Etymologie, Etimología, Étymologie, Etimologia, Etymology
DE Deutschland, Alemania, Allemagne, Germania, Germany
FR-Ismen

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Großvater (W3)

(E?)(L?) web.archive.org/web/20050404064959/http://www.unet.univie.ac.at/~a9902976/Sommer00/fwnetz.htm

dt. "Großvater" ist eine Lehnübertragung aus frz. "grand-pêre"


(E1)(L1) http://books.google.com/ngrams/graph?corpus=8&content=Großvater
Abfrage im Google-Corpus mit 15Mio. eingescannter Bücher von 1500 bis heute.

Dt. "Großvater" taucht in der Literatur um das Jahr 1650 / 1750 auf.

(E?)(L?) http://corpora.informatik.uni-leipzig.de/


Erstellt: 2020-05

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Sitzung (W3)

(E?)(L?) web.archive.org/web/20050404064959/http://www.unet.univie.ac.at/~a9902976/Sommer00/fwnetz.htm

dt. "Sitzung" ist eine Lehnprägung nach frz. "session"


(E1)(L1) http://books.google.com/ngrams/graph?corpus=8&content=Sitzung
Abfrage im Google-Corpus mit 15Mio. eingescannter Bücher von 1500 bis heute.

Dt. "Sitzung" taucht in der Literatur um das Jahr 1560 / 1750 auf.

(E?)(L?) http://corpora.informatik.uni-leipzig.de/


Erstellt: 2020-05

T

U

Uni Wien
Wörter aus dem Französischen

(E?)(L?) web.archive.org/web/20050404064959/http://www.unet.univie.ac.at/~a9902976/Sommer00/fwnetz.htm

E. Französische Einflüsse während der höfischen Zeit (1150 - 1250)

Das ständige Bestreben der deutschen Höfe, dem französischen Ideal zu entsprechen, evoziert auch viele sprachliche Entlehnungen. Das ideale Rittertum bzw. die Idee vom idealen Rittertum wird zuerst im altprovenzalischen Minnesang betont. Über das nördliche Altfranzösisch gelangt die neue Vorstellung von Gesellschaft in den deutschsprachigen Raum. Der rege Kulturaustausch passiert durch Reisen, Festlichkeiten etc.

Wieder lassen sich verschiedene Bereiche unterscheiden, denen besonders viele Entlehnungen zugeordnet werden können:

Geselligkeit: Kampf und Ritterspiel: Kleidung: Wohnung: Handel: Verben: Adjektiva: Suffixe: deutsche Wortbildungen: z. Bsp. Lehnbedeutung:

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2. Französisch (und Italienisch)

Nachdem während der Frühbürgerlichen Zeit kaum frz. Entlehnungen zu verzeichnen waren, kommt es ab 1500 und verstärkt ab 1560 wieder zu mehr frz. Lehnwörtern im Deutschen:

Kriegswesen: Wirtschaft und Verkehr: Verwaltung und Politik: Geselligkeit und Ethik: Architektur, Kunst, Literatur, Musik: Manche Entlehnungen werden durch die Dominanz des Lateins latinisiert: Aus dem Französischen stammt außerdem die Endbetonung der Wörter "Herodót", "Homér", "Kritík" und "Politík".
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I. Absolutismus, bildungsbürgerliche Sprachkultivierung (17., 18. Jh.)
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Französisch wird wieder Hofsprache, dementsprechend viele Lehnwörter stellen sich ein. Das Deutsche wird sogar vom Preußenkönig Friedrich II. in seinem Buch "De la litterature allemande" verspottet. Latein bleibt weiterhin die (amtliche) Wissenschafts- und Rechtssprache. Es herrscht eine alamodische Vielsprachigkeit der Oberschicht, die sich aus Deutsch, Latein, Französisch, Spanisch, Italienisch und im NW Europas auch aus Niederländisch zusammensetzt. Je nach Situation und Absicht wird eine andere Sprache verwendet. Zudem entsteht eine oberschichtliche Dreisprachigkeit, welche die drei Hauptsprachen Französisch, Deutsch und Latein umfasst. Durch das "Reichssprachenrecht" sind "Deutsch" und "Latein" seit dem Mittelalter die offiziellen Reichssprachen. Auf Reichstagen wird daher verlangt, dass anderssprachige Texte (so auch franz.) ins Lateinische oder ins Deutsche übersetzt werden. Bei zwei Reichstagen im 17. Jh. führt dies zu Streitigkeiten und Konflikten. Später nehmen die Bemühungen um die dt. Sprache zu: Von allen dt. Beamten wird gefordert, Deutsch zu beherrschen und 1687 wird die erste dt. Vorlesung angekündigt. Darin werden die Deutschen u. a. dazu ermahnt, die eigene Sprache besser zu erlernen; eine ähnliche Forderung formuliert Leibnitz (der selbst alle seine Werke in lat. oder franz. Sprache abfasst).

