den dunklen Mächten zu erliegen. Am 2. September 1973 verstarb der englische Schriftsteller John Ronald Reuel Tolkien, der Erfinder der fantastischen Welt von Mittelerde und der Saga vom Herrn der Ringe. Tolkien studierte unter anderem Vergleichende Sprachwissenschaft in Oxford und war später auch Professor für englische Sprache an seiner Heimatuniversität. Schon in jungen Jahren begeistert von Sprachen und Mythologien entwickelte er eine der Phantasie entsprungene Welt samt unterschiedlicher Sprachen und Lebewesen. Mit seinem Werk rund um den Ring der Macht und die Geschichte des kleinen Hobbits wurde er zu einem der Begründer eines eigenen Literaturgenres, der Fantasyliteratur. Da auch die Mainzer Namenforscher_innen Fans der Elben, Hobbits und Orks sind, widmen wir Tolkien das heutige Namenspecial. Bevor wir in die Welt von Mittelerde eintauchen, noch kurz etwas zum Familiennamen Tolkien (mit den Schreibweisen Tollkien, Tollkiehn, Tollkühn): Die Vorfahren Tolkiens stammen aus dem niedersächsischen Raum und wanderten wohl im 18. Jahrhundert nach England aus, daher kann der Name auf mittelniederdeutsch dol 'toll, vermessen' und mittelniederdeutsch kone 'dreist, dumm' zurückgehen, aus denen das neuhochdeutsche Wort tollkühn entstand. Für Namenträger_innen mit Vorfahren aus Ostpreußen kommen Siedlungsnamen wie Tukin/Tolken oder Tolkynen in Frage.

Herr

Darüber, wer der wahre Herr der Ringe ist, lässt sich vortrefflich streiten: Ist es Sauron als Erschaffer der Ringe der Macht? Oder ist es der Eine Ring als Gebieter über alle anderen Ringe? Ebenso wäre möglich, dass ein Ringträger gemeint ist, der der Macht des Einen Rings widerstehen kann. Auch bei der Deutung des Familiennamens Herr, der heute ca. 9000 Namenträger_innen in Deutschland hat, gibt es mehrere Erklärungsmöglichkeiten: Einerseits kann sich der Familienname Herr aus Rufnamen entwickelt haben, die das Namenglied -her- , ahd. hari 'Heer' enthielten, z.B. Herwig oder Diether. Andererseits kann es sich um die Beschreibung eines Dienst- oder Abhängigkeitsverhältnisses handeln, jemand wurde also danach benannt, dass er im Dienste eines Grund- oder Lehnsherrn stand oder aber dieser Grund- oder Lehnsherr war. Letztendlich ist diese letzte Deutung auch als ironische Variante möglich: Jemand, der sich trotz seiner Armut aufführte wie ein reicher Herr, erhielt diesen Namen.

Ring

Heimlich in den Feuern von Mordor geschmiedet, ist sein Schicksal unwiderruflich mit dem seines Schöpfers verbunden: der Eine Ring. Derzeit weilen rund 6345 Ring-(Namen-)Träger unter uns (errechnet aus 2266 Telefonanschlüssen). Der Name geht hauptsächlich auf mittelhochdeutsch rinc, ring 'Ring' zurück und bezeichnete einen Ringmacher, also einen Schmied oder jemanden, der einen auffälligen Ring trug. In selteneren Fällen entspringt der Name dem mittelhochdeutschen Wort ring(e) 'leicht, klein, behände' und beschrieb einen Menschen, der unbeschwert, aber auch leichtsinnig handelte. Ferner konnte der Namenträger anhand der Wohnstätte lokalisiert werden. In diesem Fall war jemand gemeint, der an einer runden Stätte, z. B. an einem Marktplatz wohnte. Es bleibt zu hoffen, dass die Träger des Namens Ring nicht so sehr mit ihrem Schicksal hadern wie der gebeutelte Hobbit.

Elben

Von großer Erhabenheit sind die unsterblichen Wesen in Mittelerde, die sich in mehrere Völker unterteilen, deren zwei komplexe Sprachen sogar mittels Grammatiken und Wörterbücher erlernt werden können. In ihrer Schrift Tengwar ist die bekannte Inschrift des Einen Rings geschrieben. Die im Süden lebenden ca. 129 Namenträger_innen des Familiennamens Elben (46 Telefonanschlüsse) haben jedoch keine mystischen Vorfahren, sondern vermutlich hessische: Der Familienname leitet sich vom Siedlungsnamen Elben (eingemeindet in Elbenberg, jetzt Stadtteil von Naumburg, Landkreis Kassel) ab und gelangte in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges bis an den Bodensee, wo er heute am meisten verbreitet ist. In Einzelfällen kann es sich auch um eine Bildung nach einem Vatersnamen (Patronym) wie Albin handeln.

Pippin

Man muss ihn einfach gern haben, denn Lacher und gute Laune sind vorprogrammiert bei Frodo Beutlins jungem und etwas tollpatschigem Vetter Pippin. Der sympathische Hobbit beweist auf seiner langen Reise wahre Größe und entwickelt sich von einem unerfahrenen Jungen zu einem mutigen, großherzigen Hobbit. Sein Rufname ist eine Koseform seines eigentlichen Namens, Peregrin, der aus dem Lateinischen stammt, wo er soviel wie 'Fremder' oder 'Reisender' bedeutet (vgl. englisch pilgrim). Wie bei den meisten seiner Namen griff Tolkien auch bei Pippin auf einen realen Namen zurück, denn tatsächlich kann der Familienname Pippin auf historische Rufnamen zurückgehen. Pippin war z.B. der Name vieler karolingischer Herrscher im mittelalterlichen Frankenreich, der sogenannten Pippiniden, so z.B. Pippin der Jüngere, Vater Karls des Großen. Dort ist er auf eine germanische Wurzel bib- zurückzuführen. Es kann sich auch um eine Kurzform des deutschen Rufnamens Bitbert handeln, der auf die Namenglieder althochdeutsch bitan 'aushalten; hoffen' und althochdeutsch beraht, altsächsisch berht 'hell, glänzend' zurückgeht. Aufgrund der häufigen Vorkommen in Bayern ist es auch möglich, dass die ersten Träger des Familiennamens nach ihrer Herkunft aus einer Siedlung mit dem Namen Pipping, einem Stadtteil von München, benannt wurden, der mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls auf den Rufnamen zurückgeht. Der Familienname Pippin ist äußerst selten und belegt mit 5 Telefonanschlüssen im Jahre 2005 (ca. 15 Namenträger_innen) Rang 294426 in der Liste der deutschen Familiennamen.

Gollum

Das Wesen Gollum ist der Macht des Rings verfallen, den er jahrelang mit sich herumträgt, und kann an nichts mehr anderes als an seinen "Schatz" denken. Seine Gier nach dem Ring macht ihn zu einer zentralen, wenn auch zwiespältigen Figur in den Geschichten von Tolkien. Ob der Autor wusste, dass der Familienname Gollum existiert, ist nicht bekannt. In Deutschland finden sich 16 Telefonanschlüsse (das entpricht ca. 45 Namenträger_innen). Der Name selbst ist noch nicht ausreichend gedeutet. Ein Vorschlag führt ihn auf den Siedlungsnamen Golm zurück (Brandenburg, Mecklenburg, Pommern). Eine andere Spur könnte nach Polen führen. Die Familiennamen Golomb, Golombek, Golumbeck gehen zurück auf polnisch golab 'Taube' bzw. golabek 'Täubchen'. Eventuell kann auch eine Eindeutschung des französischen Familiennamens Colombe dahinterstecken. Dieser geht auf den gleichlautenden Rufnamen zurück, der an die heilige Columba erinnert. Dem in Frankreich beliebten Rufnamen liegt letztendlich auch das lateinische Wort für Taube zugrunde.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/zauberei/

Wie aus Zauberhand....

...erscheint heute ein besonderes Namenspecial. Am heutigen Tag hat einer der berühmtesten Zauberlehrlinge der Weltliteratur Geburtstag (er wird 37), zusammen mit seiner Erfinderin, der englischen Autorin Joanne K. Rowling. Die Mainzer Namenforscher_innen gratulieren mit einem zauberhaften Namenspecial. Dafür haben wir den Zauberstab geschwungen und Namen einiger Romanfiguren und -örtlichkeiten als Familiennamen wiedergefunden und erklärt.

