Etymologie, Etimología, Étymologie, Etimologia, Etymology
EI Alles ist im Eimer
Etymologische Verwandtschaften, Bekanntschaften und Assoziationen
-bar-

Zu den "tragenden" Wörtern, die auf ide. "*bher-" = dt. "bewegen", "bringen", "erzeugen", "führen", "gebären", "heben", "hervorbringen", "holen", "regen", "tragen" zurück geführt werden, gehören auch:

"-bar-"



(E?)(L?) http://www.koeblergerhard.de/der/DERB.pdf

"-bar", Suff., "bar", mhd. "büre", Suff., "bar", ahd. "bari", Suff., "bar", germ. "*berja", "*berjaz", Adj., "tragend", s. germ. "*beran", V., "tragen", "gebären", idg. "*bher-" (1), V., "tragen", "bringen"


(E?)(L?) https://www.infosperber.ch/Gesellschaft/Sprachlupe-shoaring-economy-etymologie-ausleihen

Sprachlupe: "LeihBar" gibt’s nur dank "Bar"-Ausleihe
...
Kommenden Monat wird in Bern die "LeihBar" eröffnet, die "Gegenstände aller Art günstig verleiht". Ihr Name ist ein treffendes Wortspiel: Es verbindet diese "Bar" mit dem Ausleihen der angebotenen Gebrauchsgüter. Darüber hinaus aber öffnet das Wort den Blick auf etwas, das man ausleihen und behalten kann – Wörter nämlich, die aus einer anderen Sprache kommen. Solche "Fremdwörter" fallen meist auf, weil sie anders klingen, geschrieben oder gebeugt werden als altvertraute. Gleichen sie sich an die so bereicherte Sprache an, so nennt man sie nicht mehr "Fremdwörter", sondern "Lehnwörter". Zuweilen wandert die neue Form in die Ursprungssprache zurück – wie "Boulevard", entstanden aus "Bollwerk".

"Bar" als Bezeichnung für ein Lokal wird kaum noch als fremd empfunden, höchstens das -s im Plural deutet noch darauf hin. Allerdings sind solche Mehrzahlbildungen auch aus dem Niederdeutschen südwärts gewandert, oft umgangssprachlich wie bei Kumpels oder Jungs. Im Englischen wurde "bar" einst von der Theke aufs Lokal übertragen. Das Wort geht zurück aufs Altfranzösische "barre", dem wir auch den "Barren" verdanken. Noch tiefer in die Vergangenheit weisen Lexika für Etymologie nur mit Vermutungen, die aber nichts mit "-bar" zu tun haben. Das Adjektiv "leihbar" hingegen lässt sich in beiden Bestandteilen durch die ganze germanische Sprachgeschichte verfolgen.

Wunderbare Bars

Mit "bar" im Sinn von "nackt" ist "-bar" nicht verbandelt; vielmehr beruht es auf der Grundbedeutung "tragen" und hat damit eine weitläufige Verwandtschaft. Pfeifers Etymologisches Wörterbuch (zitiert nach dwds.de) beschreibt sie so: "Mit "gebären" sind u.a. verwandt "Geburt", "Gebärde", "gebaren", "Gebühr", "gebühren", "Bahre", "entbehren" (eigentlich "nicht tragen") und das Suffix "bar", z.B. "fruchtbar", eigentlich "Frucht tragend", "Frucht bringend"." Nebenbei sieht man hier auch, dass das Dehnungs-h nicht eben konsequent in die Rechtschreibung gelangt ist. Die Silbe "-bar" – früher auch "-bahr" – hat ihren Sinn weit ausgedehnt: Sie "drückt in Bildungen mit Verben (Verbstämmen) aus, dass: … mit der beschriebenen Person oder Sache etw. gemacht werden kann / … die beschriebene Person oder Sache etw. machen kann / … die beschriebene Sache zu etw. geeignet ist".

Dieser Wortbestandteil ist also, wie Sprachwissenschafter sagen, äusserst produktiv. Kein Wunder, inspiriert er dank dem Mitläufer "Bar" da und dort Leute, die für ihr Lokal einen auf- und sinnfälligen Namen suchen. Die Berner "Fruchtsaftbar" soll wohl einfach als Fruchtsaft-Bar verstanden werden, aber es ist nicht verboten, dabei an "Frucht", "saftbar" zu denken. Das Brockenhaus "Begeh-r-bar" im aargauischen Riniken eignet sich offenbar zum Spazieren. Was aber widerfährt einem in der "ESSBAhR" in Korschenbroich (D)?