Trotzdem bleibt vorerst Französisch die bestimmende Sprache; Voltaire (um 1750 in Potsdam): "Ich bin in Frankreich. Man spricht nur unsere Sprache. Das Deutsche ist nur für die Soldaten und die Pferde."
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I. Absolutismus, bildungsbürgerliche Sprachkultivierung (17., 18. Jh.)
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Als Gegenpol zum Alamode-Wesen, zur alamodischen Vielsprachigkeit und zur Sprachmengerei (v. a. Frz., Lat., Dt., Span., It.), steht der Versuch, Deutsch als Unterrichtssprache einzuführen. 1687 hält Christian Thomasius eine dt. Vorlesung und Leibnitz betont in einer Ermahnung an die Deutschen die Bedeutung der dt. Sprache. 1771 erscheint das erste Fremdwörterbuch, der "Deutsche Dictionarius" von Simon Roth. Die dominierende Sprache ist Französisch, sie wird von adeligen Erziehern, Briefstellern etc. verwendet. Im 18. Jh. werden mindestens 400 Lehrwerke zur frz. Grammatik in Umlauf gebracht. Sämtliche gesellschaftlichen Aktivitäten der oberen Gesellschaftsschichten sind eng mit dem Französischen und mit Frankreich (als Stilvorbild) verknüpft.

Der Einfluss des Französischen wird ebenfalls bestärkt durch die Hugenotten, die in Brandenburg leben (20000, 7000 allein in Berlin; ein Fünftel der Bevölkerung). Es entsteht generell ein partieller Bilingualismus, je nach Situation wird eine andere Sprache verwendet. Französisch nimmt insbesondere eine bedeutende Rolle in der Diplomatie ein. Erst in heutiger Zeit wird es aus dieser Position langsam aber doch vom Englischen verdrängt.

1. Funktionale Felder der französischen Lehnwörter

• Lehnwörter füllen oft eine Lücke im Wortfeld. Bsp.:

Süßigkeiten: Kleider: Farbadjektive: sonstige:

• Ein Fremdwort kann auch eine semantische Differenzierung offerieren:

"Resultat" (institutionale Zusammenhänge, technisch-wissenschaftlicher Bereich; Bsp.: "Resultat einer Rechnung") zu "Ergebnis" (eher nicht formale Zusammenhänge; Bsp.: "Ergebnis einer Diskussion").

• Das Lehnwort bezeichnet einen engeren Bedeutungsgehalt als die dt. Entsprechung: Die Fremdwörter umfassen einen stärker eingeschränkten Bedeutungsbereich.

• Fremdwörter mit pejorativem Beigeschmack im Vergleich zum dt. Wort:

Lehnwörter sind also oft der eher wertende Terminus im Gegensatz zu den meist relativ neutralen dt. Entsprechungen. Ergo: Es gibt keine nicht notwendigen Fremdwörter! Die Funktion des Fremdworts kann unterschiedlicher Natur sein. Beispielsweise kann es der sozialen Maskierung dienen: Manchmal fällt es schwer, den Unterschied in Worte zu fassen: Ebenfalls der sozialen Maskierung könnte man das Paar Warum überhaupt nicht "1. Stock" statt "Erdgeschoß" oder "Parterre" gesetzt wird, erklärt sich (vermutlich) aus Bauvorschriften früherer Zeiten: Häuser in der Innenstadt sollten nicht mehr als drei oder vier Stockwerke hoch sein. Bsp.: "Tiefparterre" - "Parterre" - "Mezzanin" - "Hochparterre" usf. > kein Stockwerk statt vier Stockwerke.
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2. Bedeutungsveränderungen bei der Entlehnung

Eine Statistik gibt 726 Entlehnungen (frz.???) für das 17. oder 18. ??? Jh. an. Nur bei 190 bleibt die ursprüngliche Wortbedeutung erhalten. Bsp.: Mehrere frz. Entlehnungen bekommen ein Konnotat, das auf die Oberschicht (die Französisch spricht) verweist; Französisch als Prestigesprache: Eine Bedeutungsverbesserung ist festzustellen bei

Eine eigenartige Bedeutungsverschiebung ist bei folgenden Wörtern zu beobachten:

3. Aussprache - Grad der Integration von Fremdwörtern, Betonungsverhältnisse

An der Aussprache der Fremdwörter ist im Allgemeinen der Grad der Integration ablesbar. Ein Beispiel wäre die frz. Nasalierung, die in Österreich kein Problem für den Sprecher darstellt. Deutsche Bundesbürger hingegen haben mit diesem für sie unüblichen Sprachgebrauch zu kämpfen. Man unterscheidet bzgl. der Integration in Nicht-, teilweise und totale Integration. Beispiele für totale Integration wären: Partiell integriert ist der stimmhafte Sibilant entspricht nicht der korrekten frz. Aussprache.