Kessel

Natürlich sollte sich ein Zauberlehrling schon frühzeitig darin üben, für jede Situation einen passenden Zaubertrank brauen zu können. Mit größter Sorgfalt sammelt er die erlesenen Zutaten, um sie anschließend in einem großen Kessel zuzubereiten. Doch woher kommt der Name Kessel, den in Deutschland etwa 5283 Personen (errechnet aus 1887 Telefonanschlüssen) tragen? Der Familienname ist aus mittelhochdeutsch ke??el 'Kessel' entstanden und meint in den meisten Fällen einen Berufsnamen für einen Kessel- oder Kupferschmied, der metallenes Kochgeschirr herstellt. Kessel verbreitete sich aber auch als Wohnstättenname für jemanden, der in einer kesselförmigen Bodenvertiefung oder auch Senke wohnte. Kessler (16806 Namenträger_innen bei 6002 Telefonanschlüssen) und Kesseler (809 Namenträger_innen bei 289 Telefonanschlüssen) sind Varianten von Kessel.

Winkel

Ohne die richtige Ausstattung kommt man auf keiner Zauberschule weit - ob Zauberstab, Schuluniform oder Kupferkessel, alles, was das Zaubererherz begehrt, findet der kundige Zauberer bzw. die kundige Hexe in einer verborgenen Londoner Gasse voller Winkel. Dieser Gasse sehr ähnlich dürfte der Wohnort des ersten Trägers des Familiennamens Winkel ausgesehen haben, der heute ca. 6770 Namenträger_innen (das entspricht 2418 Telefonanschlüssen) hat: Der Name bezeichnete eine Wohnstätte, die abgelegen oder in einer Ecke verborgen lag. Im Niederdeutschen und Niederländischen entwickelte sich in der Folge für das Wort Winkel über die Bedeutung 'Hausecke' auch die Bedeutung 'Kramladen', die sich noch im Wort Winkelkrämer erhalten hat. In Einzelfällen kann sich Winkel auch als Herkunftsname auf den gleichlautenden Siedlungsnamen im Odenwald beziehen.

Severus

Natürlich darf in der Welt unseres Zauberlehrlings ein finsterer und geheimnisvoller Rivale nicht fehlen. Denn ohne ihn wäre sein Zauberschulalltag nur halb so interessant. Der Rufname Severus ist treffend gewählt, heißt doch das lateinische Adjektiv severus übersetzt 'streng, ernsthaft'. Mit nur rund 17 Namenträgern (errechnet aus 6 Telefonanschlüssen) ist der Familienname Severus äußerst selten und belegt Rang 250093 in der Liste der deutschen Familiennamen. Tatsächlich geht der Name auch auf den gleichlautenden Rufnamen zurück, d.h. ein Sohn bekam den Namen des Vaters als Namenzusatz, um ihn besser identifizieren zu können. Der wichtigste Einfluss zur Vergabe dieses Rufnamens war der heilige Severus von Ravenna, der Schutzpatron der Weber, der der Legende nach als einfacher Wollweber durch ein göttliches Zeichen zum Bischof gewählt wurde. Sein Sarkophag befindet sich in der Severikirche in Erfurt. Häufigere Familiennamen, die zum Rufnamen Severus zu stellen sind, sind Sever (ca. 771 Namenträger errechnet aus 266 Telefonanschlüssen), Wehres (ca. 284 Namenträger errechnet aus 98 Anschlüssen), Vehres (ca. 73 Namenträger errechnet aus 25 Anschlüssen) und Verres (ca. 46 Namenträger errechnet aus 16 Anschlüssen).

Albus

Mit der Überlegenheit seiner Zauberkunst und seiner unerschütterlichen Gelassenheit ist der Schulleiter der Zauberschule eine der wichtigsten Personen im Umfeld unseres Jungzauberers. Immer wieder erklärt der weise Mann dem unerfahrerenen Zauberlehrling und seinen Fans die Welt der Zauberei, rettet ihn aus den ausweglosesten Situationen. Sein Tod löste eine Welle der Verzweiflung bei den Leserinnen und Lesern aus, denn nun schien der Vormarsch des Bösen unaufhaltsam. Selbst in die deutschen Familiennamen hat sich der große Zauberer anscheinend hineingezaubert, denn den Familiennamen Albus tragen in Deutschland etwa 1694 Menschen (605 Telefonanschlüsse). Und diese haben mit dem Zaubermeister tatsächlich eine Gemeinsamkeit: Albus ist die Latinisierung von deutschen Familiennamen wie Weiß, Weiss. Anders als der Schulleiter, dessen Haare und Bart in den Romanen grau, fast weiß sind, waren die Vorfahren der Träger des Familiennamens Albus jedoch nicht früh ergraut, sondern sie hatten helles, blondes Haar. Das Wort blond, das diese Haarfarbe heute bezeichnet, wurde hingegen erst im 17. Jahrhundert aus dem Französischen entlehnt.

Krumbein

Alle angehenden jungen Zauberer bringen ein Haustier mit in die Zauberschule, sei es eine Eule oder eine Kröte. Die beste Freundin unseres Zauberlehrlings besitzt einen Kater, der wohl nach kurzen, krummen Beinen benannt wurde. Rund 1016 Namenträger_innen in Deutschland (ergibt sich aus 363 Telefonanschlüssen) teilen sich den Namen mit dem kätzischen Haustier: Krumbein. Daneben gibt es noch Krummbein mit 14 Telefonschlüssen (entspricht ca. 38 Namenträger_innen) und Krumpein mit 10 Telefonschlüssen (entspricht ca. 28 Namenträger_innen). Auch hier ist ein körperliches Merkmal, nämlich krumme, schief gewachsene Beine, ausschlaggebend gewesen.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/maerchen/

Es war einmal...

...ein unermüdliches Brüderpaar, das unzählige Märchen sammelte. Einer der Brüder, Wilhelm, wurde am 24. Februar 1786 in Hanau geboren. Zusammen mit dem älteren Jacob wurde er vor allem mit der Sammlung der Kinder- und Hausmärchen berühmt. Aber sie wurden mit dem Deutschen Wörterbuch und anderen sprachwissenschaftlichen Werken auch zu Begründern der modernen Germanistik. Vor allem die Namenforschung hatte es Jacob Grimm angetan: Für ihn waren Namen wie Spiegel in vergangene Zeiten.

Der Familienname der Brüder kann auf einen grimmigen, zornigen ersten Namenträger, aber auch auf die Herkunft aus Orten namens Grimm, Grimme, Grimma hinweisen oder eine Kurzform zu Rufnamen wie Grimoald, Grimhard oder Grimhild darstellen.

In den Grimm'schen Märchen begegnen wir Zwergen, Königen oder dem bösen Wolf, allerdings keinen Einhörnern. Im Mittelalter waren die Fabeltiere Symbole des Guten, Reinen, Unschuldigen, wurden aber als durchaus real angesehen. Sie tauchten sogar in Reisebeschreibungen auf. Erst später kommt das Einhorn als Inventar märchenhafter, fantastischer Erzählungen hinzu. In unserem märchenhaften Namenspecial dürfen sie deshalb nicht fehlen.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

König

Fast jedes Märchen braucht einen König, der das fabelhafte Reich regiert. Den Namen König tragen in Deutschland etwa 93.290 Personen (errechnet aus 33.318 Telefonanschlüssen). Er bildet somit Rang 38 der häufigsten Familiennamen in Deutschland. König geht auf das Mittelhochdeutsche künic, künec, konig, kong, koning, kuning 'König, aus königlichem Geblüt stammend' zurück. Natürlich war damit kein echter König gemeint - vielmehr bezeichnet der Name in erster Linie jemanden, der sich durch herausragende Leistungen Ruhm verschafft oder sich besonders vornehm, königlich oder herrisch verhält. Auch ein (Laien-)Darsteller, der im Volksschauspiel einen König verkörpert, kommt als Ursprung in Frage. Darüber hinaus kann mit König auch ein Berufsname gemeint sein, der jemanden beschreibt, der im Dienst eines Königs steht, ein Königsgut bewirtschaftet oder der Anführer einer Zunft oder Berufsgruppe ist.

Zwerger

Oft begegnen in Märchen auch kleine Männer mit Zipfelmütze und Vollbart: Die Zwerge. Sie sind sowohl freundlich gesinnte Helfer wie bei Schneewittchen als auch tückische Gegner der Helden wie bei Rumpelstilzchen. Doch hat auch der Familienname Zwerger etwas mit diesen kleinen Wesen zu tun? Tatsächlich leitet sich der Name aus dem mittelhochdeutschen Wort twerch 'schräg, quer' ab und beschreibt die Wohnstätte des Namenträgers. Ein Zwerger war also jemand, der an einer schiefen Ebene oder einer gebirgigen Stelle wohnte. In Einzelfällen kann der Name auch aus dem mittelhochdeutschen Wort twergen 'schief gehen' stammen und jemanden bezeichnen, der humpelt und somit eine schiefe, ungleiche Gangart hat. In Deutschland teilen sich etwa 940 NamenträgerInnen (errechnet aus 336 Telefonanschlüssen) den Familiennamen Zwerger, wobei die meisten Belege in Bayern zu finden sind.

