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Keltische und Etruskische Überraschungen

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Keltische und etruskische Überraschungen (April 2017)

Liebe Leserin, lieber Leser,

der stete Fluss der deutschen Sprache hat schon so manches fremde Wort so deutsch geschliffen, dass man ihm seine fremde Herkunft kaum noch oder gar nicht mehr ansieht. Das gilt – man könnte es sich fast denken – für viele Wörter aus dem Lateinischen wie "Käse", "Laune" oder "Mauer". Aber wären Sie auch davon ausgegangen, dass sich noch etliche Wörter aus dem Keltischen im Deutschen tummeln?  

Und es geht noch wilder: Selbst aus dem längst untergegangenen Etruskischen haben sich Wörter ins Deutsche gemogelt, die wir entweder fast täglich oder doch hie und da fachsprachlich verwenden. Hätten Sie’s gewusst?

Und da es in der Wortgeschichte so viele spannende Geschichten gibt, von denen man nicht so recht weiß: „Sind sie wahr oder nur gut erfunden?“, haben wir eine davon für Sie nachgeschlagen – und zwar anlässlich des kuriosen Welt-Pinguin-Tags am 25. April 2017.

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen

Ihre Duden-Sprachberatung

Hätten Sie’s gewusst?

Lehnwörter aus dem Keltischen

Normalerweise vertreiben sich ja die gallischen Recken Asterix und Obelix die Zeit damit, römische Legionäre zu vermöbeln. Heute soll Asterix aber mal einen Bildungsauftrag erfüllen – und wenn es auch nur ein Wortbildungsauftrag ist. Und der betrifft den zweiten Teil seines Namens: "-rix".

Denn von keltisch (gallisch) "rix" – "Herrscher", "Fürst", "König" – sind unsere Wörter "Reich" und "reich" abgeleitet. Indoeuropäisch damit verwandt ist etwa lateinisch "rex" – "König".

Ebenfalls aus dem Keltischen (Gallischen) abgeleitet ist "Amt", und zwar von "amb[i]aktos" – "Diener", "Bote", das gallolateinisch als "ambactus" überliefert ist, eigentlich "Herumgeschickter" heißt und sich z. B. auch im Niederländischen als "Ambacht(sman)" – "Handwerk(er)" findet oder im Schweizerischen als "Ammann" – "Vorsteher einer Exekutivbehörde".

Weitere Wörter des Deutschen, die aus dem Keltischen stammen, sind etwa "Eid", "Flanell", "Geisel", "Gladiole" (über lat. "gladius" – "Schwert", vgl. altirisch "claideb" oder kymrisch, d. h. walisisch "cleddyf"), "Glocke", "Mergel", "Kai", "Pferd", "Vasall". Dazu kommen noch die Bestandteile von Ortsnamen wie "-magen" von "magos" – "Feld" ("Dormagen", "Remagen").

Mehr oder weniger stark verdächtigen, aus dem Keltischen zu stammen, darf man: "Heide", "Laus", "Beton", "Bock", "Leder", "Mähre", "Dam[wild]", "dick", "Eisen", "Mine", "Tonne". Zu diesen Wörtern fand man bisher nur im Keltischen verwandte Wörter, und man fragt sich für jedes einzelne: Wer hat's von wem? Oder gibt es in dem einen oder anderen Fall vielleicht ein indoeuropäisches Ursprungswort, das sich dann nur bis ins Germanische und Keltische, nicht aber bis in andere indoeuropäische Sprachen durchgearbeitet hat? Genaues weiß man nicht ...   

Was Sie schon immer wissen wollten

Lehnwörter aus dem Etruskischen

Auch die ganz, ganz alte Toskanafraktion, die "Etrusker", hat ihre Spuren in der deutschen Sprache hinterlassen, d. h., eigentlich haben das die Römer getan, denn die haben etruskische Wörter, die sie selbst dem Etruskischen entlehnt hatten, mit in unsere Gegend gebracht – und damit einen gewissen "Stil". Wenn jemand Stil hat, dann hat er den (so skurril das klingen mag) in gewisser Weise von den Etruskern. Denn unser Substantiv "Stil" geht (über lateinisch "stilus" – "Griffel", "Schreibstil") genauso auf das Etruskische zurück wie das Adjektiv "skurril" (über lat. "scurrilis" – "absonderlich" und "scurra" – "Spaßmacher", "Witzbold"). Auch die "Person" verdanken wir dem Etruskischen (über lat. "persona" – "Maske des Schauspielers" von etruskisch "phersu" – "Maske"). Apropos Schauspieler: Auch der psychologische Fachbegriff "histrionische Persönlichkeit" hat nicht nur mit "Persönlichkeit", sondern auch mit "histrionisch" etwas Etruskisches (über lateinisch "histrio" – "Schauspieler"). Aufs Etruskische zurück gehen zudem unsere Wörter "Atrium", "Element", "Grieche", "populär".

Stark im Verdacht, etruskische Ursprünge zu haben, stehen zum Beispiel "Fenster", "Ginster", "Satellit".

Ob mit oder ohne Lehnwörter* – nur richtige Texte können richtig gute Texte sein

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* So zum Beispiel auch die Frage, ob in Verbindungen wie mit oder ohne Lehnwörter am Ende der Dativ oder der Akkusativ stehen muss.

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Für Sie nachgeschlagen

"Pinguin"

Der seit der Zeit um 1600 in Reisebeschreibungen bezeugte Name des in der Antarktis beheimateten flugunfähigen Meeresvogels mit flossenähnlichen Flügeln ist etymologisch dunkel. Ganz fraglich ist die Herleitung aus dem Keltischen als "Weißkopf" (walisisch "pen" "Kopf" und "gwyn" "weiß"). Danach müsste "Pinguin" zunächst den Alk bezeichnet haben, der weiße Flecken um die Augen hat. Näher läge die Herkunft aus lateinisch "pinguis" "fett", "feist", doch auch dies ist nicht gesichert.

Aus: Duden – Das Herkunftswörterbuch. 5. Auflage, Berlin 2014


Erstellt: 2018-01

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