Die Betonungsverhältnisse in Fremdwörtern stellen oft Ausnahmen zu den Betonungsnormen im Deutschen dar. Es gilt: Die letzte schwere Silbe erhält den Hauptton, wobei eine schwere Silbe entweder sein kann ein Langvokal, ein Diphthong oder ein Kurzvokal mit zwei Konsonanten. Man erhält daher: Ein etwas komplizierterer Fall ist das Wort "Ingenieuer". Das aus it. "ingegnere" = "Kriegsbaumeister" stammende Wort lautet im Französischen "ingénieur" (vgl. lat. "ingenium" = "Fähigkeit", "Talent", "geistreiche Erfindung" usf. zu "ingignere" = "hervorbringen"). Trotzdem ist die frz. Aussprache unüblich. Der Duden schlägt vor, das Österreichische Wörterbuch "scheniör" (doch das apikale "r" scheint eher unwahrscheinlich).

4. Sprachpuristische Haltung zu den frz. Einflüssen

Besonders kritisiert wurden (und werden) die hybriden Bildungen bei Fremdwörtern, die als unrechtmäßig abgetan werden. Hybride Bildungen sind Zusammensetzungen, deren Einzelteile aus verschiedenen Sprachen stammen. Diese Kritik wirkt aber wenig sinnvoll, weil hybride Bildungen zum Wesen einer jeden Sprache gehören. Bsp.: besonders beliebter Verbsuffix "ier": wobei durch weitere Suffixe wieder neue Wörter entstehen können. Bsp.:

Ebenfalls ein sprachpuristischer Begriff ist der der Scheinentlehnung. Bsp.: Das Vorbild für die Entlehnung ist in der anderen Sprache nicht existent. Ein etwas komplizierter Fall ist der "Friseur": "coiffeur" ist das frz. Wort für diesen Beruf. Frz. "friser" hingegen meint "kräuseln", "eine Kleidung mit Rüschchen oder Krausen versehen". Diese Bedeutung erinnert an "eine Bilanz frisieren" im Sinn von "beschönigen". Die übliche Etymologie für "frisieren" (von Haaren) verweist über nndl. "friseren" auf frz. "friser" [so auch im Kluge]. Vom frz. Wort aus kann eine germ. Wurzel angenommen werden. Auch "coiffeur" stammt vielleicht aus dem Germanischen. Weiters gibt es gewissermaßen ein mögliches lat. Vergleichswort in lat. "frigere" = "backen", "braten" (Fleisch "kräuselt" sich möglicherweise beim Backen). Jedenfalls gibt es Ende 17. Jh. zwei Formen: "Friseur" und "Frisierer"; die frz. setzt sich durch. "Friseur" könnte auch mit "Fries" = "krauses Wollzeug", auch "Wandverputz" etymologisch verwandt sein. Sogar ein Zusammenhang mit den "Friesen" (Haben Friesen gekräuseltes Haar?) kann nicht ausgeschlossen werden, scheint aber doch eher sehr unwahrscheinlich.

Kritik am Alamode-Wesen kommt auf jeden Fall von verschiedenen Seiten und auf verschiedene Arten. Johann Rist beschwert sich über die Fremdwörter, die sogar von Spinnmägden und Knechten statt dem Deutschen verwendet würden. Christian Thomasius argumentiert ähnlich: Das ganze niedere Volk, Schuster, Schneider, Kinder, Gesinde, spricht bereits französisch. Herder äußert sich 1793 in seinen Briefen zur Beförderung deutscher Humanität etwas differenzierter zur Problematik: Nicht die Sprache ist für die politischen Verhältnisse verantwortlich, sondern sie ist nur eine Folge (nicht die Ursache!) der kulturellen Zustände.

5. Exkurs: Integration von Fremdwörtern

Diese nimmt im Lauf der Zeit zu. Während im 17. Jh. etwa noch "piquant" geschrieben wird, heißt es heute "pikant". Ähnlich: Die originale Schreibung hat sich aber bewahrt in beispielsweise Verschiedene Möglichkeiten der Realisierung bieten Vor der Rechtschreibreform standen einander widersprechend gegenüber. Zuletzt wird noch "Belletristik" erwähnt; ein Wort, das eigentlich falsch geschrieben wird (frz. "lettres").




Erstellt: 2020-05

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