Wolf

Der böse Wolf, der das Rotkäppchen und die Großmutter frisst, jagt den meisten jungen Märchenlesern einen Schrecken ein. Der Familienname Wolf ist nicht selten: Er steht auf Platz 16 der Rangliste deutscher Familienname, die Variante Wolff auf Platz 100. Der Familienname geht auf beliebte Rufnamen zurück, die mit dem althochdeutschen Namenglied wolf 'Wolf' gebildet wurden, wie Wolfgang oder Wolfram. Allerdings kann es sich auch um einen Übernamen nach einer Charaktereigenschaft handeln. Im direkten Vergleich mit dem Tier steht er für einen gierigen und gefährlichen Menschen.

Einhorn

Das Vorkommen des Familiennamens Einhorn (199 Telefonanschlüsse) weist leider nicht darauf hin, dass diese Geschöpfe im Mittelalter real existierten - allerdings waren die Tiere besonders beliebt als Motive auf Hauszeichen, die der Kennzeichnung von Gebäuden dienten. Aus diesen Hauszeichen haben sich oftmals Häusernamen entwickelt, so etwa im Fall des Hauses zume Einhorne in Worms, das 1336 bezeugt ist. Besonders beliebt waren Fabelwesen wie das Einhorn auch als Bestandteile von Apothekennamen. Aus diesen Haus- und Apothekennamen haben sich schließlich Familiennamen entwickelt, oft als Benennung eines Besitzers oder Bewohners. Bezeugt ist zum Beispiel ein Hans Eingehürn, Bürgermeister zu Nördlingen, im Jahr 1456.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/herbst/

Der Herbstwald raschelt um mich her

...ein unabsehbar Blättermeer. So beginnt ein Herbstgedicht von Christian Morgenstern. Die Zeit der Weinlese, des Drachensteigens und der bunten Blätter steht bevor. Der meteorologische Herbstanfang fällt auf den 1. September. Bis zum astronomischen Herbstbeginn, dem Herbst-Äquinoktium, haben wir noch Zeit bis zum 22. September. Die Tage werden spürbar kürzer und kühler. Für unsere Vorfahren war der Herbst eine wichtige Jahreszeit, in der die Ernte eingeholt wurde und die lebensnotwendigen Vorräte für den Winter angelegt werden mussten. Über 20.000 Personen in Deutschland tragen den Familiennamen Herbst, der sich auf den Geburtstermin oder Zins- und Dienstverpflichtungen bezieht. Aber auch andere Familiennamen, wie Herbstritt, Eichenlaub, Drache und Kühlewind erinnern uns an die dritte Jahreszeit.

Herbstritt

Nach einem romantischen Ausritt durch bunte Blätter in der goldenen Oktobersonne klingt der Familienname Herbstritt, den in Deutschland etwa 475 Personen tragen (170 Telefonanschlüsse). Waren die ersten Namenträger also Liebhaber harmonischer Augenblicke auf dem Pferd, wie sie uns heute vor allem in Hollywood-Filmen gezeigt werden? Die historischen Belege zeichnen ein viel weniger friedliebendes Bild des Namenursprungs: Schon 1256 ist in Basel ein her Rudolf Hebstrit erwähnt. Der Name geht zurück auf die Bestandteile mittelhochdeutsch heben, anheben 'beginnen' und mittelhochdeutsch strit 'Streit, Kampf'. Derjenige, der so benannt wurde, war also bekannt dafür, dass er schnell handfeste Streitigkeiten vom Zaun brach. Über die Jahrhunderte wurde der Name verändert und sein Sinn umgedeutet (Volksetymologie). So wurde insbesondere im Raum Freiburg gelegentlich aus Hebstrit die Form Herbstritt. Die häufigere Variante Hebestreit kommt in Deutschland rund 2000 mal vor (715 Telefonanschlüsse) und ist insbesondere in Mitteldeutschland anzutreffen.

Eichen-, Linden- und Espenlaub

Sichtbares Kennzeichen des Herbsts sind in unseren Breiten die schön gefärbten Blätter der Laubbäume. Die Bäume beugen mit dem Abfall des Laubes dem Vertrocknen im Winter vor und stellen schon vorher die Produktion des Blattgrüns (= Chlorophyll) ein, dadurch werden andere Stoffe sichtbar, die die rote, orangene oder gelbe Einfärbung verursachen, die dann die Herbstlandschaft bei Sonnenschein erstrahlen lässt. Das Laub beliebter, häufiger oder auffälliger Baumarten begegnet uns in einigen Familiennamen. Das Laub der Eiche war seit jeher Zeichen souveräner Macht und zierte als Kranz göttliche und königliche Häupter. Noch heute ziert es viele Ehrenabzeichen und Orden. Schließlich hatten wir alle es schon in der Hand, denn es ist auf den deutschen Euromünzen zu sehen. Die Dorflinde war als Gerichts-, Versammlung oder Tanzbaum allgegenwärtig. Das Laub der Espe oder Zitterpappel bewegt sich schon beim kleinsten Windhauch, darauf beruht auch die Redewendung "zittern wie Espenlaub". Der Name Eichenlaub kommt konzentriert im Raum Landau vor und ist mit 263 Telefonanschlüssen in unserer Datenbank belegt, das entspricht ca. 736 Namenträger_innen. Der Name Lindenlaub findet sich mit 229 Telefonschlüssen (= ca. 641 Namenträger_innen) häufig im Thüringer Wald, während Espenlaub mit 44 Telefonanschlüssen (rund 123 Namenträger_innen) in Südwestdeutschland verstreut ist. In Familiennamen meint Laub den Wald, das Gehölz. Die Vorfahren der Eichen-, Linden- und Espenlaubs wohnten in der Nähe eines Wäldchens.

Drache

Wenn der Wind stürmischer wird, bevölkern auch bald wieder bunte Segel an langen Leinen den herbstlichen Himmel. Drachen in allen Farben und Formen werden von Groß und Klein steigen gelassen. Seinen Namen erhielt das Spiel- und Sportgerät nach dem chinesischen Flugdrachen, welcher traditionell seinem namengebenden Vorbild nachempfunden wird. Doch woher kommt der Familienname Drache, den in Deutschland etwa 308 Personen (das entspricht 110 Telefonanschlüssen) tragen? Während der Drache in China ein Symbol für Friedfertigkeit ist, war er der westlichen Welt im Mittelalter als feuerspeiendes Ungeheuer bekannt, das durch tapfere Helden bekämpft wurde. Als mächtiges, starkes Fabelwesen wurde es oft auf Wappen abgebildet und war als Hausname beliebt. Die Bewohner wurden nach ihrer Wohnstätte in dem entsprechenden Haus benannt. Möglich wäre aber auch die Benennung nach einem Übernamen. Die Beleidigung (Haus)Drache für einen herrschsüchtigen Menschen ist heute noch bekannt, so dass der Familienname für einen Menschen stehen könnte, dessen Charakter oder Aussehen besonders Furcht einflößend ist.

Kühlewind

Was lässt das Laub fallen und den Drachen steigen? Der kühle Wind. Und auch dafür haben wir den passenden Familiennamen parat. Kühlewind mit seinen 181 Telefonanschlüssen wird flankiert von seinen selteneren Varianten Kühlewindt 13, Kuehlewind 1, Kuhlewind 35, Kühlwind 2, Külewindt 1 und Kühlenwind 1. Der erste Namenträger wurde entweder nach seiner kühlen und zugigen Wohnumgebung benannt. Oder es ist ein Übername für jemanden, der häufig bei widrigen Wetterbedingungen unterwegs war.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/europameisterschaft/

Der Ball ist rund...

... und das Runde muss ins Eckige. Schon dreht sich alles um das große Fußballereignis des Jahres. Auch in der der Abteilung Namenforschung der Mainzer Akademie stellen sich die Mitarbeiter_innen auf die bevorstehende Europameisterschaft ein und haben, ausgehend von spielbestimmenden Fragen, Familiennamen aufgespürt, die an das Spiel auf dem grünen Rasen erinnern: Wer wird als Gewinner oder Loser vom Platz gehen? Wieso ist der Ball weg? Welcher Spieler tut sich besonders hervor und warum ist eine Ecke immer gefährlich? Aus Sicht der Fußballexpert_innen fallen die Antworten bestimmt anders aus als im Licht der Namendeutung. Was hat es mit den Familiennamen Loser, Ecke, Ballweg und Spieler tatsächlich auf sich?

Spieler

Im Fokus der Fußball-EM stehen natürlich die Spieler. Durch ihre starke Präsenz in den Medien und selbst auf Sammelkarten sind sie bei Jung und Alt bekannt. Die etwa 2237 Namenträger_innen (das entspricht 799 Telefonanschlüssen in der DFD-Datenbank), die sich den Familiennamen Spieler bundesweit teilen, haben jedoch nur im Entferntesten etwas mit dem beliebten Ballsport zu tun. Tatsächlich handelt es sich bei Spieler meist um einen Berufsnamen zu mittelhochdeutsch spilære, spiler für einen Musikanten und fahrenden Sänger. Möglich ist auch ein Übername zu mittelhochdeutsch spilære für Personen, die viel Zeit mit Spielen, früher v.a. mit Würfelspielen verbracht haben. Gelegentlich kann der Name auch eine Zusammenziehung von Spiegler sein, wohinter sich der Berufsname für den Spiegelmacher verbirgt.