Gelobtes Deutsch: "DenkBar"

Coiffeurgeschäfte namens "Haarbar" gibt’s in der Deutschschweiz mindestens neun, in vier verschiedenen Schreibweisen. Ob man in jedem dieser Etablissements auch seinen Durst stillen kann, habe ich nicht überprüft, und auch nicht, ob "behaarbare" oder "enthaarbare" Kundschaft dort auf ihre Rechnung kommt. In St. Gallen heisst ein Kulturlokal "DenkBar". Es ist durchaus "denkbar", dass es für diesen Namen einen Preis verdient hat. Das muss sich auch die neu eingerichtete Regionalvertretung Schweiz des Vereins Deutsche Sprache gedacht haben, als sie vor einem Jahr dem Genossenschaftsbetrieb einen Preis für den "fantasievollen Namen" verlieh.

Seltsamerweise stand die Einladung zur Zeremonie unter dem Motto "Wer mag auch kein Denglisch?" Der in Deutschland heimische Verein zeichnet sich durch den Kampf gegen Anglizismen (und gegen Grossbuchstaben im WortInneren) aus. Der englische Ursprung der halben "DenkBar" stand der Preisverleihung indessen nicht im Weg. "Bar" sagt man ja hierzulande längst in deutscher Lautung. Zum Glück, denn mit englischer Aussprache würde aus dem Namen der St. Galler Preisträgerin so etwas wie "Denk? Bah!".


Erstellt: 2018-12

(E?)(L?) https://homepages.uni-tuebingen.de//henrike.laehnemann/suffixe.htm

2.1. "-bar" [-bâr(i)]

Aller Wahrscheinlichkeit nach war das Adjektivsuffix "–bar" (ahd. "–bâri"; mhd. "–baere" bzw. "–bâre" in adverbialem Gebrauch) ursprünglich ein selbständiges Verbaladjektiv. Seine Bedeutung war "tragend", "fähig zu tragen" und leitete sich von germ. "*beran", ahd. "beran" "tragen" (vgl. auch "Bahre", "gebären") ab. Dazu haben wir im Lateinischen ("-fer" / "-ferus" als Adjektivsuffixe zu "ferre" – "tragen") und Altgriechischen ("-fo¢roj" als Adjektivsuffix zu "fe¢rein" – "tragen") eine exakt gleichartige Bildung. Als Beispiele hierzu lesen wir im Grimmschen Wörterbuch die Wörter "frucht | bar" (deutsch), "fructi" | "fer" (lateinisch), "karpo¢ | foroj" (altgriechisch). Im Altenglischen finden wir analog die Suffixbildung "–bâre" und im Altisländischen begegnet als Stütze für die anfangs genannte Herleitung vom Verbaladjektiv "bârr" ("tragfähig").

Ursprünglich trat das Suffix nur zu Substantiven, was von der Grundbedeutung "tragend" her leicht zu verstehen ist und an einem Beispiel klar gemacht werden kann: nehmen wir das Substantiv "Frucht" und hängen das Suffix "-bar" daran, so haben wir das Adjektiv/Adverb "fruchtbar", welches so viel bedeutet wie "Frucht tragend" (ein Frucht tragender Boden ist also ein fruchtbarer Boden).

Seit dem Spätmittelhochdeutschen tritt "-bar" allerdings vorrangig und vermehrt zu Verben und bildet mit ihnen Adjektive/Adverbien: z.b. "hörbar" – "was man hören kann" oder "essbar" – "was man essen kann".

Beispiele: "unbâri" ("umbâri") : Adj. "unfruchtbar" (aus dieser negierten Form kann man sehen, dass "bâri" ursprünglich ein selbständiges Verbaladjektiv zu "beran": "tragen" war)

"unthancbâri" : Adj. "unbankbar" – Suffix an ein Substantiv "unthanc" angehängt

"skinbâri": Adj. "Schein tragend" – "glänzend" : Suffix an ein Substantiv "skin" ("Glanz", "Schein") angehängt

dazu: Notker, Martianus Capella, Lib. I, cap. 38 ("Ioh selber Iupiter tuncheleta fore sinero skinbari uuidere uuichender.") – interessant: "skinbari" ist hier feminines Substantiv, aber doch eindeutig durch Anhängen von "–bâri" an das Substantiv "skîn" ("Schein") gebildet!