Ecke

Wird eine Ecke gepfiffen, beginnt das große Zittern! Meist ergibt sich daraus ja eine gute Torschussmöglichkeit. Den Familiennamen Ecke teilen sich in Deutschland ca. 2741 Personen (bei 852 Telefonanschlüssen). Doch was steckt dahinter? Tatsächlich verbergen sich hinter dem Namen Ecke mehrere Bedeutungen. Zum einen kann es sich um ein Patronym handeln. Das bedeutet, der Rufname des Vaters wurde auf die Nachkommen übertragen. In diesem Fall liegt eine Kurzform des Rufnamens Eckehard zugrunde. Zum anderen kann auch eine Benennung nach der Wohnstätte vorliegen. Bei den vielen Belegen im niederdeutschen Sprachgebiet liegt mittelniederdeutsch eke 'Eiche' zugrunde und bezeichnet jemanden, der bei Eichen wohnte. Bei den Belegen im hochdeutschen Sprachgebiet kann der Familienname Ecke auf eine Wohnstätte zu mittelhochdeutsch ecke 'Ecke, Kante, Winkel' zurückgehen und jemanden bezeichnen, der an einem Geländevorsprung oder am äußersten Ende der Gemarkung wohnte.

Ballweg

Wird eine Situation auf dem Spielfeld brenzlig, schießt ein Spieler den Ball manchmal ins Aus oder wagt einen Torschuss, der sein Ziel weit verfehlt. Dann heißt es erstmal: Der Ball ist weg! Die Balljungs und -mädels sammeln die Irrläufer ein und stellen sofort wieder einen neuen Ball zur Verfügung. War der erste Namenträger des Familiennamens Ballweg auf der Suche nach einem Spielball? Den Namen teilen sich etwa 1025 Namenträger_innen (das entspricht 366 Telefonanschlüssen aus der DFD-Datenbank), die hauptsächlich im Raum Walldürn, Wertheim zu finden sind. Der Name ist eine Zusammensetzung aus mittehochdeutsch enwec 'hinweg, fort' und mittelhochdeutsch balde 'schnell, bald' und bezeichnet wohl einen unsteten Menschen, der heute hier, morgen dort ist, also stets auf Wanderschaft geht. Unsicher ist, ob auch auch der alte Rufname Baldwig dahinter steckt. Als seltene Varianten kommen noch u.a. Baltenweck, Baldeweg vor.

Loser

Einen glücklichen Verlierer wird man in den kommenden Wochen kaum sehen, denn als "Loser", wie die Sieglosen im Englischen bezeichnet werden, möchten die Spieler nicht zurückreisen. Doch halt... in Deutschland sind sie bereits angekommen: Rund 876 Menschen tragen hier den Familiennamen Loser (das entspricht 313 Telefonanschlüssen in der DFD-Datenbank). Ein schlechtes Omen für das Abschneiden von Jogis Jungs? Wohl kaum. Der Familienname Loser häuft sich südöstlich von Stuttgart und lässt sich vermutlich auf mittelhochdeutsch losære 'Lauscher' zurückführen, womit ein Aufpasser gemeint sein kann. Denkbar ist auch eine Herleitung von mittelhochdeutsch losære 'Heuchler, Schmeichler'. In der Schweiz ist dieser Familienname beinahe ebenso häufig vertreten (248 Telefonanschlüsse). Mit der englischen Bezeichnung für einen Verlierer hat der Familienname jedenfalls nichts zu tun.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/fruehling/

Frühling läßt sein blaues Band...

...wieder flattern durch die Lüfte. So begrüßte Eduard Mörike den Frühling in seinem berühmten Gedicht. Heute, zum meteorologischen Frühlingsanfang, wittern wir noch keine Frühlingsluft - es ist doch noch recht kalt. Aber die ersten Frühjahrsboten wie Schneeglöckchen und Krokus blühen schon, so langsam erwacht die Natur aus der Winterruhe. Für Menschen mit Heuschnupfen beginnt jedoch ihre jährliche Plage, denn Erlen und Hasel schicken schon ihre Pollen aus. Allerdings: Die Freude auf einen schönen Lenz kann durch nichts gedämpft werden. Hatten unsere Vorfahren auch des Frühlings Erwachen im Sinn bei den Namen Märzluft, Frühling, Wiedergrün und Pollen?

Frühling

Etwa 1044 Menschen in Deutschland (360 Telefonanschlüsse) tragen den verheißungsvollen Familiennamen Frühling, der an eine positive, frohe Natur des ersten Namenträgers denken lässt. Doch der sprachliche Befund zeigt, dass hier eine Zurückführung auf die Jahreszeit kaum möglich ist, denn das Wort Frühling war in mittelhochdeutscher Zeit, in der die Familiennamen entstanden, nicht gebräuchlich. Diese Jahreszeit hieß im Süden Lenz(e), im Norden Lente. Im größten Teil des deutschen Sprachraums wurde Lenz/Lente in der Neuzeit durch die Bezeichnung Frühjahr abgelöst; nur im schwäbischen Raum sowie in Brandenburg und Sachsen kam hierfür das Wort Frühling auf, das allmählich Eingang in die Standardsprache fand. Der Familienname Frühling jedoch findet sich weit von diesen Gebieten entfernt im Nordwesten des Sprachraums und muss folglich einen anderen Ursprung haben. Er geht zurück auf mittelniederdeutsch vrilinc, womit ein freier Mann im Gegensatz zu einem Leibeigenen bezeichnet wurde. Die ursprünglichere Form Frieling, bei der die Rundung i > ü ausgeblieben ist, findet sich etwas weiter südlich.

Wiedergrün

Durch das mildere Wetter im Frühling erblüht nicht nur unsere Stimmung, auch die Pflanzen beginnen wieder in sattem Grün zu strahlen. Doch die naheliegende Vermutung, wir würden den Familiennamen Wiedergrün diesem jährlichen Wandel der Natur verdanken, ist ein Trugschluss. Die etwa 129 Namenträger/-innen (das entspricht 46 Telefonanschlüssen), die sich den Familiennamen teilen, heißen aus völlig anderem Grund so. Bei Wiedergrün handelt es sich um einen Übernamen zu mittelhochdeutsch widergrin 'Gegenwehr, Gegenbrummen' für jemanden, der sich zu verteidigen weiß. Betrachtet man die historischen Belege, so lässt sich der Name in Freiburg im Breisgau nachweisen: Dort lebte im Jahre 1431 ein Mann namens Peter Widergrin.

Märzluft

Sie ist noch etwas frisch, doch als Frühlingsbote fühlt sie sich mit jedem Sonnenstrahl ein bisschen wärmer an: die Märzluft. Ist auch bei dem gleichlautenden Familiennamen an eine Benennung nach einem weckenden Lüftchen zu denken, das um die Alpen weht, den Schnee langsam zum Schmelzen bringt und die Almen erblühen lässt? Geht man nach der Verteilung dieses Familiennamens, so erscheint diese Deutung passend, denn fast alle der etwa 93 Namenträger/-innen (32 Telefonanschlüsse) leben im Raum München. Vermutlich ist es aber kein heranwehender Frühling, der einst namengebend für diese bayrischen Familien war, sondern ein Urahn mit dem Rufnamen Marzolf (als Familienname verbreitet am Ober- und Mittelrhein). Dieser ist dem lateinischen Namen Marcellus nachgebildet, wobei die zweite Silbe durch das deutsche Rufnamenglied -(w)olf ersetzt wurde. Regional wurde Marzolf zu Merzlof und schließlich volksetymologisch zu Märzluft umgedeutet. Die etwas seltenere Variante Mertzlufft (27 Telefonanschlüsse, rund 78 Namenträger/-innen) ist außer im Raum München vor allem entlang des Rheins von Mannheim bis Germersheim verbreitet.

Pollen

Der Familienname Pollen kommt mit 37 Telefonanschlüssen (= 104 Namenträger/-innen) geballt im Raum Nettetal vor. Allerdings steckt nicht der allergieauslösende Pflanzensamen dahinter. Vielmehr kann es sich um einen Wohnstättennamen handeln zu Boll, Poll 'rundlicher Hügel'. Oder um ein Patronym (der Rufname des Vaters wird zum Familiennamen), das auf Rufnamen mit dem althochdeutschen Element bald 'kühn' (z.B. Leopold, Baldauf) zurückgeht bzw. auf Kurzformen aus den Heiligennamen Apollonius/Apollonia. Die heilige Apollonia ist die Patronin der Zahnärzte und hilft bei Zahnschmerzen, aber nach einer alten Bauernregel spielt ihr Gedenktag (9. Februar) auch eine wichtige Rolle für den Frühlingsbeginn: "Kommt die Jungfrau Apollonia, sind auch bald die Lerchen wieder da".


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/winter/

Leise rieselt der Schnee...

Im Moment schneit es nur in der Vorstellung der Mainzer NamenforscherInnen. Mal schauen, ob uns das Wetter die weiße Pracht beschert. Auf der Suche nach schneelastigen und eisigen Familiennamen wurden wir natürlich sofort fündig. So können wir es uns zumindest in Gedanken mit Schneekönigen und -männern bei frostigen Temperaturen mit einer heißen Schneemilch gemütlich machen.

Frost

Eis und Schnee sind wunderschön, solange man sich wärmen kann. Ungemütlich kann es werden, wenn die Temperaturen unter Null sinken und der Frost einsetzt. Diesem unglücklichen Umstand verdanken wir den Familiennamen Frost. Etwa 5096 NamenträgerInnen (= 1820 Telefonanschlüsse) teilen sich diesen Namen. Hervorgegangen ist er aus mittelniederdeutsch und mittelhochdeutsch vrost 'Frost, Kälte' und bezeichnet jemanden, der es nicht warm genug hatte und in der Kälte frieren musste. Gleichzeitig konnte Frost auch bildlich im Sinne von 'Kaltsinn' gebraucht werden und die gleichgültige oder kalte Wesensart des ersten Namenträgers beschreiben.

Schneemilch

Farblich aufeinander abgestimmte Speisen waren in der mittelalterlichen Küche der letzte Schrei. Beliebt war vor allem die Farbe weiß und mit Vorliebe wurden Gerichte mit reinweißen Zutaten zubereitet. Schneemilch, auch Schneemus genannt, war eine aus Milch und Eiweiß bestehende Suppe. Möglicherweise war der Vorfahre der rund 290 NamenträgerInnen (das entspricht 100 Telefonanschlüssen) des Familiennamens Schneemilch ein Koch oder ein Feinschmecker mit einer Vorliebe für diese Speise. Es kann sich aber auch um eine Verballhornung von mittelhochdeutsch schlegelmilch, slegemilch, slemilch 'Buttermilch' handeln und einen Milchbauern oder -händler bezeichnen.

Schneemann

Kaum bleibt ein wenig Schnee liegen, zieht es Kinder und jung gebliebene Erwachsene mit Karotten und Kohlestückchen nach draußen - der Bau eines Schneemanns ist und bleibt eine der beliebtesten winterlichen Aktivitäten. Aber ein Schneemann mit Telefonanschluss? Tatsächlich finden sich für den Familiennamen Schneemann 619 Telefonbucheinträge (rund 1730 Personen). Über die Körpertemperatur der Namenträger sagt dies jedoch vermutlich nichts aus: Mittelniederdeutsch snede bezeichnete ursprünglich einen in einen Wald geschlagenen Weg ('Schneise'). Da diese Wege nicht selten als Grenze genutzt wurden, erhielt das niederdeutsche Wort Schnee (mit ausgefallenem -d- zwischen zwei Vokalen) auch allgemein die Bedeutung 'Grenze, Grenzzeichen'. Bei Schneemann handelte es sich demnach häufig um jemanden, der am Rand einer Gemarkung lebte. Für das Hauptverbreitungsgebiet in der Gegend um Göttingen ist eine Herkunft der ersten Namenträger aus Groß bzw. Klein Schneen (Ortsteile der Gemeinde Friedland bei Göttingen) wahrscheinlich. Auch der Siedlungsname Schnee (Stadtteil von Dortmund; Stadtteil von Stade) kann in Einzelfällen namengebend gewesen sein. Allen diesen Siedlungsnamen liegt ebenfalls das Grundwort snede zugrunde. Wenn es also wieder wärmer wird, muss kein Schneemann den Kontakt mit der Sonne fürchten.

Schneekönig

Rund 68 NamenträgerInnen (das entspricht 24 Telefonanschlüssen) tragen den Namen Schneekönig. Die Familiennamenbücher haben ihn, wahrscheinlich wegen seiner Seltenheit, nicht verzeichnet bzw. nicht gedeutet. Allerdings geben Wörterbücher, wie das Deutsche Wörterbuch der Gebrüder Grimm, Auskunft über die Bedeutung: Es handelt sich um eine regionale (besonders in Sachsen und Thüringen) gebräuchliche Bezeichnung für den Zaunkönig, da sich dieser kleine, reizende Vogel auch bei tiefem Schnee blicken läßt und fröhlich umherhüpft und pfeift. Da es sich um ein munteres Kerlchen handelt, bezieht sich wahrscheinlich auch die Redensart "sich freuen wie in Schneekönig" auf den lebhaften Vogel. Der erste Namenträger hatte also seine aufgweckte, muntere Art mit dem kleinen Vögelchen gemeinsam. Schneekönig gilt auch als Spottname für den schwedischen König Gustav Adolf; aber da dieser sich erst nach dem 30jährigen Krieg etabliert hat, nahm diese Interpretation keinen Einfluß auf die Familiennamen.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/nikolaus/

Der Mann mit dem Geschenkesack - Familiennamen zu Nikolaus

Die Gestalt des Nikolaus geht im Wesentlichen auf den heiligen Nikolaus, Bischof von Myra (heute Demre/Türkei), zurück. Um ihn ranken sich zahlreiche Legenden, in deren Mittelpunkt er immer wieder als Wohltäter und Retter von Kindern und jungen Leuten auftritt. Im Mittelalter verbreitete sich die Verehrung des beliebten Heiligen rasant, tausende Kirchen wurden ihm geweiht, er fungierte unter anderem als Schutzpatron der Kinder und Schüler, der Schiffer, Kaufleute und Diebe sowie als Helfer in der Not. Im 16. Jahrhundert tritt die Figur des Nikolaus als Gabenbringer für die Kinder am 6. Dezember auf. Mit der Zeit wuchsen ihm auch erzieherische Aufgaben zu: So konnte er auch mal für die unartigen Kinder die Rute zücken. Für diese Aufgabe wurden ihm auch oft unheimliche Begleiter wie Knecht Ruprecht, Pelznickel oder Krampus zur Seite gestellt. Konkurrenz bekam der heilige Nikolaus in Form des von Martin Luther bevorzugten Christkind - das Geschenkebringen wurde dadurch zunehmend auf die Weihnachtstage verlegt. Eine Wiederbelebung erfuhr er durch den in den USA so populären Santa Claus (abgeleitet vom niederländischen Sinterklaas), dessen typisches Aussehen als wohlbeleibter Mann in später roter Montur, mit Geschenkesack und Rentierschlitten etc. von dem aus Landau in der Pfalz stammenden amerikanischen Karikaturisten Thomas Nast ab 1862 in zahlreichen Variationen bildlich dargestellt wurde. Wer nun wo für die weihnachtlichen Geschenke zuständig ist, zeigt auch eine Karte des Atlas zur deutschen Alltagssprache: Karte Christkind. Ungebrochen ist aber weiterhin die Tradition am Abend vor Nikolaus die Stiefel (oder Hausschuhe) bereitzustellen, in der Hoffnung, dass der Nikolaus kleine Gaben darin versteckt.

Nikolaus in der Namengebung

Die große Beliebtheit des heiligen Nikolaus sorgte dafür, dass der Name einer der häufigsten männlichen Rufnamen im Mittelalter war. In manchen Städten hießen zeitweise bis zu einem Viertel aller Männer Nikolaus. Der Rufname ist griechischen Ursprungs, setzt sich aus den Namengliedern níke 'Sieg' und laós 'Volk' zusammen und wurde in seiner lateinischen Version als Nicolaus ins deutsche Sprachgebiet importiert. Hier wurde er, wie andere fremdsprachige Rufnamen auch, in seiner Lautung und Schreibung an das Deutsche angepasst. Unter den mittelalterlichen Rufnamen im deutschen Sprachgebiet ist Nikolaus wohl derjenige, der die meisten Familiennamen hervorgebracht hat: Rund 1.000 Familiennamen lassen sich auf Nikolaus zurückführen, darunter Nickel, Nietzsche, Klaus, Klaas, Klose. Fast 300.000 Personen tragen in Deutschland einen sicher auf Nikolaus zurückgehenden Familiennamen. Was die Gesamtverbreitung der Familiennamen aus Nikolaus anbe­langt, so finden sie sich in der ganzen Bundesrepublik mit Häufungen in Schleswig-Holstein (hier vor allem Clau(s/ss/ß)en), in Ostfriesland und im Rheinland (hier besonders Clasen, Klassen und Ähnliche) sowie in Ostmitteldeutschland (hier vor allem Nit(z)sch(e), siehe Karte), weniger dicht jedoch in Bayern und Baden-Württemberg sowie in Nordostdeutschland. Zum Weiterlesen: Kathrin Dräger: Familiennamen aus dem Rufnamen Nikolaus in Deutschland. Regensburg: edition vulpes (2013).