2

2rhyme.ch
Endungen auf "-bar"

(E?)(L?) http://www.2rhyme.ch/Reimt-auf/bar

Folgende 324 Begriffe reimen sich auf "bar":




Erstellt: 2018-12

A

B

bar (W3)



(E?)(L?) https://grammis.ids-mannheim.de/korpusgrammatik/4659

Die Suche nach "bar" als beliebige Form der Präposition liefert keine Treffer, ebenso auch die Suche nach "bar" als Adverb, ein Ergebnis, das als im Hinblick auf die Annotationen bei vergleichbaren Wortformen von Bedeutung ist. Sucht man hingegen nach der Wortfolge "Bar jeder" / "bar jeder" erhält man 1.959 Treffer. Dabei wird bemerkenswerterweise das großgeschriebene "Bar" 1.382-mal korrekt als Teil des Namens der Berliner Lokalität "Bar jeder Vernunft" als appelatives Nomen erkannt. Die restlichen 577 Treffer werden als prädikative Adjektive klassifiziert, eine Einschätzung die nicht unplausibel ist und sogar Anlass dafür bieten sollte, die Einschätzung in "grammis" zu überdenken, womit dann bereits ein Schritt in Richtung auf die geplante Evaluation von Aussagen zur deutschen Grammatik getan wäre.

Bleibt zu prüfen, wie "TreeTagger" die analogen Probleme etwa bei "fernab", "jenseits" und "links" behandelt.

Auch "Connexor" liefert keine Treffer für bar als Präposition. Die generelle Suche nach "bar" als Wortform erbrachte am 18. 11. 2010 insgesamt 39.522 Treffer, unter denen 3.504 ganz ohne Auszeichnung blieben und 7.437 weitere nicht wirklich die Wortform "bar" auszeichneten, sondern "bar + ein oder mehrere weitere Zeichen". Von den restlichen 28.581 Treffern waren 18.561 als Nomina ausgezeichnet, unter denen sich nur 17 falsche Auszeichnungen befanden. Bei weiteren 4.387 Treffern wurde großgeschriebenes "Bar" als Eigenname ausgezeichnet, das jedoch durchweg als Fehler betrachtet werden kann, weil nicht "Bar" selbst, sondern das jeweils vorangehende Nomen als Eigenname auszuzeichnen gewesen wäre, was aber nicht der Fall war. Unter den 5.633 als Adjektiv ausgezeichneten Wortformen handelt es sich bei mehr als der Hälfte genau genommen um Adverbien, eine Kategorie, die "Connexor" zwar grundsätzlich kennt, jedoch nicht erkennt, wenn etwa von "bar bezahlen" die Rede ist. Bei den übrigen, als Adjektive ausgezeichneten Treffern unterscheidet "Connexor" nicht zwischen dem auf einen Zahlwert folgenden "bar", das sich auf Druckverhältnisse bezieht und dem einwertigen "bar", das man wie "grammis" als Präposition oder – besser – wie "TreeTagger" als prädikatives einwertiges Adjektiv bestimmen könnte.

Zugunsten von "Connexor" könnte man darauf hinweisen, dass eine große Zahl der Fehler auf die Art und Formatierung der Rohdaten zurückzuführen sein könnte, doch für Projekte, die darauf angewiesen sind, die Daten von "DeReKo" zu nutzen, ist dieser Hinweis wenig hilfreich.

So etwa in diesem Beleg: "Die Firobig-Bar wird nicht mehr im Sonnental eingerichtet, sondern im Barzelt beim Restaurant Schäfli im Bernhardzeller Schöntal."


(E1)(L1) http://books.google.com/ngrams/graph?corpus=8&content=bar
Abfrage im Google-Corpus mit 15Mio. eingescannter Bücher von 1500 bis heute.

Dt. "bar" taucht in der Literatur um das Jahr 1640 / 1700 auf.