Stiefel

Einmal im Jahr gelingt es vielen Eltern, ihre Kinder dazu zu animieren, die Schuhe zu putzen. Denn am Vorabend des Nikolaustages werden traditionell die Schuhe vor die Tür gestellt, damit der Nikolaus sie mit Geschenken befüllt. Stiefel eignen sich besonders gut, denn schon die Kleinen wissen: In höhere Schuhe passt mehr hinein. Sind die Stiefel jedoch nicht ordentlich geputzt, kann am Morgen auch einmal nur ein Stück Kohle darin liegen. Auch in den Familiennamen hat der Stiefel einen festen Platz erhalten: Etwa 2800 Personen in Deutschland heißen Stiefel (989 Telefonanschlüsse), wobei ein Schwerpunkt im Südwesten auffällig ist. Zumeist handelte es sich bei dem ersten Namenträger um einen Schuhmacher. Das Wort Stiefel wurde ab dem 11. Jahrhundert als stival aus französisch estivel, italienisch stivale ('ein den Fuß und den größeren Teil des Unterschenkels bedeckendes Kleidungsstück') entlehnt. Die Entstehung des Brauchs, für den Nikolaus den Stiefel vor die Tür zu stellen, wird häufig mit einer Legende um den heiligen Nikolaus erklärt: Drei Mädchen konnten nicht heiraten, weil ihr Vater zu arm war, um für eine Mitgift aufzukommen. Um sie vor einem drohenden Leben in Prostitution zu bewahren, warf Nikolaus jeder von ihnen in der Nacht ein wertvolles Geschenk durch das Fenster. Später wurden die Geschenke nicht mehr geworfen, sondern heimlich in ein Gefäß gelegt, das jedes Kind hatte: den Stiefel. Zu traditionellen Geschenken wie Nüssen und Dörrobst kamen im vergangenen Jahrhundert Schokolade und manchmal sogar ein kleines Spielzeug hinzu.

Sack

Der Geschenkesack ist ja das wichtigste Accessoire des Nikolaus/Weihnachtsmanns und sein Inhalt wird ja jedes Jahr mit Spannung erwartet. In Deutschland tragen ca. 6132 Personen den Familiennamen Sack (das sind 2190 Telefonanschlüsse) und ca. 2190 den Namen Sackmann (das sind 782 Telefonanschlüsse). Der Familienname Sack kann vielerlei bedeuten: Zum einen kann er auf den Beruf eines Sackträgers oder -herstellers hinweisen, zum anderen steht er als Übername für einen Menschen mit einem auffälligen Bauch bzw. für etwas abfällig für einen "bösen Sack (= Kerl)". Mittelhochdeutsch sac kann nämlich auch 'Magensack, Bauch, der ganze Körper' bedeuten und für eine Person stehen. Ebenso kommt ein Wohnstättenname in Frage für jemanden, der an einem Flurstück oder in einer Gasse namens Im Sack wohnte. In Flur- und Straßennamen steht Sack für sackförmige Geländestücke, meist mit einem Eingang und keinem Ausgang (wie heute noch in Sackgasse). Und letztendlich kann auch ein Herkunftsname zu gleichnamigen Siedlungen vorliegen. Sackmann wiederum kann zwar als Ableitung zu Sack gehören, allerdings kann sich dahinter auch ein Trossknecht (der den Sack mit Vorräten trägt) oder Räuber (der alles in seinen Sack steckt) verbergen. In Südhessen ist der Sackmann gar ein Schreckgespenst, mit dem man unartigen Kindern droht.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/st-martin/

Mit Lichtern, Gänsen und rotem Mantel - Familiennamen zu St. Martin

Der Martinstag am 11. November geht auf den Hl. Martin von Tours (4. Jh.) zurück. Er war Soldat im römischen Heer und bevor er aus Glaubensgründen aus dem Militärdienst austrat, wurde er durch einen besonderen Akt der Nächstenliebe berühmt. Der Reitersoldat begegnete vor den Stadttoren vom Amiens einem frierenden Bettler. Kurzerhand zerteilte er mit seinem Schwert den prächtigen roten Mantel und übergab das Teilstück dem armen Mann, der niemand anderes als Christus selbst war. Später wurde Martin Bischof von Tours, da er aber bescheiden war, wollte er die Wahl nicht annehmen und versteckte sich. Eine Schar schnatternder Gänse verriet ihn, so die Legende. Der Hl. Martin wurde schnell zum Schutzheiligen des fränkischen Reichs und wurde vor allem in Frankreich und den rheinischen Gebieten Deutschlands verehrt. Er ist auch Patron des Mainzer Doms und Bistums. In vielen Gegenden finden ihm zu Ehren Martinsumzüge statt, bei denen Kinder singend mit Laternen und oft von einem als römischer Soldat gekleideten St. Martin begleitet durch die Straßen ziehen. In evangelischen Gebieten werden die Umzüge auch zu Ehren Martin Luthers (der am 11.11. Namenstag hat) abgehalten. Der 11.11. ist im Rheinland nicht nur der Beginn der Fastnachtssession, er ist auch Beginn der 40-tägigen Fastenzeit vor Weihnachten. Für unsere Vorfahren ein Grund, noch mal so richtig zu schlemmen, bevor magere Zeiten anbrachen. Zudem waren an diesem Tag Zinsen und Abgaben fällig, das bäuerliche Wirtschaftsjahr ging zu Ende, das Gesinde wurde ausgezahlt. Dies war willkommener Anlass zu Festivitäten - besonders die Gänse waren jetzt fett genug, um für einen ordentlichen Braten herzuhalten.

Auch in Familiennamen treffen wir auf den heiligen Martin, seinen Mantel, Gänse und den Lichterglanz der Laternen.

Mantel

Sankt Martin teilte seinen Mantel mitten entzwei, um einen Erfrierenden zu wärmen. Doch wie entstand der Familienname Mantel? Diesen Namen teilen sich 2531 NamenträgerInnen (= ca. 904 Telefonanschlüsse). Er entstammt dem mittelhochdeutschen Wort mantel, mandel 'Mantel als Kleidungsstück' und bezeichnet meist jemanden, der einen Mantel trägt oder einen Schneider, der Mäntel herstellt. Gelegentlich konnte auch jemand gemeint sein, der an einem Föhrenwald wohnte. Dieser Wohnstättenname geht auf mittelhochdeutsch mantel 'Föhre; die äußersten Oberbäume eines Waldes' zurück. Seltenere Schreibvarianten des Namens sind Mantl und Mantell mit 22 und 21 Telefonanschlüssen (also ca. 62 und 59 NamenträgerInnen). Die Familiennamen Mendler (374 Telefonanschlüsse, ca. 1047 NamenträgerInnen), Mantler (184 Telefonanschlüsse, ca. 515 TrägerInnen), Mentler (52 Telefonanschlüsse, 146 TrägerInnen) und Mäntler (15 Telefonanschlüsse, ca. 42 TrägerInnen) gehen auf mittelhochdeutsch manteler, menteler zurück und meinen einen Trödler oder Kleiderhändler.

Licht und Lichter

Der Lichterbrauch ist fester Bestandteil der Martinsbräuche, sei es in Form von Laternen und Fackeln oder als Martinsfeuer. Der Familienname Licht kommt mit 1546 Telefonanschlüssen (d.h. ca. 4329 NamenträgerInnen) weit gestreut vor, der Name Lichter konzentriert sich mit 482 Telefonanschlüssen (entspricht ca. 1359 NamenträgerInnen) vor allem an der Mosel. In beiden Familiennamen steht Licht für jemanden, der auf andere besonders strahlend und hell wirkt (zu mittelhochdeutsch lieht) oder bezieht sich auf den Beruf eines Kerzenherstellers oder -verkäufers. Auch die Wohnstätte an einer hellen Stelle, nämlich einem gerodeten Waldstück, kann gemeint sein. Zuweilen liegt auch mittelhochdeutsch lîht zugrunde, was einen leichtfertigen, unbeständigen Menschen bezeichnet. Darüber hinaus kommen Siedlungsnamen wie Lichta, Lichte (Thüringen) in Frage.

Gans

Tatsächlich leitet sich der Familienname Gans, den in Deutschland rund 2635 Personen tragen (941 Telefonbucheinträge), von dem allerorts bekannten Vogel ab, dem es traditionell zum Sankt-Martinstag an die Federn geht. Woher der Brauch des Gänsessens am 11. November kommt, ist nicht endgültig geklärt. Am wahrscheinlichsten ist die Erklärung, dass jährlich an diesem Tag eine Steuer fällig wurde, die in Form einer Gans bezahlt werden konnte oder deren Gegenwert entsprach. Der Familienname ließe sich demnach auf Pächter zurückführen, die für ein von ihnen bewirtschaftetes Land eine solche "Steuergans" erbringen mussten. Auch denkbar ist ein Übername für den Gänsezüchter, denn Gänse waren schon zur Zeit der Entstehung der Familiennamen auch fernab des Martinstages ein beliebter Speisevogel, sodass vielerorts Gänsezucht betrieben wurde.