(E?)(L?) http://corpora.informatik.uni-leipzig.de/


Erstellt: 2019-10

barella
Barön (W3)

Ital. "barella" = dt. "Tragbahre", Krankenbahre", "Traggestell" ist auch ein Abkömmling von ide. "*bher-" = dt. "bewegen", "bringen", "erzeugen", "führen", "gebären", "heben", "hervorbringen", "holen", "regen", "tragen".

Intereessant ist ein österreichischer Nachkomme, der in dem Büchlein "Wiener Wortgeschichten" von Robert Sedlaczek ((tschech.) = dt. "Kleiner Bauer") zu finden ist. In Wien heißt die dt. "Tragbahre" österr. "Barön" das als Verballhornung von ital. "barella" entstanden ist.

Dieses österr. "Barön" reiht sich nun wieder in eine kleine Sammlung von Redewendungen ein, die da lauten: Hier gilt es nun noch weitere etymologische oder wortgeschichtliche Anmerkungen zu erwähnen. So bedeutet österr., dt. "reißen" zwar durchaus das, was es ist. In den Redewendungen kommt allerdings eine ältere Bedeutung zum Tragen, die man mit dt. "ritzen", "schreiben" widergeben kann. Diese ursprüngliche Bedeutung ist leicht nachzuvollziehen, wenn man z.B. an die einstigen Runenzeichen denkt, die in Holz eingeritzt wurden. Diese Bedeutungsentwicklung kann man noch sehr gut in engl. "write" erkennen. Aber auch im Deutschen erkennt man es noch in dt. "Reißbrett" (= "Zeichenbrett"), "Reißblei" (= "Graphit"), "Aufriss" (= "Bauzeichnung") , "Schattenriss" (= "Schattenbild". Und der dt. "Umriss" ist "die äußere Linie eines Körpers, die sich von dem Hintergrund abhebt, abzeichnet".

Weiterhin sei noch erwähnt, dass österr. "Brezen" = dt. "Brezel" auf mhdt. "preze", klosterlat. "brachitum", lat. "brachium" = dt. "Arme" zurückgeführt werden kann.

Das österr. "Kipferl" findet man als mhdt. "kipfe", althdt. "kipfo", "kipfa" als Bezeichnung für "Stemmleiste, Stüztzbock am bäuerlichen Wagen", "Wagenrunge", und basiert auf lat. "cippus" = dt. "Pfahl".

Und noch eine Bemerkung zum österr. "Kipferl". Dieses soll an den türkischen Halbmond und damit an die Türkenbelagerung im 17. Jh. erinnern. Darauf soll widerum das franz. "Croissant" ("Hörnchen") zurückgehen. Mag sein dass das alles eine geschichtliche Rolle spielte. Nachweisbar ist jedoch, dass das österr. "Kipferl" bereits im Jahr 1227 als "Chiphen" erwähnt wird, das bei einer Weihnachtsfeier Leopolds VI. des Glorreichen, (1176 - 1230) gereich wurde.

Fr. "croissant" bedeutet eigentlich wörtlich dt. "das Zunehmende", und basiert auf frz. "croître" = dt. "vergrößern", "zunehmen", "wachsen", zu altfr. "croistre" und lat. "crescere", und erinnert damit an die "zunehmende" Mondsichel".

Weil es so schön ist, sei auch noch eine kleine Sammlung von Bezeichnungen für "Brötchen", "Kleingebäck" angeführt:

(E?)(L?) https://www.duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/Die-verschiedenen-Bedeutungen-von-%E2%80%9Erei%C3%9Fen%E2%80%9C-und-%E2%80%9Eschreiben%E2%80%9C

Die verschiedenen Bedeutungen von „reißen“ und „schreiben“

Hier erfahren Sie, was die Verben reißen und schreiben miteinander zu tun haben.
...


(E?)(L?) http://temi.repubblica.it/espresso-slangopedia/2008/11/19/barella/

"Barella": "Cocaina", perché chi si fa finisce in barella.

Tag: droga, Lombardia


Die Übersetzungsfunktion liefert dazu:


"Bahre": "Kokain", denn wer es bekommt, landet auf einer Trage.

Tags: Drogen, Lombardei




(E?)(L?) https://www.textlog.de/9065.html

Barella, Agostino, erbaute von 1661 bis 1675 die Theatinerkirche zu München.


(E1)(L1) http://books.google.com/ngrams/graph?corpus=22&content=barella
Abfrage im Google-Corpus mit 15Mio. eingescannter Bücher von 1500 bis heute.

Ital. "barella" taucht in der Literatur um das Jahr 1730 / 1780 auf.

Erstellt: 2021-02

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verzichtbar (W3)

Ist das Wort "verzichtbar" "verzichtbar"?

(E?)(L?) https://gfds.de/ist-verzichtbar-eine-fehlbildung/

Ist "verzichtbar" eine Fehlbildung?

[F] Der Ausdruck "verzichtbar" ist m. E. eine Fehlbildung der deutschen Sprache. Das Verb "verzichten" kennzeichnet eine Handlung, der Gegenstand, auf den verzichtet wird, wird durch die Präposition auf angeschlossen. Der Lohn wäre also nur dann "verzichtbar", wenn ich ihn verzichten könnte – aber hier fehlt das auf. Wie ist Ihre Einschätzung?

[A] Ihre Beobachtung ist richtig: Adjektive auf "-bar" werden heute fast ausschließlich zu transitiven Verben gebildet. Transitiv sind Verben dann, wenn sie ein Akkusativobjekt regieren und mit ihnen ein Passivsatz gebildet werden kann (z. B. "binden": Ich binde die Blumen, die Blumen werden von mir gebunden). Dabei gibt das Suffix "-bar" an, was mit der im Bezugsausdruck genannten Person oder Sache getan werden kann (lieferbare Waren sind Waren, die geliefert werden können, befahrbare Wege sind Wege, die befahren werden können).

Es gibt allerdings auch eine Reihe von "–bar"-Adjektiven, die zu intransitiven Verben gebildet sind. Als intransitiv bezeichnet man Verben, bei denen kein Akkusativobjekt stehen kann (z. B. kommen, helfen; manche Verben haben sowohl eine intransitive als auch eine transitive Variante, z. B. "Das Gemüse kocht" (intransitiv) gegenüber "Er kocht das Gemüse" (transitiv)). Verfügbare Mittel sind also Mittel, über die verfügt werden kann, unverzichtbare Forderungen sind Forderungen, auf die nicht verzichtet werden kann. Zu dieser Gruppe gehört auch das von Ihnen thematisierte Beispiel "verzichtbar".

Aus dem intransitiven verzichten entstand also das Adjektiv "verzichtbar". Ein Vorteil dessen – aber auch aller anderen Bildungen auf "–bar" – ist die Sprachökonomie: Mit weniger Aufwand und Zeit lässt sich »Die Firma stellt abwaschbare Tapeten her« sagen/schreiben als »Die Firma stellt Tapeten her, die abgewaschen werden können«. Aus diesem Grund sind die "–bar"-Adjektive sehr beliebt und werden häufig gebraucht. Allerdings sind sie zu intransitiven Verben weitgehend blockiert: Die Ausnahmen, die existieren (und dazu gehört "verzichtbar") sind meist ältere oder fachsprachliche Adjektive.

Aus unserer Sicht handelt es sich bei den Wörtern "verzichtbar" und "unverzichtbar" um spezielle Fälle in der Gruppe der "–bar"-Adjektive, die allerdings nicht vermieden werden müssen. In der deutschen Sprache existieren viele Ausnahmen von festgelegten Normen und nicht immer ist nachzuvollziehen, wie und weshalb sie sich entwickelt haben. Doch gerade das macht unsere Sprache auch so interessant. Sie entwickelt sich fortwährend weiter und was sich durchsetzt, was angenommen und abgelehnt wird, entscheidet allein die Sprachgemeinschaft durch Verwendung oder Vermeidung bestimmter Wörter und Konstruktionen.


(E1)(L1) http://books.google.com/ngrams/graph?corpus=8&content=verzichtbar
Abfrage im Google-Corpus mit 15Mio. eingescannter Bücher von 1500 bis heute.

Dt. "verzichtbar" taucht in der Literatur um das Jahr 1840 auf.

(E?)(L?) http://corpora.informatik.uni-leipzig.de/


Erstellt: 2019-12

W

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Z