Martin

Die großräumige und intensive Verehrung des Hl. Martin hatte auch Auswirkungen auf die Namengebung. Ursprünglich geht der Rufname Martin auf den römischen Beinamen Martinus zurück, dieser wiederum auf Mars, den Namen des römischen Kriegsgottes. Martin und seine dialektalen Formen wie Marten, Merten, Marti, Mertel usw. wurden vom Mittelalter bis heute häufig als Rufnamen vergeben. Und da Rufnamen eine wichtige Quelle für Familiennamen darstellen, finden sich Martin und seine Varianten auch oft in den heutigen Familiennamen wieder. So belegt Martin unter den häufigsten Familiennamen in Deutschland den 71., Martens den 300. und Mertens den 301. Rang. Vereinzelt kann der Familienname Martin auch aus dem romanischen Sprachgebiet nach Deutschland eingewandert sein; er ist nämlich auch der häufigste französische Familienname. Nördlich an das Hauptverbreitungsgebiet des Familiennamens Martin, wie es auf der Karte zu sehen ist, schließen Namen wie Marten(s) oder Merten(s) an. In Bayern sind die Familiennamen aus Koseformen wie Mart(e)l, Mert(e)l oder Mört(e)l heimisch, sie sind jedoch insgesamt eher selten.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/sommer/

Sommer, Sonne, Ferienzeit

Die Schulferien stehen bevor, die Temperaturen auf dem Thermometer steigen und viele tausend Deutsche machen sich auf den Weg in den Urlaub. Sie genießen die Sommerfrische am Meeresstrand, ein erfrischendes Bad im Swimming-Pool und viel Sonnenschein. Bei Temperaturen um die 36°C denken auch NamenforscherInnen zuweilen an Sonne, Meer und Strand. Wo unsere Vorfahren ihren freien Tage verbrachten, wissen wir nicht - sie hatten ja noch keinen Urlaubsanspruch, aber dafür sehr viele Feiertage. Man reiste allerdings nicht aus Vergnügen. Erst ab 1845 begann, mit der Gründung des ersten Reisebüros durch Thomas Cook in England, die Zeit der bürgerlichen Vergnügungsreisen. Mit der Durchsetzung des gesetzlich geregelten Urlaubsanspruchs zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Reisen in die Sommerfrische allmählich zum Massenphänomen.

Sommer

Überall in Deutschland herrscht Sommer! Zumindest, wenn man nach dem gleichlautenden Familiennamen geht. Dessen 19.207 Telefonbucheinträge (das entspricht ca. 53.780 Namenträgern) verteilen sich relativ gleichmäßig über die gesamte Bundesrepublik. Zugrunde liegt meist tatsächlich die Bezeichnung der Jahreszeit, mittelhochdeutsch sumer, mittelniederdeutsch som(m)er. Einerseits kann damit jemand gemeint sein, der im Sommer eine Arbeitsverpflichtung oder eine Zinsabgabe zu leisten hatte, andererseits aber auch der an der Sonnenseite Wohnende. Benennungen nach dem Beruf zu mittelhochdeutsch soumaere, sommer, mittelniederdeutsch somer(e) für den 'Führer von Saumtieren' oder zu mittelhochdeutsch sumber, sommer in der Bedeutung 'Korb; Getreidemaß; Pauke' für einen Korbflechter, Hersteller bzw. Benutzer von Scheffeln oder Musiker sind ebenfalls möglich. In Norddeutschland kann der Familienname Sommer auch auf das mittelniederdeutsche Wort somer 'langer, schlanker, gerader Pfahl oder Baum' als Vergleich für die Gestalt eines Mannes zurückgehen. In Bayern kommt zudem ein Herkunftsname zum gleichlautenden Ortsnamen bei Aitrang in Frage.

Urlaub und Urlauber

Die Verteilung des Familiennamens Urlaub scheint auf ein unterschätztes Ferienziel hinzudeuten: Am Main um Würzburg finden sich die meisten der rund 700 NamenträgerInnen (234 Telefonanschlüsse). Die Bedeutung 'Ferien' erhielt das Wort Urlaub jedoch erst in der Neuzeit. Im Mittelalter stand mittelhochdeutsch urloup für 'Erlaubnis', besonders für die 'Erlaubnis, zu gehen' sowie für den 'Abschied' allgemein. Die Träger dieses Namens hatten also nicht unbedingt einen Vorfahren, der besonders gerne reiste. Er zeichnete sich aber offenbar durchaus dadurch aus, dass er einem Ort oder einer Verpflichtung häufiger oder für einen längeren Zeitraum fern blieb. Ebenso verhält es sich mit dem Urlauber, der sich ebenfalls im Telefonbuch findet, wenngleich nicht sehr häufig (12 Einträge). Dieser Familienname gruppiert sich im Raum Stuttgart.

Sonnenschein

Manche Menschen tragen die Sonne in ihrem Herzen, sie strahlen Heiterkeit und Wärme aus - das hat mit ihrem wonnigen Gemüt zu tun und deshalb nannte man sie schon im Mittelalter Sonnenschein. Rund 2480 NamenträgerInnen (= 892 Telefonanschlüsse), vor allem im deutschen Westen, können sich mit solch einem freundlichen Namen vorstellen. In einigen Fällen kann es sich auch um einen Wohnstättennamen handeln für jemanden, der in einem Haus "Zum Sonnenschein" oder an einem gleichnamigen Flurstück wohnte. Und letztlich gibt es auch mehrere Siedlungen in Nordrhein-Westfalen, die diesen Namen tragen, so dass man auch einen Herkunftsnamen in Betracht ziehen kann.

Pool

Zu den großen Sommerfreuden gehört auch ein gepflegter Pool. Während die heutigen Badefreudigen ein hygienisches Becken und gechlortes Wasser erwarten, liegt der Ursprung des Familiennamens Pool eher im Trüben und Morastigen. Familienname und Schwimmbecken treffen sich in westgermanischer Zeit, also im Frühmittelalter, und zwar bei dem westgermanischen Wort *pola-, das 'Sumpf, Morast' bedeutet. Daraus hat sich über altenglisch pol das heutige englische Wort pool entwickelt. Noch heute trägt es neben der häufigsten Bedeutung 'Schwimmbecken', mit der es ins Deutsche entlehnt ist, auch Bedeutungen wie 'Teich, Tümpel, Lache'. Parallel dazu ist aus dem westgermanischen Wort *pola- das mittelniederdeutsche pol, pul hervorgegangen, was 'Pfuhl, Suhle, Sumpf' bedeutet. Und dieses mittelniederdeutsche Wort steckt im deutschen Familiennamen Pool mit rund 200 Namenträgern. Pool als Wohnstättenname für jemanden, der an einem Teich, einem Sumpf oder anderweitig schlammigen Gelände wohnte, ist nur eine von vielen Deutungsmöglichkeiten, aber die wahrscheinlichste.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/april/

April, April

Die Tradition, andere am 1. April zum Narren zu halten, erscheint auf den ersten Blick recht merkwürdig. Doch probieren wir es jedes Jahr aufs Neue mit fantasiereichen Geschichten und witzigen Anrufen unsere Mitmenschen aufs Glatteis zu führen. Auch Zeitungen und Radiosender beteiligen sich mit gefälschten, aberwitzigen Nachrichten eifrig. Am ganzen Tag heißt es also: Aufpassen, was man glaubt. Sind wir mit unserem Aprilscherz erfolgreich, können wir triumphierend mit dem Ausruf "April, April" den Schwindel aufklären. Warum der erste April als Datum für die launigen Späßchen herhalten muss, ist noch nicht geklärt. Hängt es mit dem launischen Wetter zusammen, mit der fröhlichen, aufkommenden Frühlingsstimmung vor dem Osterfest, mit alten Narrenfesten und Passionsspielen oder ist doch ein geschichtliches Ereignis verantwortlich? Die Sitte der Aprilscherze nahm in Frankreich wahrscheinlich ihren Anfang und ist seit dem 17. Jahrhundert in ganz Europa verbreitet. Wahrscheinlich saß aber auch schon unseren mittelalterlichen Vorfahren zuweilen der Schalk im Nacken - bei den Namen!

Witz und Witzig

Wer zu den ca. 690 TrägerInnen des Familiennamens Witzig (248 Telefonanschlüsse) gehört, hatte nicht unbedingt einen besonders lustigen, aber einen klugen Vorfahren. Hier liegt das mit dem Verb wissen verwandte mittelhochdeutsche Adjektiv witzec, witzic in der Bedeutung 'kundig, verständig, klug, weise' zugrunde. Die Bedeutung 'lustig, scherzhaft' hat sich erst im 18. Jahrhundert herausgebildet, so dass sie zur Zeit der Entstehung der Familiennamen keine Rolle gespielt haben kann. Auch beim Familiennamen Witz (205 Telefonanschlüsse, demnach ca. 570 NamenträgerInnen) kann sich der erste Namenträger durch seinen scharfen Verstand hervorgetan haben (hier dann zu mittelhochdeutsch witz, witze 'Wissen, Verstand, Besinnung, Einsicht, Klugheit, Weisheit'). Es kann sich jedoch auch um ein Patronym handeln, d.h., der Familienname geht auf den Rufnamen des Vaters des ersten Namenträgers zurück. Witz kann eine Kurzform zu Rufnamen sein, die die Namenglieder wig oder widu enthalten, z.B. Wiegand oder Wither.

Scherz und Spott

In Deutschland sind 521 Telefonanschlüsse, d.h. ca. 1459 NamenträgerInnen für den Familiennamen Scherz plus 76 Anschlüsse/213 NamenträgerInnen für Schertz belegt. Den Namen Spott (mit 219 Telefonanschlüssen) tragen ca. 613 Menschen. Spötter gibt es nur 88 mal (= 246 NamenträgerInnen). Daneben sind die Scherzer mit 895 Telefonanschlüssen (= 2237 NamenträgerInnen) recht zahlreich. Waren die Vorfahren alles ausgemachte Scherzkekse und Spötter? Im Mittelhochdeutschen bedeutet scherz auch Vergnügen, Spiel, Munterkeit, lustiges Wesen. Auf jeden Fall waren die ersten Träger dieses Namens keine Kinder von Traurigkeit, sondern dem Spaß und der spielerischen Seite des Lebens zugewandt. Im sorbischen Sprachgebiet kann sich der Name auch von dem niedersorbischen Wort šery 'grauhaarig' ableiten. Bei Spott kann sich sowohl um einen verspotteten als auch verspottenden Menschen handeln. Opfer oder Ausführende spöttischer Scherze sind hier nicht auseinanderzuhalten. Da mittelhochdeutsch spot neben Hohn und Schande auch einfach nur Spaß und Scherz bedeuten kann, gewinnt das Ganze doch noch eine beschwingtere Komponente.

April, Aprill - Abrell, Abröll

Die Sitte des Aprilscherzes ist zu jung, um in Familiennamen wie April (rund 30 Namenträger), Aprill (ca. 200), Abrill (ca. 35), Abrell (ca. 500) oder Abröll (ca. 140) eingegangen zu sein. Doch was steckt sonst hinter diesen Familiennamen? Das Benennungsmotiv hat wenig mit Spaß und Scherz zu tun. Stattdessen wurden die Menschen nach dem Monat benannt, in dem sie ihrem Grundherren Abgaben und Dienste zu leisten hatten. Oder es handelt sich einfach um ihren Geburtsmonat. Dabei wurden die Monate im Mittelalter noch zum Teil anders genannt als heute. Der Juni hieß beispielsweise Brachat, worauf auch der gleich lautende Familienname (rund 170 Namenträger) zurückgeht. Die Vorgängerbezeichnung des April, das althochdeutsche ostarmanod 'Ostermonat', findet sich nicht in heutigen Familiennamen. Das liegt daran, dass die Monatsbezeichnung schon im 12. Jahrhundert aus dem Lateinischen entlehnt wurde. Zu dieser Zeit begannen sich die Familiennamen erst zu entwickeln.


(E?)(L?) https://www.namenforschung.net/specials/ostern/

Mein Name ist Hase…ich bringe die Eier

Der Name Ostern ist etymologisch vermutlich mit der Himmelsrichtungsbezeichung Osten verwandt und geht wie diese auf die indogermanische Wurzel *ausos in der Bedeutung 'Morgenröte' zurück. Mit der Hinwendung zur aufgehenden Sonne verbindet das Christentum symbolisch die Auferstehung Jesu Christi. Vor diesem Hintergrund überrascht es nicht, dass der Familienname Ostermann (ca. 10.000 Namenträger) nichts mit dem Osterfest, sondern vielmehr mit der Himmelsrichtung zu tun hat: Der erste Träger dieses Namens wurde nach der Lage seiner Wohnstätte östlich von einem Orientierungspunkt benannt. Wenn uns auch in den Familiennamen so mancher Hase begegnet, liegt auch hier der etymologische Ursprung bisweilen anderswo. So geht der Familienname Kohlhase (ca. 1.070 Namenträger) auf mittelniederdeutsch kolhase 'Heuschrecke' zurück und konnte z.B. einem unruhigen, sprunghaften Zeitgenossen als Beiname gegeben werden. Auch der Name Kohlhaas (ca. 2.070 Namenträger) kann zum Teil auf dieses Insekt zurückgehen, ebenso kann hier aber auch eine Kurzform des Rufnamens Nikolaus zugrundeliegen. Nicht selten stellt sich so mancher Name also als echtes Überraschungsei heraus.

Im Folgenden stellen wir noch einige weitere Familiennamen rund um Ostern, Hasen und Eier vor, die wir auf unserer Suche eingesammelt haben. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Eiermann

"Klingelingeling, hier kommt der Eiermann" - die größte Chance, auf einen echten Eiermann zu treffen, hat man im Dreieck Karlsruhe - Mannheim - Höpfingen. Hier leben die meisten der rund 1.220 Eiermanns in Deutschland (435 Telefonanschlüsse). Der Familienname geht dabei tatsächlich auf den Beruf des ersten Namenträgers zurück, eines Eierverkäufers. "Kommen sie alle, alle an die Eier ran. Das sind die allerdicksten Dotter, die man jemals sah. Uns're Eier, die sind Güteklasse A!"

Hasenei und Hasennest

Hasen legen Eier? Ein Cartoon von Loriot legt dies nahe, wenn er aus einem geöffneten Frühstücksei ein Häslein springen lässt. Im pfälzischen und rheinischen Dialekt bezeichnet man die Ostereier scherzhaft als Haseneier. Auch die Familiennamen Hasenei(er)/ Haseney (ca. 185 Namenträger) und Hasenest (ca. 37 Namenträger) weisen scheinbar darauf hin. Allerdings glaubten unsere Vorfahren keineswegs an eierlegende Hasen. Hinter dem Namen Hasenei steckt wahrscheinlich ein Herkunfts- oder Wohnstättenname zu dem Siedlungs- oder Flurnamen Hasenau. Über die Bedeutung des seltenen Familiennamens Hasenest schweigen sich die Familiennamenbücher aus, wir können allerdings auch vermuten, dass ein Örtlichkeitsname dahintersteckt - jedenfalls ist er schon für das 17. Jahrhundert für den Raum Ansbach-Neustadt an der Aisch - Nürnberg, wo er heute noch am häufigsten vorkommt, belegt.

Schell- und Schreckhasen

Hasen sind sehr wachsame, immer zur Flucht bereite, flinke Tiere. Diese Eigenschaften scheinen auf unsere Vorfahren großen Eindruck gemacht zu haben, denn viele Namen leiten sich von Hase ab. Auch die Übernamen Schellhase und Schreckhase, Bezeichnungen für ängstliche Menschen, beruhen auf der Beobachtung des hasentypischen Verhaltens. Der Familienname Schellhase (und zahlreiche Schreibvarianten wie Schellhas, Schellhaß u.v.a.m., insg. ca. 2.830 Namenträger) geht zurück auf das mittelhochdeutsche Adjektiv schellec, das 'aufspringend, scheu, auffahrend, schreckhaft' bedeutet, der Name Schreckhase auf mittelhochdeutsch schrecken 'springen, aufspringen'. Diese Namen stellen also noch einmal eine Verstärkung zu dem hasenhaften Verhalten des ersten Namenträgers dar, der wohl ein besonders schreckhafter, vorsichtiger und scheuer Mensch gewesen sein muss.

Ostertag und Paschedag

Während der tendenziell stärker im Süden verbreitete Familienname Ostertag auf das mittelhochdeutsche Wort ostertac in der Bedeutung 'Ostertag' zurückzuführen ist, liegt dem vor allem in Nordrhein-Westfalen konzentrierten Paschedag das mittelniederdeutsche Wort paschendach 'Ostersonntag' zugrunde. Im Gegensatz zu den anderen Familiennamen gehen Ostertag und Paschedag demnach tatsächlich auf das Osterfest zurück. Hauptsächlich ist der Name durch den Geburtstermin an diesem Feier- und damit auch Glückstag motiviert. Als weiteres Benennungsmotiv ist jedoch auch eine zu Ostern fällige Dienst- bzw. Zinsleistung möglich.